Wer auf der Wiesn oder inzwischen auch auf dem Wasen nicht in Tracht geht, fällt auf. Foto: AFP

Am Wochenende wird das Cannstatter Volksfest eröffnet, das Oktoberfest läuft bereits. Wir zeigen, mit welchem Dirndl Sie auf Wiesn oder Wasen gehen sollten – und mit welchem nicht.

Stuttgart/ München - Egal ob züchtig, bedeckt oder hochwertig – die Dirndl-Mode in diesem Jahr bietet jeder Frau und jedem Geschmack das passende Kleid zum Volksfest.

Züchtig: Weg mit den billigen Bling-Bling-Dirndln vom Bahnhofs-Shop, die nur darauf aus sind, möglichst viel Haut, aber so wenig wie möglich Stil zu zeigen. Wer ein Gespür dafür hat, wie man sich zur Wiesn und auf dem Wasen ordentlich anzieht, setzt in diesem Jahr auf ein traditionelles, schlichtes Dirndl ohne Glitzer und Chi-Chi. Hochgeschlossene Blusen und zugeknöpfte Dirndl sind das Maß aller Dinge und der Rocksaum geht bittschön mindestens bis übers Knie.

Bedeckt: Farblich liegt man mit gedeckten Tönen in Dunkelblau, Tannengrün oder Bordeaux richtig. Aber auch helle Nuancen in Pastell, Silber- und Beige-Tönen gehen gut, solange nicht zu viele Muster, Knöpfe, Stickereien und ähnlicher Schnickschnack dem ohnehin schon bonbonhaften Look noch mit zusätzlichem Kitsch überfrachtet. Die Münchner Dirndl-Designerin Lola Paltinger findet: „Auch Karo-Muster kommen nie wirklich aus der Mode.“

Sehen Sie in unserem Video Fakten zum Cannstatter Volksfest:

Hochwertig: Brokat, Leinen- oder Baumwolle: das Dirndl der Saison zeigt sich zünftig und ist aus bodenständigen, qualitativ hochwertigen Stoffen genäht oder gewebt. Seide, Organza und ähnliche Stoffe haben Pause – mit Ausnahme des teuersten Dirndls 2017. Das Teil, übrigens made in Stuttgart, stammt von der Luxus-Trachten-Designerin Kinga Mathe. Die hat das edle Stück Grace Kelly getauft und es nur aus feinsten Materialien geschaffen. Mieder und Schürze sind aus Seide, in Gold gefasste Mondsteine bilden die Knöpfe, einer davon ist sogar von echten Diamanten umrundet. Das hat seinen Preis, mindestens 27 500 Euro kostet das gute Stück. Weniger kostspielig, dafür angelehnt an die bayerische Tradition des Waschdirndls – das sind Dirndl, die seit Generationen weiter vererbt werden, meist aus festen, robusten Baumwollstoffen – hat sich das Label Coco Vero von solchen Vintage-Stücken inspirieren lassen und eine Neuauflage des Waschdirndls entworfen: mit Puffärmeln, Stehkragen, Silberknöpfen und großen Schleifen auf gemusterten Schürzen. Heidi lässt grüßen.

Unanständig: Was man niemals tun sollte, auch wenn man selbst im Herbst bei wärmeren Temperaturen noch ins Schwitzen kommt: ein Balconette-Dirndl – also ein Dirndl mit Trägern, für das eine Bluse vorgesehen ist – ohne Bluse tragen. Das zeugt von schlechtem Stil. Ebenso wenig sollte statt einer Bluse ein weißes T-Shirt unter dem Dirndl getragen werden. Stilbruch! Worüber Kenner ebenfalls die Nase rümpfen: ein angenähter Saum eines vermeintlichen Unterrocks – das Ganze womöglich am sowieso viel zu kurzen Rock. Obacht: Plumpe Anmachversuche könnten die Folge sein.

Standfest: Bei Traditionalisten geht nichts ohne Haferl-Schuhe oder Trachten-Ballerinas. Moderne Dirndl-Liebhaber sind da weniger streng. Die Designerin Lola Paltinger hat sogar nichts gegen Sneakers zum Dirndl einzuwenden – sofern sie sich gut ins Gesamtbild einfügen. Mit einem schlichten Ballerina, Schnürstiefeln oder flachen Pumps – mit hohen Schuhen lässt es sich schlecht über Schotter laufen und auf Biertischen tanzen – liegen Sie immer richtig.

Avantgardistisch: Auch die Gothic-Szene ist ein Haufen nostalgisch-romantischer Traditionalisten, weswegen es nicht verwundert, dass sich die schwarzen Jüngerinnen das Dirndl zu eigen gemacht und es ihren düsteren Vorlieben angepasst haben. Mit viel Spitze, Seide, Rüschchen, breiten Reifröcken, Miedern und Korsagen rauschen die Schwarzgewandteten über die Festwiese und hören heimlich Lacrimosa und Dead can Dance über Kopfhörer während die Zeltkapelle „Fürstenfeld“ und „Alice“ schmettert. Keine Sorge: Das wird kein Mainstream!

Alternativ: Was tun, wenn man Dirndl verabscheut? In Jeans gehen! Das, was genervte Münchner aus Protest gegen die Invasion der Faschingsdirndl längst in Erwägung ziehen, dürfen Sie ruhig in die Tat umsetzen. Dazu einen Janker, einen Trachtenhut oder ein Karo-Hemd mit Hirschgeweih-Stickerei und der Wiesn-Wasen-Look ist perfekt. Und natürlich darf es auch die Hirschlederne sein – die gibt es sowohl für Männer als auch für Frauen. Egal ob in Schwarz oder im traditionellen Cognac – die Lederoptik macht den Unterschied. Und viel „Haxn“ zeigen Sie damit auch. Das muss man aber wirklich wollen.

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