Wann gehen die Bauarbeiten am Schwabenlandtower Fellbach weiter? Die Adler-Group kündigt einen Termin für das Aufstellen eines Megakrans an – wieder einmal. Erste Vermietungen im Hochhaus soll es 2023 geben.
Fellbach - Ein Gewöhnungseffekt lässt sich nicht leugnen: Die meisten Leute haben sich offenkundig mit diesem Anblick abgefunden – mit dem Anblick eines leer stehenden Riesenhochhauses, dessen Hülle zwar seit mehr als fünf Jahren weitgehend fertiggestellt scheint, in dem aber bisher kein Mensch wohnt. Lediglich Wanderfalken lassen sich zeitweise auf dem Dach in mehr als 107 Metern Höhe nieder. Das Gebäude ist denkbar als Kulisse wahlweise für einen Endzeitkrimi oder, wie im vergangenen Sommer, für reale Rettungsübungen von Feuerwehrleuten aus Stuttgart. Denn seit mehr als fünf Jahren blickt man eben nicht in nachts beleuchtete Fenster, sondern auf einen Wohnturm, auf dem ganz oben über dem 34. Stockwerk nur rote Warnlichter blinken, damit kein Flugzeug dagegen prallt.
Ein kleiner Behelfskran ist eine Interimslösung
Doch seit langer Zeit blinken nicht nur die Wärter des (Leucht-)Turms. Es gibt auch immer wieder Versprechungen auf Licht am Ende des Tower-Tunnels. Der Immobilienkonzern Adler-Group als Besitzer versichert auf Nachfrage zum einen grundsätzlich, dass man keineswegs an eine abermalige Veräußerung des Gebäudes denke, sondern am Projekt festhalte. Zum anderen verspricht Dobroslawa Pazder von der Corporate Communication der Adler-Gruppe konkret: „Tatsächlich gehen wir davon aus, dass der große Kran in Kürze aufgestellt wird.“
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Dass der Megakran an der Baustelle des Schwabenlandtowers noch nicht aufgestellt werden konnte, was schon für September 2020 angekündigt war, gehe auch darauf zurück, dass erst Bestandsanschlusspunkte saniert werden mussten, mit denen der Kran am Gebäude verankert wird. „Als Interimslösung wurde der kleine Behelfskran aufgebaut.“
Ein Musterzimmer für das Hotel wird fertiggestellt
Dieser kleine Kran wurde Ende Oktober 2021 neben dem Wolkenkratzer aufgestellt. Er hat aber beileibe nicht die Dimensionen des eigentlichen Baukrans, der 126 Meter in die Höhe strebt und somit den Wolkenkratzer um 19 Meter überragen wird. „Ein Kran am Tower macht Hoffnung“, lautete die Schlagzeile in unserer Zeitung. Dieser kleine Kran hat inzwischen seine Pflicht erfüllt. Nun komme sein „großer Bruder“ – als weithin sichtbares Signal, dass „die Arbeiten am Schwabenlandtower voranschreiten“, wie Pazder die nähere Zukunft beschreibt.
Der Fokus habe in letzter Zeit vermehrt auf den Planungs- und Instandhaltungsarbeiten sowie auf der Herstellung eines Musterzimmers für das Hotel, das die unteren Etagen belegt, gelegen. „Wir haben zuletzt die Baufreigabe für weitere Wand- und Deckendurchbrüche erhalten. Außerdem müssen vorhandene Deckendurchbrüche, die nicht zur aktuellen Planung passen, wieder geschlossen werden sowie neue Stützen auf der Ebene Null erstellt werden.“ Eines stehe fest, so Dobroslawa Pazder: „Der Tower wird fertiggestellt und im Bestand behalten.“ Die Vermietung der Wohnungen beginne im ersten Quartal 2023, also bis Ende März des kommenden Jahres. Und das Hotel werde im dritten Quartal 2023, konkret bis September, an den Pächter übergeben.
Ein Mega-Kran stand schon einmal
Diese Terminankündigungen von Adler decken sich weitgehend mit den Erkenntnissen der Stadt Fellbach. Die Bauverwaltung pflege eine „regelmäßige Bauabsprache mit den Verantwortlichen vor Ort“, erklärt die Pressesprecherin Sabine Laartz. Das letzte Gespräch habe vor Weihnachten stattgefunden. Nach aktuellem Stand sei in Sachen Kranaufstellung von der fünften Kalenderwoche die Rede – das wäre ab dem 31. Januar. Im Rathaus rechnet man damit, dass der Kran im Februar steht.
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Es wäre übrigens das zweite Mal, dass ein Kran mit diesen Ausmaßen neben dem Hochhaus steht. Die Premiere ist aber schon eine Weile her. Damals hieß der Fellbacher Wolkenkratzer noch Gewa-Tower – benannt nach den Investoren des im Prinzip aus Vater und Sohn bestehenden Familienunternehmens Warbanoff. Im Februar 2016 berichtete unsere Zeitung, dass der in den Wochen davor immer weiter aufgestockte Baukran mittlerweile eine Höhe von 105 Metern erreicht habe – die Rohbauarbeiten am Wohnturm selbst waren zu jenem Zeitpunkt allerdings erst im 23. Obergeschoss angelangt, was rund 70 Metern Höhe entsprach.
Protestbanner gegen den Nordostring
Einige Monate später, in der Nacht zum 1. Mai 2016, machte der Kran erneut Schlagzeilen: Kletterfexe einer Gruppe, die der Bewegung „Freiheit für Oeffingen“ zugerechnet werden darf, brachten in einer waghalsigen Aktion nicht nur auf dem Turm selbst eine rot-weiße Flagge mit dem Doppelkreuz für den Fellbacher Stadtteil an, sondern kraxelten auch noch auf den Kranausleger, um in rund 100 Metern Höhe ein Protesttransparent gegen den umstrittenen Nordostring aufzuhängen.
Kurz nach dem Richtfest im September 2016 meldete Gewa allerdings Insolvenz an. Die Baustelle geriet ins Stocken, der große Kran war da allerdings schon abgebaut. Mit der Übernahme des Projekts zunächst durch die CG-Gruppe und später die Adler-Group hieß es immer wieder, für die Umbauarbeiten und Veränderungen – so wurde das einstige Konzept mit 66 Eigentumswohnungen umgewandelt in 193 Mietwohnungen – werde auch wieder ein großer Kran benötigt.
Im Sommer 2020 hieß es, in jenem September werde ein 140 Meter hoher Mega-Kran montiert. Im vergangenen Juni kündigte dann Jürgen Kutz, seinerzeit Chief Development Officer der Adler-Group, bei einer Pressekonferenz im 31. Stockwerk an, im Spätsommer werde ein 126 Meter hoher Kran errichtet. Davon war wieder nichts zu sehen. Anfang November gab es immerhin den „kleinen Bruder“ – einen deutlich kürzeren Kran, der neue Stützen auf der sogenannten Ebene Null erstellen sollte.
Dieser Mini-Kran ist wieder abgebaut. Aber nun hat die Adler-Group ja den Riesenkran versprochen, „in Kürze“. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie lange die „Kürze“ dieses Mal sein wird.
Kritik am Stillstand und ein verschuldeter Besitzer
Verschiebungen
Seit mehr als fünf Jahren geht nur wenig bis gar nichts voran auf der Baustelle des Fellbacher Schwabenlandtowers. Das nervt Fellbacher Stadträte – wie auch die ständigen Erklärungen der Investoren, der große Kran fürs Hochhaus werde bald aufgestellt. Diese Ankündigungen, wie zuletzt erneut durch die Adler-Group, „kann man ja nicht mehr für voll nehmen“, wetterte der SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann, das sei fast lächerlich. Auch Stephan Illing (Grüne) rügte das „Trauerspiel“ des jahrelangen Stillstands auf der Bauruine.
Verkäufe
Der Immobilienkonzern Adler, einer der größten Vermieter Deutschlands, der als hoch verschuldet gilt, machte dieser Tage Schlagzeilen. Vorigen Donnerstag meldeten mehrere Medien wie „Der Spiegel“, „Manager-Magazin“ oder „Wirtschaftswoche“, dass das Unternehmen rund 14 400 Wohn- und Gewerbeeinheiten in mittelgroßen Städten in Ostdeutschland an den Finanzinvestor KKR verkauft habe. KKR zahle für das Portfolio gut eine Milliarde Euro. Der Schwabenlandtower gehöre allerdings nicht zu diesen Verkaufsobjekten und bleibe „im Bestand“, wie auch die Adler-Group versichert.