Tourismus versus Naturschutz Ranger für die Schwäbische Alb

Von Torsten Schöll 

High Heels im Wald verboten? Ein witziges Schild mit einem ernsten Hintergrund: Der Tourismus vertrage sich im Biosphärengebiet nicht überall mit dem Naturschutz, klagen Kritiker. Foto: Torsten Schöll
High Heels im Wald verboten? Ein witziges Schild mit einem ernsten Hintergrund: Der Tourismus vertrage sich im Biosphärengebiet nicht überall mit dem Naturschutz, klagen Kritiker. Foto: Torsten Schöll

Neuerdings sucht das Biosphärengebiet Mitarbeiter, die sich um den Naturschutz kümmern – zehn Jahre nach der Gründung. Liegt es daran, dass eine Überprüfung ansteht?

Bad Urach - Menschenmassen am Uracher Wasserfall, oder soll es vor allem ein Biotop für seltene Pflanzen und Tiere bleiben? Tourismus oder Naturschutz? Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb soll sich beides zusammenfügen. So lautet jedenfalls die Theorie. In der Praxis, sagen Kritiker, liege in Sachen Naturschutz auf der Alb einiges im Argen. Und tatsächlich herrscht offenbar Handlungsbedarf: Denn für die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets werden jetzt Mitarbeiter für den Naturschutz und Ranger gesucht. Ein Zufall – oder weil die Überprüfung durch die Unesco in Kürze ansteht?

Wie wir berichtet haben, wird Kritik am praktischen Naturschutz im Biosphärengebiet inzwischen immer lauter. Der ehrenamtliche Naturschutzwart Günter Künkele in Seeburg bei Bad Urach beispielsweise wirft den zuständigen Behörden Tatenlosigkeit vor, er warnte vor der bevorstehenden Unesco-Evaluierung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Plötzlich kommt Bewegung in die Sache

Im Regierungspräsidium in Tübingen hat das offenbar einigen Wirbel gemacht. Denn ganz plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Neben einem Zuständigen für „Naturschutz und Gebietsbetreuung“ will das Regierungspräsidium nun auch zwei Ranger einstellen, die unter anderem an besucherstarken Tagen „Gebietskontrollen in naturschutzsensiblen Bereichen“ durchführen sollen.

Wie die Ranger soll sich auch der neue Mitarbeiter im Bereich Naturschutz außerdem um „praktische Naturschutzmaßnahmen“ kümmern. Die Stellenbeschreibungen lesen sich mitunter wie eine direkte Reaktion auf die von Künkele jüngst vorgebrachten Kritikpunkte.

Naturschutz wird überprüft

Das freilich weist der Sprecher des Regierungspräsidiums, Dirk Abel, weit von sich. „Der grundsätzliche Beschluss zur Personalaufstockung fiel im Lenkungskreis des Biosphärengebiets bereits 2017“, betont er. Deshalb dürfe man die Stellenausschreibungen auch keineswegs als eine kurzfristige Maßnahme wegen der anstehenden Unesco-Überprüfung verstehen.

Eine Tatsache ist es allerdings, dass das Biosphärengebiet unter anderem im Rahmen dieser Überprüfung aufgefordert ist nachzuweisen, ob und, wenn ja, wie gut das vor neun Jahren ausgewiesene Areal seine Naturschutzfunktionen erfüllt. Oder anders ausgedrückt: Wie wirksam sind die Naturschutzmaßnahmen der Behörden in diesem Gebiet tatsächlich?

Bisher nur ein Mitarbeiter zuständig

Eine heikle Frage? Die Stellenausschreibungen vermitteln jedenfalls den Eindruck, als ob kurz vor Torschluss in Sachen Naturschutz schnell noch etwas guter Wille signalisiert werden soll. Denn bisher sei für den operativen Naturschutz im mehr als 85 000 Hektar großen Biosphärengebiet unmittelbar nur ein Mitarbeiter zuständig, bestätigt Abel. Wohlgemerkt: betrachtet über einen Zeitraum von fast zehn Jahren. So alt wird im Mai des kommenden Jahres das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, und fast so lange hat man es nicht für nötig gehalten, hauptberufliche Ranger einzustellen, die den Touristen genauer auf die Finger schauen. Den nun genehmigten beiden Ranger-Stellen könnten demnächst sogar noch weitere folgen: „Im Dezember 2018 wird im Lenkungskreis des Biosphärengebiets über eine mögliche Aufstockung diskutiert“, kündigt Dirk Abel an.

Kritiker wie den Biosphärengebiets-Kenner Günter Künkele wird das freuen. Ihm sind die zunehmenden Besuchermassen, etwa am Uracher Wasserfall, längst ein Dorn im Auge, weshalb er schon warnte, dass das Biosphärengebiet „zur Mogelpackung“ werden könnte. Dass die Stadt Bad Urach kürzlich am Wasserfallsteig ein (vermutlich nicht ganz ernst gemeintes) Verkehrszeichen aufgestellt hat, das High Heels auf dem Wanderweg verbietet, ist in diesem Zusammenhang vielleicht doch mehr als eine ­humorvolle Pointe.

Einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen den wachsenden Touristenströmen und dem Naturschutz will man im Regierungspräsidium trotz der Kritik nicht erkennen. „In diesem Zusammenhang“, betont Abel, „gibt es im Biosphärengebiet keine Probleme.“

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