Auch die Gustav-Jakob-Höhle ist neben der Falkensteiner Höhle ein beliebtes Ziel bei Anbietern von Outdoor-Touren. Foto: Volkshochschule Korntal-Münchingen

Immer mehr Menschen trauen sich mit Führern in wilde Höhlen der Schwäbischen Alb. Experten finden diesen Tourismus schwierig – nicht erst seit dem Unglück in der Falkensteiner Höhle.

Grabenstetten - Über mangelnden Besuch kann sich die Falkensteiner Höhle wahrlich nicht beschweren. Er stelle derzeit fast täglich eine Genehmigung für eine geführte Befahrung der Höhle aus, sagt Roland Deh, der Bürgermeister von Grabenstetten (Kreis Reutlingen) – das macht vorsichtig geschätzt eine vierstellige Zahl an Besuchern pro Sommer. Die absolute Dunkelheit, die große Stille und der Hauch des Abenteuers, die in der Höhle warten, haben auf viele Menschen eine unwiderstehliche Anziehungskraft.

 

Tatsächlich haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Outdoor-Unternehmen etabliert, die Höhlentouren nicht nur in der Falkensteiner Höhle anbieten. Auch Jochen Schweizer, einer der größten Outdoor-Spezialisten, gehört dazu – die Falkensteiner Höhle steht dort für stolze 159,90 Euro im Programm. Die Firma von Jochen Hintz, Cojote Outdoor Events, besteht seit fünf Jahren. Bei ihm seien die Zuwachsraten zweistellig, verrät Hintz; aber er wisse von Mitbewerbern, die kleiner geworden oder verschwunden seien. Einen Trend nach oben gebe es also, aber keinen Boom. Das sieht Markus Boldt, der Vorsitzende des Höhlenvereins Blaubeuren, ebenso: „Die Nachfrage nimmt zu, aber eher in abgeflachter Form.“

Die Unternehmen nutzen nur eine Handvoll Höhlen

In der Szene der Höhlenforscher sieht man die Entwicklung dennoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es gut, dass die gewerblichen Anbieter die Besucher auf sehr wenige Höhlen kanalisierten und die Laien wenigstens mit einem Führer unterwegs seien. Die meisten Firmen haben neben der Falkensteiner Höhle vor allem die Gustav-Jakob-Höhle ganz in der Nähe im Programm. Nur eine Handvoll der mehr als 2600 Höhlen werden also auf der Schwäbischen Alb auf diese Weise genutzt. Boldt spricht dabei von „Opferhöhlen“, die dem nachvollziehbaren Interesse der Öffentlichkeit geopfert werden.

Andererseits, sagt Boldt, seien die Folgen unübersehbar: Die Felsen in der Falkensteiner Höhle seien glatt geschliffen, die Biotope am Eingang hätten sich verändert. Wenn er könnte, würde er den Höhlentourismus ganz unterbinden. Problematisch ist für ihn auch, dass die Anbieter die Tauglichkeit der Menschen kaum testen. Mancher macht aus der Tour sogar ein Event, etwa zum Junggesellenabschied. Wer dagegen beim Höhlenverein Mitglied werden wolle, müsse zuerst in der engen Bärentalhöhle bei Hütten ausprobieren, ob er klaustrophobisch veranlagt ist. „Eine Höhle ist kein Sportgerät“, sagt Boldt. Jochen Hintz hat laut dem Vorsitzenden aber einen guten Ruf in der Szene.

Gegenüber gewerblichen Anbietern sind die Retter skeptisch

Auch Matthias Leyk von der Höhlenrettung Baden-Württemberg ist skeptisch, was die gewerblichen Anbieter betrifft. Bei manchen sei die Ausrüstung mangelhaft und die Sicherheitsvorkehrungen seien unzureichend: „Die Masse an Touren, die Vielzahl der Anbieter und die teils offensive Werbung sind nicht mein Ding.“ Teils bleibe die Höhlenrettung auf ihren Kosten sitzen, weil Anbieter im Kleingedruckten eine Haftung ausschlössen. Die Höhlenrettung arbeitet ehrenamtlich.

Zum Glück, betont Leyk, sei die Zahl der Einsätze aber recht klein geblieben; eine so spektakuläre Aktion wie am Wochenende an der Falkensteiner Höhle komme nur etwa alle drei Jahre vor. Es sei jedoch zu beobachten, dass die Einsätze verstärkt Privatpersonen gälten und immer seltener den eigenen Kameraden, den professionellen Speläologen. Die Gemeinde Grabenstetten hat schon reagiert – seit diesem Frühjahr benötigt jeder, der die Falkensteiner Höhle befahren will, eine Genehmigung. Und er muss nachweisen, gegen die Gefahren versichert zu sein.

In der Forschung aktiv sind um die 50 Personen

Insgesamt ist die Gruppe der Höhlenforscher im Südwesten recht klein. Die Vereine hätten einige tausend Mitglieder, sagt Markus Boldt; aber in der Höhlenforschung aktiv seien vermutlich nur rund 50 Personen. Und er räumt ein, dass auch die Speläologen die Höhlen nicht unberührt lassen – um weiter vorzudringen, räumen sie Schutt weg oder legen sogar neue Zugänge an, wie derzeit an der Föhnerquelle bei Lichtenstein-Honau. „Wir haben aber ein breites Spektrum an Maßnahmen, um Schäden zu vermeiden“, berichtet Boldt.

Wer ganz ohne Risiko die einzigartige Welt einer Höhle erleben will, besucht am besten eine der rund ein Dutzend Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb. Aber Vorsicht: Selbst dort kann man sich empfindlich den Kopf anstoßen.