Schillers Geburtshaus als Haus der Freiheit etablieren? Eine Idee, die ankam. Foto: dpa

Tages- und Radtouristen werden für den Sommer erwartet. Zahlen in Schillers Geburtshaus sind weiter rückläufig.

Marbach - Wie wird der Tourismus 2020 für Marbach? Diese Frage wird Anja Behnle von der Stadt Marbach den Gemeinderäten im Verwaltungsausschuss erst in einem Jahr beantworten können. Doch selbst Prognosen fallen derzeit schwer. Man stehe voll unter dem Eindruck von Corona, sagte Behnle am Donnerstagnachmittag, als sie im Verwaltungsausschuss, der eben wegen Corona in der Stadthalle tagte, ihren Bericht für das Jahr 2019 ablieferte.

Das vergangenen Jahr sei aus touristischer Sicht ein positives für die Schillerstadt gewesen. Bei den Übernachtungen habe man relativ konstante Zahlen verbucht. Ein Blick in die Statistik zeigt: 23 784 Übernachtungen waren es. Insgesamt bedeutet dies eine Auslastung der angebotenen Schlafgelegenheiten – bezogen auf gewerbliche Anbieter mit mehr als zehn Betten – von 38,5 Prozent. Ein großer Teil der Übernachtungen fällt in die Sparte geschäftliche Übernachtungen. Und das könnte, so Grünen-Rat Sebastian Engelmann, in diesem Jahr eventuell zu einem Problem werden. „Wir werden nach der Krise nicht mehr so viele Dienstreisen haben“, ist sich Engelmann sicher. Das sei fürs Klima gut, reduziere aber eben die Auslastung. Außerdem habe sich das Mittel der Videokonferenzen eingespielt und werde von vielen sicher auch in Zukunft genutzt werden.

Bei den Führungen gebe es immer etwas Schwankungen, so Behnle. Das Jahr 2019 habe etwas unter dem Vorjahr gelegen. Dennoch sei das spontan wahrnehmbare Angebot wichtig. Der Anteil der klassischen Stadtführungen, ob mit oder ohne Kostüm, mache im breiten Programm der Führungen einen großen Teil aus. Insgesamt 3315 Teilnehmer hatten die 173 Führungen, was im Schnitt 15 Führungen pro Monat bedeutet. 3694 Teilnehmer waren es in 2018, 3614 in 2017. Auch bei den szenischen Rundgängen, die der Stadtinfoladen anbietet, gab es ein leichtes Minus. Alternative Angebote wie die Tuk-Tuk-Touren oder die Weinerlebnistouren sorgten insgesamt jedoch für ein stabiles Niveau an Teilnehmern.

Beim Blick auf die Besucherzahlen in den Museen gibt es auch Licht und Schatten. Positiv: Das Tobias-Mayer-Museum hatte 3267 Besucher. Auch ins Schiller-Nationalmuseum und ins Literaturmuseum der Moderne kamen rund 6000 Gäste mehr als in 2018 – nämlich 66 561. Anders sieht es bei Schillers Geburtshaus aus. Die Abwärtsspirale dreht sich weiter: 10 286 Besucher im Jahr 2016, 9447 in 2017, 9383 in 2018 und gerade mal 8109 im vergangenen Jahr. Der Trend werde sich nicht umkehren, glaubt Sebastian Engelmann. Man müsse die Menschen ins Geburtshaus locken – etwa indem man das Geburtshaus des Dichters als Haus der Freiheit etabliere – mit einer besonderen Ausstellungsreihe. „Das Thema Freiheit interessiert die Menschen, das sieht man aktuell.“ Der Vorstand des Schillervereins habe das Problem der rückläufigen Besucherzahlen erkannt, erklärte Bürgermeister Jan Trost. Die aktuelle Ausstellung gebe es schon elf Jahre. Er werde Engelmanns Idee mit in die nächste Sitzung nehmen. Eine Idee, die auch im Rest des Ratsgremiums gut ankam.

Dass die Coronakrise und die Einschränkungen im Reisen eine Chance für die Stadt sein kann, das klang mehrmals an am Donnerstag. Vor allem auch im Bereich des Radtourismus. „Wir werden mehr Radfahrer in der Innenstadt erleben und die monatlichen Übernachtungszahlen werden ab Juni steigen“, sagte Puls-Rat Hendrik Lüdke. Nur eines dürfe nicht passieren: eine zweite Welle der Infektionen und ein zweiter Lockdown.

Ute Rößner (SPD) hakte in Sachen Außengastronomie nach. Genauer gesagt wollte sie wissen, ob die Stadt den Wirten entgegenkomme bei den Kosten für die Außenbewirtung. Denn gerade für kleinere Gaststätten sei die Krise existenzbedrohend. Andreas Seiberling, der Leiter des Marbacher Ordnungsamtes, signalisierte ein Entgegenkommen. Es sei zwar intern noch nicht kommuniziert worden, aber er gehe davon aus, dass man keine Gebühren erheben werde. „Das wäre das richtige Signal“, so Seiberling.

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