Natur hin, Biosphäre her: Am Feldberg sorgt man sich um die Touristen Foto: dpa

Im Südschwarzwald soll ein Biosphärengebiet entstehen. Hier ist die Natur zwar längst nicht so streng geschützt wie in einem Nationalpark, Gegner gibt es trotzdem. Gut möglich, dass das Gebiet zwar kommt – aber ohne den Feldberg.

Feldberg - Kaum hat sich im Nordschwarzwald der Sturm wegen des Nationalparks gelegt, kocht nun im Süden die Volksseele. Dort haben einige Gemeinden vor Jahren die Idee geboren, die Region zum Modell für eine nachhaltige Entwicklung von Natur und Wirtschaft zu machen und damit gleichzeitig neue Fördertöpfe anzuzapfen.

Wie so etwas geht, haben vor fünf Jahren 29 Kommunen auf der Schwäbischen Alb vorgemacht. Diese haben sich unter Anleitung der damals schwarz-gelben Landesregierung zu einem sogenannten Biosphärengebiet zusammengeschlossen und werben seither erfolgreich mit diesem von der Unesco verliehenen Etikett für sich.

Grüne und SPD haben sich 2011 vorgenommen, ein zweites dieser Großschutzgebiete im Land einzurichten. So kam der ­Koalition die Initiative aus der Schwarzwaldgemeinde Schönau gerade recht. Der Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), betont zwar, das Projekt sei allein kommunale Sache. Doch er sähe es ebenso gern wie viele seiner Parteifreunde, wenn das Vorhaben gelänge: „Wir glauben, dass es eine gute Sache für die Region wäre, denn es würde ihr bei der weiteren Entwicklung helfen“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Ob im Dreieck zwischen Freiburg, Lörrach und Waldshut tatsächlich ein Biosphärengebiet entsteht, ist aber noch fraglich. Denn nicht alle in der Region erwarten sich davon einen Vorteil. So hat in der vergangenen Woche der Gemeinderat von Todtnau mit zehn gegen sieben Stimmen den Daumen gesenkt – weil er unter anderem befürchtet, dass die Gemeinde zu viel Wald für die sogenannte Kernzone hergeben muss.

Dieser Schutzbereich soll zwar nur drei Prozent der Gesamtfläche betragen, darf aber nicht wirtschaftlich genutzt werden. Und eine Käseglocke, das hat die hitzige Diskussion um den Nationalpark Nordschwarzwald gezeigt, ist das Letzte, was die Schwarzwälder dulden.

Andererseits sind die Vorteile eines solchen Projekts selbst für Kommunalpolitiker nur schwer zu fassen. Skeptiker wie der Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, Stefan Wirbser, halten schlicht auch den Geldeinsatz des Landes für zu gering. „140 000 Euro, verteilt auf mehr als 30 Gemeinden, das ist eine Mogelpackung“, sagt der streitbare CDU-Mann. Eigentlich ist viel mehr Geld im Topf, das Land kalkuliert mit 460 000 Euro jährlich, die Kommunen sollen weitere 200 000 Euro aufbringen. Doch da die ­Personalkosten für die Verwaltung rund 400 000 verschlingen, bleibt nicht allzu viel übrig.

„Wir lassen uns den Mund nur wässrig machen, wenn der Teller voll ist“, hat Wirbser kürzlich den Projektbeauftragten des Freiburger Regierungspräsidiums abgespeist. Er will außerdem das Feldberger Skigebiet als sogenannte Entwicklungszone ausweisen – also frei von Einschränkungen.

Der Freiburger Grünen-Landtagsabgeordnete Reinhold Pix hält diese Einstellung für falsch: „Im Südschwarzwald gibt es zwar einige attraktive Standorte, aber auch viele strukturschwache Gebiete, die würden vom Biosphärengebiet besonders profitieren.“ So hätten Projekte für nachhaltigen Tourismus oder Verkehr viel bessere Chancen auf eine finanzielle Förderung, lautet das Argument. Man möge doch bitte mal auf der Schwäbischen Alb nachfragen.

Dort ist die anfängliche Skepsis binnen weniger Jahre tatsächlich einer breiten Zufriedenheit gewichen. Man schätzt zum Beispiel die Vorteile einer gemeinsamen Vermarktung. Die Zustimmung zeigt sich schon daran, dass mittlerweile auch solche Gemeinden an die Tür des Biosphärengebiets klopfen, die den Beitritt anfangs verschmäht hatten. 19 Bürgermeister stehen jetzt Schlange – doch bis das Gebiet erneut verändert wird, vergehen mehrere Jahre.

Wenn es nicht anders gehe, so hört man aus dem Stuttgarter Ministerium, entstehe das Biosphärengebiet eben ohne die Neinsager. Ohne den Feldberg? Pix kann sich das nur schwer vorstellen: „Das geht schon, aber es wäre nicht so attraktiv.“ Bei allzu viel Widerstand müsse man das Projekt zum Jahresende eben nochmals überdenken, sagt der Abgeordnete. Das allerdings würde jene Kommunen enttäuschen, die sich bereits zum Biosphärengebiet bekannt haben – erst vor kurzem Bernau zum Beispiel.

Bis Oktober soll sich der Nebel lichten. Dann muss sich auch Feldberg entscheiden.

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