2017 besuchten mehr als elf Millionen Touristen das Königreich Marokko – ein Rekordniveau. Foto: AP

Der arabische Frühling sowie Terror-Attacken in Nordafrika haben die Touristen verschreckt – und Marokko an die Spitze der Urlaubsziele katapultiert.

Tunis - Der Tourismus in der nordafrikanischen Region steckt noch immer in der Krise. Während Algerien und Libyen kaum Touristenvisa ausstellen, buhlen die restlichen Maghreb-Staaten wie Marokko und Tunesien mit Ägypten mehr oder weniger verzweifelt um europäische und russische Urlauber. Ein Überblick.

Marokko

Seitdem der Arabische Frühling Tunesien und Ägypten erfasst hat, ist Marokko zum beliebtesten Reiseziel im Maghreb avanciert. 2017 besuchten mehr als elf Millionen Touristen das Königreich an der Grenze zur Westsahara – ein Rekordniveau. Marokko wirbt mit seiner reichen Kultur und einer vielseitigen Landschaft, die von der Wüste bis zum Skigebiet reicht. Beliebte Reiseziele sind unter anderem Städte wie Marrakesch und Fès. Im Gegensatz zu seinen Nachbarländern ist die konstitutionelle Monarchie von politischen Umbrüchen und Terroranschlägen fast unberührt geblieben. „Das Land mit seinem stabilen politischen System profitiert vom Arabischen Frühling“, bilanziert der Tourismusexperte Moez Kacem. Der Professor für Hotelmanagement in Tunis beobachtet seit vielen Jahren die Entwicklung der verschiedenen Reisedestinationen in der nordafrikanischen Region und berät Hotelunternehmen weltweit. Schon 2006, erklärt Kacem, sei es Marokko gelungen, ein sogenanntes Open-Skies-Abkommen mit Europa und Afrika zu unterzeichnen, seinen Luftraum zu öffnen und Tunesien im internationalen Ranking abzuhängen. „Die zahlreichen Flugverbindungen zu internationalen Flughäfen ermöglichen Touristen einen günstigen Zugang“, so der Experte. Auch das Weltwirtschaftsforum hatte 2017 beim Vergleich der weltweiten touristischen Wettbewerbsfähigkeit das Königreich Marokko noch vor Ägypten und Tunesien eingestuft.

Ägypten

Trotz einzigartiger kultureller Sehenswürdigkeiten befindet sich Ägypten seit der Revolution 2011 in der Krise, die unruhige Sicherheitslage hat den Tourismus zurückgeworfen. Die Nilkreuzfahrten sind längst kein Massengeschäft mehr: Von mehreren hundert Kreuzfahrtschiffen, die einst von der früheren Pharaonenstadt Luxor bis hinunter ins südliche Assuan schipperten, sind nur noch eine Handvoll im Einsatz. Die Pyramiden und Gräber im Tal der Könige sind schlecht besucht. Das Land der Pharaonen wird immer wieder von terroristischen Anschlägen erschüttert. Neben Anschlägen in der Hauptstadt Kairo sind auch Urlaubsorte wie Sharm el-Sheikh, das auf der Sinai-Halbinsel zwischen der Wüste und dem Roten Meer liegt, nicht vom Terrorismus verschont geblieben. Bis vor drei Jahren lockte der Badeort mit geschützten Sandstränden, klarem Wasser und unberührten Korallenriffen vermehrt Urlauber aus Russland an. Seit dem Absturz eines russischen Urlaubsfliegers mit mehr als 200 Toten im Jahr 2015 blieben auch die Gäste aus Russland aus. Der Absturz hatte eine diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern ausgelöst, russische Passagiermaschinen durften Ägypten nicht mehr anfliegen. Mit drei Millionen Besuchern waren die Russen eine der stärksten Touristengruppen. Auch Fluglinien anderer Länder strichen damals das Reiseziel von ihrer Liste. Nun erholt sich die Urlaubsregion am Roten Meer langsam, russische Maschinen fliegen seit Anfang 2018 wieder nach Kairo: Für 2017 vermeldete Ägypten rund 8,3 Millionen internationale Touristen – ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2016.

Tunesien und Algerien

Nachdem Großbritannien, Skandinavien und Belgien 2017 ihre Reisewarnungen für Tunesien zurückgezogen haben, erholt sich das Land langsam. Vor allem Touristen aus Algerien und Libyen hätten dem tunesischen Tourismus geholfen, das Fernbleiben der Europäer zu verkraften, so der Tourismusexperte Kacem: 2017 besuchten 2,5 Millionen algerische sowie 1,3 Millionen libysche Touristen das Land. Die Libyer aber, glaubt Kacem, seien entweder Geschäftsleute, Gesundheitstouristen oder Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg aus Libyen fliehen. Algerien selbst hält der Experte für kein touristisches Ziel: „Algerien ist geschlossen für Urlauber, der Tourismus selbst ist kein wichtiger Sektor.“

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