StN-Radler Tom Hörner (re.) fängt Stimmen zur Raddemo ein Foto: Peter Petsch

Mit Video - Jeden ersten Freitag im Monat radelt ein Demo-Zug durch Stuttgart. Wir haben den Critical-Mass-Tross begleitet und mit dem Internet-Sender Stuggi.TV ein Video gedreht.

Stuttgart - Am größten ist das Glücksgefühl in der Hauptstätter Straße. Dort, wo sonst die Autos, Lkw und Motorräder in dichten Kolonnen den Asphalt beherrschen, gibt es am Freitagabend kurz nach halb acht für eine Viertelstunde fast grenzenlose Freiheit. Für Radfahrer. „Was die Autofahrer sonst ganz allein für sich beanspruchen, gehört jetzt eben mal uns“, sagt eine Radlerin. Unbeschwert und mit breitestem Grinsen im Gesicht kann sie sich auf den zwei Fahrspuren stadteinwärts bewegen. Sie ist eine von vielen Hundert, die den radelnden Zug bilden. Demonstration auf zwei Rädern. Auf Neudeutsch: Critical Mass.

Eine Stunde zuvor war Treffpunkt am Feuersee. Wie jeden ersten Freitag im Monat. Von allen Richtungen sind Mensch und Rad gekommen. Alban Manz hat noch Zeit, die letzten Details mit den Polizisten zu besprechen. Die Streckenführung hat der Organisator bei den Ordnungshütern angemeldet. Sieben Polizisten sind abgeordnet, den Tross zu begleiten, fünf auf Motorrädern und zwei im Streifenwagen. „Die Polizei macht so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, ist Manz mit der zurückhaltenden Verkehrsabsicherung durch die Beamten zufrieden. Auf beiden Seiten hat man in den vergangenen Monaten Erfahrungen gesammelt.

Aber diesmal ist die Critical Mass so groß wie nie zuvor in Stuttgart. Die Zahl von 500 Teilnehmern vom vergangenen Monat dürfte bei weitem übertroffen, vielleicht sogar verdoppelt sein. „Das Wetter ist gut und die Propaganda im Internet rasend schnell“, weiß Alban Manz, dass seine „Hoffnung auf 600 Radler“ sich mehr als erfüllt hat.

Mit einem Klingelkonzert setzt sich gegen 18.45 Uhr die Masse mit langsamem Tempo in Bewegung. An die zehn Helfer aus dem harten Kern der Organisatoren sind mit Trillerpfeifen bewaffnet und sorgen dafür, dass keiner aus der Herde ausbüxt. „Die Leute sollen rücksichtsvoll fahren und in der Gruppe bleiben“, appelliert Alban Manz. Und so wird es eine friedliche Reise kreuz und quer durch die Innenstadt. Autofahrern bleibt nichts anderes übrig, als zu warten und zu gucken. Sie tun es mit erstaunlicher Ruhe. Gegen die Masse an Rädern hätten sie auch wenig auszurichten. Gegen 21 Uhr ist das Ziel erreicht. Bei den Wagenhallen im inneren Nordbahnhof gibt’s Pizza und Salat zum Selbstkostenpreis.

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