Tour de Stuttgart Mit Spikes auf Carl Eugens Spuren

Von Tom Hörner 

Kamera läuft: StN-Radler Tom Hörner bei der Anmoderation unterm Fernsehturm Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Kamera läuft: StN-Radler Tom Hörner bei der Anmoderation unterm Fernsehturm Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach einer längeren Sendepause haben wir uns wieder aufs Rad gesetzt und eine neue Folge von „Tour de Stuttgart“ gedreht. Bei dem Wetter, mag sich mancher fragen. Kein Problem, wenn man die richtigen Reifen wählt.

Stuttgart - Der gemeine Autofahrer mag dem gemeinen Radfahrer in manchen Belangen ­voraus sind. Bei der Winter­bereifung ­jedoch nicht. Während Autofahrer mit Grobprofilreifen durch die kalte Jahreszeit schleichen müssen, dürfen Radfahrer zum unschlagbaren Spike greifen.

Insofern ist unser jüngstes Rad-Video, das wir wieder gemeinsam mit dem Internet­sender Stuggi.TV produziert haben, auch als ein Plädoyer für ordentliche Pneus beim Winterradeln zu verstehen. Selbst auf vereisten Straßen bieten genagelte Reifen Halt. Wie notwendig die Spikes bei der Tour ­waren, sieht man in unseren Video schon nach den ersten ­Metern: Immer wieder nehmen Schnee­flocken der am Lenker montierten Kamera die Sicht.

In Folge neun unserer Reihe haben wir uns auf die Spuren von Herzog Carl Eugen (1728 bis 1793) begeben, den ollen Weiberhelden und Geldverschwender. Inspirieren ließen wir uns zu der Route von dem empfehlenswerten Ausflugsführer „Stuttgart per Rad entdecken“ von Peter Pipiorke und Friederike Votteler (G. Braun Verlag, Karlsruhe, 14,95 Euro). Der im vergangenen Jahr erschienene Band ist unseres Wissens nach das einzige Radtourenbuch zu Stuttgart, das sich fast durchweg auf Gemarkung der ­Landeshauptstadt bewegt. Normalerweise streben Radbücher zu Stuttgart meist zügig raus aufs Land.

Man kann manches gegen die Herrschaftsgebärden Carl Eugens vorbringen, den zwölften Herzog Württembergs, aber in einem Punkt hätte er prächtig in unsere ­partyselige Zeit ­gepasst: Feste konnte der Kerle feiern – zumindest, so lange seine Untertanen die ­Zeche dafür bezahlten. Mit 77 außerehelich gezeugten Söhnen und zig Töchtern (die Zahl der Mädchen schien damals nicht so wichtig) hat er zudem einen stolzen Beitrag zum Fortbestand Württembergs geleistet.

Wir starten zu unserer Tour am Fernsehturm, biegen nach wenigen hundert Metern links ins Königsträßle ab und erreichen im heftigen Schneetreiben Birkach. In der Alten Dorfstraße befindet sich die Franziska-Kirchen, die Carl Eugen für eine seiner Mätressen bauen ließ – von dem Architekten Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, einem seiner zahlreichen illegitimen Söhne. Von hier ist es nur ein Katzensprung zu einem anderen Schauplatz des herzöglichen Wirkens, dem Schloss Hohenheim, das Carl Eugen vom eben genannten Spross, seinem Hofbaumeister Fischer, zur Sommerresidenz umbauen ließ.

Auf der Kirschallee geht es weiter ins Ramsbachtal. Wir folgen der Radwegbeschilderung Scharnhausen, passieren den Sitz der Polizei-Reiterstaffel und statten dem Schloss Scharnhausen und dem Amor-Tempel, einer fürstlichen Gartenlaube, einen Besuch ab. Das Schloss Scharnhausen, einst vom Herrn Hofbaumeister für Carl ­Eugen als Lustschloss errichtet, befindet sich heute in Privatbesitz; in der sogenannten Pferdeklinik werden behinderte ­Menschen mit „heilpädagogischem Reiten“ behandelt.

Wir radeln zurück ins Ramsbachtal, biegen kurz vor der Mittleren Filderstraße nach links ab und folgen der Körsch bis Plieningen. Auf geteerten Feldwegen gelangen wir nach Möhringen, rollen auf Nebenstraßen nach Vaihingen, queren auf der Nesenbachtalbrücke die Kaltentaler Abfahrt, kommen zum Uni-Viertel in Vaihingen und erreichen auf dem Pfaffenwaldring den Pfaffenwald, dessen verschlungene Wege in dieser Jahreszeit ein grobes Profil verlangen. Und wenn es ganz dick kommt, muss man sein Fahrrad auch mal schultern. Der Weg führt bergab zur viel befahrenen Magstadter Straße. ­Obacht beim Queren!

Hinter dem Deich der beiden Seen steigt die Straße links an zum Bärenschlössle, unter Carl Eugen ein Ort rauschender Feste, heute ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Auf dem Bärensee sollen aus Italien importierte Gondoliere für venezianisches Flair gesorgt haben. Die Anlegestelle kann man noch heute erkennen. Sie werden von zwei liegenden Löwen markiert.

Die Endstation unserer Tour erreichen wir auf bolzgeraden Alleen: das Schloss Solitude. Solitude, schreiben Pipiorke/Votteler, bedeutet Einsamkeit. Doch damit soll es vorbei gewesen sein, nachdem Herzog Carl Eugen mit seinem Gefolge auf der Anhöhe über Weilimdorf aufgeschlagen war.

Falls Sie die Winterbilder in unserem ­Video nicht zum Radfahren animieren konnten. Man kann die Tour auch im Frühling bei milden Temperaturen fahren. Für die gut 30 Kilometer lange Route sollte man ruhig drei bis vier Stunden veranschlagen, zumal das Bärenschlössle immer gut ist für eine Rast.

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