Mountainbiker Kristek am stillgelegten Steinbruch Haas im Hallschlag Foto: Decksmann

In der siebten Folge unser Videoreihe „Tour de Stuttgart“ radeln wir auf den Spuren des Cannstatter Travertin.

Stuttgart - Radführer zu Stuttgart gibt es vielleicht nicht wie Sand am Meer, aber ­etliche Duzend findet man schon in gut sortierten Buchläden. Leider führen die meisten Bände aus der Stadt hinaus. Ein im Frühjahr im Karlsruher G. Braun Verlag erschienener Ausflugsführer schlägt eine andere Richtung ein. In „Stuttgart per Rad entdecken“ (14,95 Euro) halten sich die Autoren Peter Pipiorke und Friederike Votteler meist im Stadtgebiet auf.

Für eine neue Folge unserer wieder vom Internetsender Stuggi.TV produzierten Videoreihe „Tour de Stuttgart“ haben wir uns auf die im Band beschrieben Travertin-Tour begeben und sind durch Bad Cannstatt und Münster geradelt. Auf 16 Kilometer, wie es im Büchlein heißt, sind wir nicht ganz gekommen, es waren wohl nur knapp zehn. Aber ansonsten ist das Buch informativ, glänzend geschrieben und wir würden die Wette wagen, dass selbst Menschen, die im Norden der Stadt aufgewachsen sind, bei dieser Tour Ecken entdecken, an denen sie noch nie waren (oder die sie so noch nicht wahrgenommen haben). Oder hätten Sie gewusst, dass unweit der Waiblinger Straße in Bad Cannstatt Travertinhäuser stehen?

Bevor wir starten, ein paar Sätze zum Travertin, von Pipiorke und Votteler als „Cannstatter Marmor“ bezeichnet. Das gelblich-bräunliche Gestein gehört zu Cannstatt wie das Mineralwasser und der Wein. Gebildet wird es seit 500 000 Jahren durch den hohen Mineralgehalt des Wassers. Travertin ist härter als Sandstein und wird gern verbaut, auch an prominenter Stelle: Der Neubau der Staatsgalerie hat eine Travertinfassade.

Unsere Rundfahrt beginnt am Bahnhof Cannstatt. Wir, das sind neben dem Autor die StN-Leser Helga Hoff, Gerhard Bickelmann und Konstantin Kristek, ein Mountainbiker. Wir gelangen über den Veielbrunnenweg zum Erdaufschluss Heinrich-Ebner-Straße. Hier tritt der Cannstatter Untergrund in Schichten zu Tage. Weiter geht es unter der Bahnlinie hindurch zur eingangs erwähnten Travertinsiedlung. Den nächsten Abstecher machen wir im Kursaal, wo ein Travertinturm steht, in dem sich Gottlieb Daimler auszuruhen pflegte.

Weitere Stationen: Die Verkaufsstelle des städtischen Weinguts in der Sulzerrainstraße 24. Uns reicht ein Blick auf die Fassade, wer mehr Zeit hat, sollte fragen, ob er in den Travertinkeller schauen darf. Wir überqueren den Neckar am Mühlsteg und gelangen über eine ehemalige Elektrobahntrasse zum Freilichtmuseum Travertinpark am Hallschlag. Kurzer Abstecher zum früheren Steinbruch Haas. Dann geht es nach Münster, wo man noch die meisten Travertinhäuser findet, vor allem in der Enzstraße. Unsere Tour endet bei den Travertinsäulen am Kraftwerk Münster, die von Hitler für ein Berliner Protzdenkmal bestellt, aber nie abgeholt wurden.

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