Lennard Kämna hat eine starke Tour de France hinter sich. Foto: dpa/Christophe Ena

Neben dem großen Gewinner Tadej Pogacar hatte die Frankreichrundfahrt 2020 weitere erfolgreiche Typen zu bieten. Aber auch solche, die Niederlagen zu verdauen haben. Von Lennard Kämna bis Egan Bernal, von Sam Bennett bis Peter Sagan – eine kleine Auswahl.

Paris - Tadej Pogacar ist der große Sieger der Tour de France 2020, Primoz Roglic der erste Verlierer. Doch auch abseits des Duells der neuen Superstars aus Slowenien lieferte das Rennen viel Stoff für Geschichten.

Gewinner

Lennard Kämna Der große Lichtblick aus deutscher Sicht. Kämna trug die Last eines ganzen Teams auf seinen Schultern. Als es bei Bora-hansgrohe nicht lief, radelte er voran. Bis zum Solo-Etappensieg in Villard-des Lans. Der 24-Jährige kann klettern, ist stark im Zeitfahren und robust genug für eine dreiwöchige Rundfahrt. Kurzum: Er ist ein Mann für die Zukunft.

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Sam Bennett Der Ire kämpfte bis zur völligen Erschöpfung, auch in Paris, nicht nur einmal kamen ihm im Ziel die Tränen. Lohn war das Grüne Trikot des Punktbesten, das er ausgerechnet Peter Sagan abnahm. In der vergangenen Saison waren die beiden noch Teamkollegen bei Bora-hansgrohe, dann ging Bennett – es war der richtige Schritt.

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Guy Niv Der erste israelische Radprofi aus dem ersten israelischen Profi-Team bei der Tour hat Paris erreicht. Auch wenn Niv wenig zu sehen war, rückte er die junge Radsport-Nation in den Fokus. 2021 will die von Milliardär Sylvan Adams finanzierte Mannschaft mit Chris Froome die Tour gewinnen. Niv muss dann wohl zu Hause bleiben.

Roger Kluge Es ist eine Kunst, die Frankreich-Rundfahrt als Letzter zu beenden. Und, was den Aufmerksamkeitsfaktor angeht, viel besser, als Vor- oder Drittletzter zu werden. Kluge, der immer wieder Lotto-Soudal-Sprinter Caleb Ewan ins Ziel eskortierte, lag am Ende 6:05:42 Stunden hinter Tadej Pogacar. Die Rote Laterne trug er mit Stolz.

Marc Hirschi Der 22-jährige Schweizer gewann nicht nur eine Etappe, er wurde auch als kämpferischster Fahrer der gesamten Tour ausgezeichnet – und das völlig zurecht: keiner befand sich öfter in Fluchtgruppen.

Der Radsport Die Profi-Teams werden fast ausschließlich von Sponsoren finanziert, die Frankreich-Rundfahrt ist für sie eine unverzichtbare PR-Bühne. Wäre das Rennen ausgefallen, hätte dies etliche Mannschaften in existenzielle Nöte gebracht. Nun rollt nicht nur der Tross weiter. Sondern auch der Rubel. „Die Tour“, sagt Ralph Denk, Teamchef von Bora-hansgrohe, der mit beiden Hauptsponsoren bis 2024 (!) verlängert hat, „bleibt unser wichtigstes Gut.“

Verlierer

Emanuel Buchmann Er wollte aufs Podest, dann stürzte er bei Dauphine-Rundfahrt in den Straßengraben. Die Hoffnung schwand, die Form auch. Angeschlagen ist bei der Tour nichts zu gewinnen. Das weiß nun auch Bora-Kapitän Emanuel Buchmann – nach drei völlig verkorksten Wochen.

Peter Sagan Der Slowake, angeblich mit fünf Millionen Euro pro Jahr bestbezahlter Radprofi, beendete erstmals eine Tour, ohne etwas gewonnen zu haben – weder eine Etappe noch das Grüne Trikot. Das nervte den Superstar von Bora-hansgrohe sichtlich, auch wenn er es leugnete: „Ich habe schon sieben Grüne Trikots. Ob ich ein achtes gewinne, macht für mich keinen Unterschied.“

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Egan Bernal Der Titelverteidiger brach komplett ein, gab auf – und brachte damit auch Sir Dave Brailsford in Bedrängnis. Der Teamchef von Ineos Grenadiers, mit rund 40 Millionen Euro Jahresetat die teuerste Equipe, hatte auf seine Altstars Chris Froome und Geraint Thomas verzichtet. Was folgte, war eine Tour zum Vergessen. Trotz des Doppelsiegs von Michal Kwiatkowski und Richard Carapaz in La Roche-sur-Foron. Jetzt muss Brailsford sein Team ganz neu aufstellen.

Jumbo-Visma Drei Wochen gerackert, am letzten Berg alles aus der Hand gegeben: Als Primoz Roglic mal nicht auf die Hilfe seiner Kollegen bauen konnte, verlor er im Einzelzeitfahren das Gelbe Trikot und die Tour. Das mit Abstand beste Team kam am Ende auf drei Etappensiege – und jede Menge enttäuschter Gesichter.

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Die französischen Mitfavoriten Romain Bardet? Gab mit Gehirnerschütterung auf. Thibaut Pinot? Strampelte nach einem Sturz am ersten Tag schon in den Pyrenäen mit Tränen in den Augen hinterher. Guillaume Martin? War auf Rang elf noch der Beste. Die Franzosen warten 35 Jahre nach Bernard Hinault weiter voller Sehnsucht auf den nächsten Heimsieg.

Christian Prudhomme Der Chef der Tour predigte Vorsicht, mahnte zur Einhaltung der Corona-Regeln, lobte das Hygienekonzept – und fing sich das Virus irgendwo auf einem Empfang, beim Abendessen mit prominenten Gästen oder einer Cocktail-Party selbst ein. Statt im roten Führungsauto saß Prudhomme eine Woche lang in Quarantäne.

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