Eine Spaziergängerin fand den Sack mit dem toten Neugeborenen am Hang zwischen dem Waldspielplatz und dem am Böschungsfuß fließenden Alsbach. Foto: Tim Nagengast

Der Fall des am 10. Oktober bei einem Waldspielplatz in Maulburg im Landkreis Lörrach tot aufgefundenen Säuglings wurde in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt.

Wer hat Anfang Oktober unbemerkt ein Baby zur Welt gebracht und es danach beim Waldspielplatz an der Alsbachmündung bei Maulburg (Kreis Lörrach) abgelegt? In welcher Lage, wie verzweifelt muss die Mutter des Babys gewesen sein? Hat sie die Schwangerschaft zuvor einfach verdrängt? Hat ihr Umfeld nichts bemerkt?

 

Diese Fragen stellen sich nicht nur die Ermittler der Kriminalpolizei in Lörrach, sondern seit Mittwoch auch die Zuschauer der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … Ungelöst“. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, wurde dort der genauso traurige wie dramatische Fall zur besten Sendezeit dargestellt, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Moderator Rudi Cerne sprach mit der Lörracher Kriminaloberkommissarin Sarah Klotz.

Spaziergängerin nimmt Verwesungsgeruch wahr

Der Polizistin zufolge hat eine Spaziergängerin, die am Freitag, 10. Oktober, gegen 8.15 Uhr auf dem Alsbachweg im Wald bei Maulburg mit ihrem Hund spazieren gegangen war, die Babyleiche gefunden. Die Frau hatte einen blauen Müllsack gesehen und außerdem Verwesungsgeruch wahrgenommen. Als sie nähertrat, erblickte sie einen Fuß und verständigte umgehend die Polizei.

Spiel- und Grillplatz ist oft stark frequentiert

Am Tag des Fundes sowie am folgenden Wochenende präsentierte sich der Waldspielplatz dann so idyllisch und stark frequentiert wie fast immer: Bei spätsommerlichem Wetter tollten Kinder auf den Spielgeräten, sausten mit der Seilbahn, grillten mit ihren Eltern oder spielten unten am Bach. Denn dieser Ort ist bekannt, beliebt, gut erreichbar und zieht auch viele Familien an, die nicht in Maulburg wohnen.

Mutter des toten Jungen könnte aus der Nähe sein

Mit aus diesem Grund geht die Kripo Lörrach davon aus, dass die Mutter des Säuglings aus der näheren Umgebung von Maulburg stammen könnte, wie Sarah Klotz bei „Aktenzeichen XY“ sagte. Das Baby – ein Junge – könnte in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Ablageort geboren worden und die Mutter „jung oder sehr jung“ gewesen sein. Der Bub sei bereits mehrere Tage tot gewesen. Oftmals sei es Verzweiflung, gar „blanke Not“, die Mütter zu einer solchen Verzweiflungstat treibe, sagte die Lörracher Kriminaloberkommissarin in der TV-Sendung.

Zivilbeamte befragen Passanten

Am Montag nach dem traurigen Fund waren Kriminalpolizisten in Zivil vor Ort. Jeder Fußgänger, jeder Radfahrer auf dem nahen Spazierweg entlang des Flusses Wiese wurde gestoppt und von den Beamten befragt. Unter anderem wollten die Polizisten wissen, ob man öfter vor Ort sei und in den vergangenen Tagen etwas bemerkt habe. Denn der Weg am Wiese-Ufer ist gut frequentiert. Hier führt eine Brücke über den Fluss direkt in den Wald und zum Alsbachweg. Keine 100 Meter weit entfernt befindet sich der Spielplatz.

Babyleiche war dreifach verpackt

Wie lange der Sack mit der Säuglingsleiche dort an der Böschung gelegen haben könnte, wann, wo und von wem das Kind geboren wurde – all das ist unklar. Der Polizeibeamtin zufolge war das Neugeborene samt Nabelschnur und Plazenta in eine „leicht transparente“ Schaumfolie eingewickelt. Diese misst 1,10 Meter auf 70 Zentimeter und weist auffällige bogenförmige Aussparungen auf. Danach wurde das eingewickelte Baby in einen transparenten, hellbläulichen Müllsack mit Zugband gesteckt. Als Umverpackung diente ein blauer Kunststoffmüllsack von etwa einem Meter Länge und 60 Zentimetern Breite.

Kriminalpolizei ist für jeden Hinweis dankbar

Die Polizei fragt nun: Wer hat Veränderungen bei einer Frau – nicht zwingend kinderlos – oder bei einem Mädchen wahrgenommen? Dazu gehören beispielsweise eine auffällige Gewichtszu- und plötzliche Abnahme, eine Änderung des Kleidungsstils oder die Vermeidung von Sport, Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten. Wer hat trotz Anzeichen eine Schwangerschaft verneint und vielleicht eine andere Erklärung dafür geliefert?

Wie Sarah Klotz im Gespräch mit Rudi Cerne betonte, drohen der Mutter des Säuglings selbst schwere gesundheitliche Folgen physischer und psychischer Art, wenn sie keine entsprechende Nachsorge erhält.

Hinweise – auch anonym – nimmt die Kriminalpolizei unter Tel. 0761/8820 oder über die Internetseite www.bkms-system.net/bw-EG-Wald entgegen.