Fasnetsvereine nehmen Anteil an dem Unglück in Auenwald. Sie berichten, wie sie mit dem Thema Alkohol und K.-o.-Tropfen umgehen und was beim gemeinsamen Feiern zu beachten ist.
„Es ist tragisch. Wir haben von dem Unglück am Sonntag natürlich schnell erfahren“, sagt Jörg Knöllinger, der Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft. Als Faschingsfan nehme man besonders Anteil, viele Faschingsvereine würden sich natürlich untereinander kennen.
Jörg Knöllinger war mit den Mitgliedern der Waiblinger Karneval Gesellschaft am Wochenende nicht am Unglücksort, sondern bei einer anderen Veranstaltung. „Wir waren beim Landesnarrentreffen in Leinfelden-Echterdingen. Die Ausrichter des Landesnarrentreffens 2026 sind „Die Filderer“, die in diesem Jahr 60. Jubiläum feiern. Im vergangenen Jahr waren Vertreter der Filderer auch beim großen Umzug in Fellbach zum FCC-Jubiläum dabei. Fasnetfans sind auf viele Weise vernetzt und kennen sich untereinander, das macht Jörg Knöllinger deutlich. Umso mehr schmerze das Unglück in Auenwald.
In Auenwald (Rems-Murr-Kreis) ist am Sonntagmorgen ein 39-jähriger Mann leblos in einem Bach gefunden worden. Die Polizei geht nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen von einem Unglück aus. Der Mann war laut der Polizei am Samstagabend auf einer Fasnetsveranstaltung im Ortsteil Unterbrüden gewesen. Auf dem Heimweg fiel er an einer Böschung wohl drei Meter tief in den Brüdenbach, wo er verstarb. Die Kriminalpolizei konnte keine Hinweise auf Fremdeinwirkung feststellen. Der Mann soll nach derzeitigem Kenntnisstand alkoholisiert gewesen sein. Ob er Teilnehmer oder Besucher des Umzugs war, ist laut dem Polizeisprecher nicht bekannt.
„Wir gucken alle nacheinander“, sagt der Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft. Im Normalfall gehe man gemeinsam zu einer Veranstaltung und bleibe dann auch zusammen, sagt er. Das Thema Alkohol sei eine schwierige Sache. Es gebe Vereine, die den Konsum von Alkohol komplett verbieten würden. Das mache die Waiblinger Karneval Gesellschaft nicht. „Aber wir machen deutlich, dass man als Hästräger den Verein repräsentiert“, sagt Knöllinger. Und das bedeute auch, dass der Alkoholkonsum in Maßen bleiben solle. Wenn das Alkoholthema bei jemandem im Verein massiv auffalle, würde man dann auf denjenigen auch zugehen.
Das Motto gelte: „Keiner wird zurückgelassen“
Die Zuschauer bei einem Umzug würden beispielsweise bemerken, wenn einer betrunken sei. Aufgrund des Häs und der Ornatsjacken erkenne man schnell, von welcher Gruppe der Teilnehmer stamme. Übermäßiger Alkoholkonsum sei daher auch eine Frage der Außenwirkung. Zu den verschiedenen Veranstaltungen in der Kampagne reise man mit dem Bus oder bilde Fahrgemeinschaften. „Die Fahrer trinken nichts, darauf wird besonders geachtet“, sagt Knöllinger. Man habe Mitglieder im Verein, die grundsätzlich keinen Alkohol trinken. Da habe es früher noch manche Frotzelei gegeben, das sei inzwischen passé. Der Konsum von alkoholfreiem Bier nehme außerdem zu.
„Wir waren am Sonntag in Musberg beim Hexenball“, sagt Timo Baur, Zunftmeister des Fellbacher Fellbacher Carneval Clubs (FCC) und habe von dem tragischen Unglück auf dem Heimweg über Social Media erfahren. Ähnlich wie bei der Waiblinger Karneval Gesellschaft gelte, dass man mindestens zu zweit bei Veranstaltungen unterwegs sein sollte. „Und keiner wird zurückgelassen“, sagt Baur. Es wisse jeder, dass Alkohol getrunken werde beim Fasching. Beim FCC lege man ebenso Wert darauf, dass dies aber in Maßen bleibe. „In der Häsordnung ist das so geregelt“, sagt der Zunftmeister. „Schließlich wollen wir als Weingeist ein gutes Außenbild abgeben und sind auch ein Aushängeschild des Vereins“, sagt Baur.
Großes Thema sei die steigende Gefahr durch K.-o.-Tropfen. Schon vor Jahren habe er erlebt, dass es deutliche Hinweise auf das farb-, geruchs- und geschmacksneutrale Betäubungsmittel bei einer Veranstaltung gegeben habe.
Die Fasnetsbecher haben zum Schutz nun einen Deckel
„Vieles ist nicht mehr so wie vor 15 Jahren, die ganze Gesellschaft hat sich verändert“, sagt Timo Baur. Deshalb schütze man sich vor der Droge. Alle unsere Narrenbecher haben einen Deckel“, sagt Baur, um vorzubeugen, dass heimlich die Droge im Getränk landet. Dass das Thema K.-o.-Tropfen landes- und bundesweit ein Thema ist, zeigte auch ein Fall m vergangenen Jahr. So hatte die Polizei im vergangenen Jahr eine Fastnachtsveranstaltung im Kreis Waldshut frühzeitig beendet, weil es Hinweise auf K.-o.-Tropfen gegeben hatte.
„Wir haben alle unsere eigenen Fasnets-Becher dabei“, sagt Jörg Knöllinger , „und der hat einen Deckel drauf.“ Aufeinander zu achten, sei in vielen Situationen angesagt. Die Waiblinger Karneval Gesellschaft mit rund 140 Mitgliedern, darunter etwa zwischen 70 und 80 Aktive, ist auch wieder beim Waiblinger Umzug gemeinsam mit der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft engagiert dabei. Das Unglück in Auenwald bedaure er sehr. „Wir Fasnetsvereine sind schließlich eine große Familie.“