Gedenken an die getötete 21-Jährige auf dem Pragfriedhof. Der mutmaßliche Täter steht vor Gericht. (Archivfoto) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 21-Jährigen auf dem Stuttgarter Pragfriedhof hat der Angeklagte sein Schweigen gebrochen. Er hatte das letzte Wort vor dem Urteil am Mittwoch.

Stuttgart - Unterschiedlicher hätten die Plädoyers im Fall der getöteten 21-Jährigen vom Stuttgarter Pragfriedhof nicht ausfallen können: Während Staatsanwaltschaft und Nebenklage den Hilfskoch und Musiker nun doch wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis schicken wollen, fordert der Verteidiger einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Der Angeklagte brach am Montag in seinem letzten Wort doch noch sein Schweigen - um seine Unschuld zu beteuern.

Die Anklage hatte noch auf Totschlag gelautet. Im Laufe des Prozesses sei das Bild aber immer klarer geworden, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Es gebe genug Beweise dafür, dass der Angeklagte die arg- und wehrlose Frau aus Heimtücke mit einem Tongefäß und Tritten gegen Kopf und Brustkorb getötet habe. Der Angeklagte habe in Vernehmungen vor dem Prozess Täterwissen offenbart und diverse unglaubwürdige Aussagen gemacht. Eine Reihe von Spuren hätten ihn überführt - von Blutspuren am Hemd bis zu Knöpfen unter der Leiche.

Verteidiger: Kein Motiv

Der Angeklagte hatte sich während des Prozesses nicht geäußert, am Schluss dann aber doch noch etwas gesagt: „Ich habe Lena nicht getötet. Und ich werde hier nichts zugeben, was ich nicht getan habe“, sagte der 30-Jährige in seinem letzten Wort vor dem Urteil. Der einzige Vorwurf, den er sich machen könne, sei, dass er die junge Frau am Abend des 9. September allein auf dem Pragfriedhof zurückgelassen habe.

„Es tut mir sehr leid, was mit Lena passiert ist“, sagte der 30-Jährige in Richtung der Stiefeltern der Toten. Diese hatten zuvor mit tränenerstickten Stimmen an ihre Tochter erinnert. „Sie wäre sicher eine gute Erzieherin geworden“, sagte die Mutter und wünschte sich „ein Urteil, das dem Tod von Lena gerecht wird“. Der Verteidiger des Angeklagten hatte zuvor einen Freispruch gefordert. „Es sind einfach noch viel zu viele Fragen offen.“ Ein Motiv etwa sei überhaupt nicht zu erkennen.

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