Das Hawk-Eye ist ein kamerabasiertes System, welches mit Hochgeschwindigkeitskameras den Torraum aus verschiedenen Blickwinkeln überwacht. Daraus kann die genaue Position des Spielballes berechnet werden. Foto: dpa

Tor oder nicht Tor? Diese Frage wird ab der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga zweifelsfrei beantwortet. Dank der Torlinientechnik. Wir beschreiben, wie sie funktioniert und wann sie zum Einsatz kommt.

Stuttgart - Die einen sehen das Kulturgut Fußball in Gefahr, die anderen halten die Einführung technischer Hilfsmittel für überfällig. So oder so – wenn an diesem Freitag in München die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt, wird über die Einführung der Torlinientechnik nicht mehr diskutiert werden. Denn sie ist längst beschlossene Sache. 15 Bundesligavereine haben sich am 4. Dezember 2014 in einer zweiten Abstimmung für die Neuerung entschieden, nur drei dagegen, weshalb in den vergangenen Wochen in allen Bundesligastadien das Hawk Eye installiert wurde.

Die Technik aus Großbritannien hat den Zuschlag erhalten, der Weltverband Fifa dagegen setzt auf ein deutsches Produkt (Goal Control) aus Würselen. Entscheidend war wohl der Preis. Rund 140 000 Euro muss jeder Bundesligaclub in den kommenden drei Jahren in die Technik investieren. Hawk Eye und Goal Control funktionieren ähnlich.

Sechs Kameras je Tor erfassen die Position des Balles

Sechs Kameras je Tor erfassen die Position des Balles, selbst wenn dieser einmal etwas verdeckt wäre. Je eine Messkamera versorgt TV-Zuschauer und Fans im Stadion mit dem Beweisbild im Anschluss an eine knifflige Szene. Die Signale der Kameras werden von einer Software außerhalb der Arena zusammengeführt, binnen einer Sekunde weiß dann der Schiedsrichter Bescheid, ob ein Ball hinter der Linie war. Der Unparteiische bekommt das entsprechende Signal auf eine spezielle Uhr. Diese vibriert und zeigt das englische Wort „Goal“ (Tor) auf dem Display. Je Spieltag und Stadion wird das System von zwei Operatoren betreut.

„Ich begrüße die Einführung“, sagt Robin Dutt, der Sportvorstand des VfB Stuttgart. „Auf die Diskussion um zweifelhafte Entscheidungen auf Kosten der Schiedsrichter können wir gut verzichten“, bekräftigt Max Eberl, der Sportchef von Borussia Mönchengladbach. In einer ersten Abstimmung hatten sich Erst- und Zweitligisten gegen die Einführung entschieden. Daher wird die Technik nun auch nur in der ersten Liga angewandt, bei Aufsteiger Darmstadt 98 mussten eigens für die Kameras Masten gesetzt werden. Auch in den Relegationsspielen soll das Hawk Eye zum Einsatz kommen, ebenso in Pokalspielen in Erstligastadien.

„Die Vereine der Bundesliga haben sich aus gutem Grund für die Einführung der Torlinientechnologie entschieden. Es ist nun der richtige Weg, dem Schiedsrichter dieses Hilfsmittel auch im DFB-Pokal zur Verfügung zu stellen“, sagt Peter Frymuth, beim DFB Vizepräsident für Spielbetrieb und Fußballentwicklung. Seit der Saison 2013/14 setzt bereits die englische Premier League auf das Hawk Eye. In Spielen der Champions League und der Europa League kommen weiter Torrichter zum Einsatz.

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