Beim 2:2 in München wird der häufig kritisierte Torwart des VfB Stuttgart zum lang ersehnten Rückhalt. Sportdirektor Sven Mislintat verspürt Genugtuung.
Es gehört zu den alten Torhüterweisheiten: Wird der Mann auf der Linie von den gegnerischen Stürmen gleich zu Beginn warm geschossen, steigert jeder gehaltene Ball das Selbstbewusstsein. Nicht selten wächst der Schlussmann über sich hinaus und darf sich am Ende feiern lassen.
So geschehen am Sonntag, als Florian Müller beim 2:2 in München dem VfB Stuttgart einen wichtigen Punkt festhielt. Ob bei Thomas Müllers platziertem Kopfball, als Robert Lewandowski frei vor ihm auftauchte oder einigen weiteren kniffligen Szenen im Strafraum – der 24-Jährige war stets zur Stelle. Und bei den beiden Gegentoren chancenlos. Als „technisch und taktisch herausragend“ bewertete der Torwartexperte Sascha Felter auf Twitter etwa die Szene mit Lewandowski. „Er bleibt hellwach und schiebt mit perfekter Körperspannung drauf.“
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Keine Frage, Müller war am Sonntag einer der Schlüsselspieler. Auf die Frage, ob das seine beste Leistung im Trikot des VfB gewesen sei, antwortete die Nummer eins knapp: „Das kann man so sagen.“ Gegen die Bayern, ergänzte Müller, „kommen einfach mehr Bälle aufs Tor. Da kann man dann auch mehr zeigen als sonst.“
Tatsächlich war das in der Vergangenheit oft das Problem: Häufig saß gleich die erste Chance des Gegners. Was im weiteren Verlauf weder die Nerven von Müller noch die seiner Vorderleute stabilisierte. Der vor der Saison aus Mainz nach Stuttgart gewechselte Schlussmann wirkte speziell bei hohen Bällen unentschlossen und strahlte wenig Sicherheit aus. Die Kritik an Müller wuchs beständig.
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Entsprechend genugtuend sprach Sportdirektor Sven Mislintat über den starken Auftritt des Keepers, den er vor der Saison für fünf Millionen Euro verpflichtet hatte. „Flo hat häufig zu Unrecht Kritik einstecken müssen. Die wäre so nie geäußert worden, wenn wir auf Platz neun stünden. Heute hat er allein gezeigt, was für ein guter Schlussmann er ist.“
Statistiken geben Müller recht
Der Blick in die Statistiken gibt Mislintat ein Stück weit recht. Was die Zahl der Paraden und abgewehrten Torschüsse angeht, ist Müller solider Durchschnitt. Seine Passgenauigkeit vor allem bei langen Bällen ist überdurchschnittlich. In einem Punkt trügt der Blick von der Tribüne allerdings nicht: Beim Abfangen gegnerischer Flanken ist bei Müller noch viel Luft nach oben.