Der neue Stuttgarter Keeper erlebt ein unglückliches Debüt, hat aber auch gute Aktionen. VfB-Trainer Sebastian Hoeneß äußert sich zur Situation zwischen den Pfosten.
Viel ungünstiger hätte das Debüt von Alexander Nübel nicht laufen können. Bei seinem ersten Auftritt für den VfB Stuttgart musste der Torhüter gleich fünfmal hinter sich greifen – und das nicht etwa über 90 Minuten: Das Testspiel gegen den Bundesliga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach (1:5) im Rahmen eines Vorbereitungsturniers in Heimstetten bei München wurde über zweimal 30 Minuten ausgetragen.
Es mag paradox klingen, aber richtig viel war Nübel an diesem Nachmittag trotz der missglückten Premiere nicht anzulasten. Wieder und wieder luden seine Vorderleute durch ein fahriges Abwehrverhalten die Borussen zum Toreschießen ein, die dann auch ein ums andere Mal frei vor Nübel auftauchten.
Einzig beim fünften und letzten Gegentreffer machte der Stuttgarter Torhüter keine glückliche Figur: Erst verursachte Nübel bei einer Klärungsaktion durch ein Handspiel außerhalb des Strafraums einen Freistoß, wobei der Schiedsrichter Gnade vor Recht walten ließ und keine Karte zeigte. Den ruhenden Ball versenkte im Anschluss der Gladbacher Neuzugang Tomas Cvancara in die Torwartecke – allerdings auch mit einem scharf getretenen Schuss.
Gute Ansätze in Sachen Strafraumbeherrschung und Kommunikation
Und sonst? Zeigte Nübel durchaus Ansätze in kleinen, unscheinbaren Aktionen. Zum Beispiel, als er eine Gladbacher Ecke kurz vor der Pause aus der Luft fischte und direkt fing – deutlich außerhalb des Fünfmeterraums. Gerade die Strafraumbeherrschung der Torhüter war beim VfB in den vergangenen Jahren ein leidiges Dauerthema. Darüber hinaus kommunizierte der als introvertiert geltende Nübel gar nicht so wenig von hinten: Er dirigierte, gab Kommandos, machte zum Beispiel Linksverteidiger Borna Sosa auf einen etwas frei stehenden Gegenspieler aufmerksam.
Nübels Trainer war insgesamt einverstanden mit dem Auftritt seines Schlussmanns. Es sei „ein nicht ganz einfaches Spiel für einen Torhüter“ gewesen, sagte Sebastian Hoeneß mit Blick auf die kaum Vorhandenen Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. Letztlich blieb es bei einer auffälligen Parade, in der Nübel aus kurzer Distanz mit einem Reflex einen Abschluss von Gladbachs Nathan Ngoumou entschärfte. Hoeneß’ Fazit zu Nübels Debüt: „Ich finde, dass er es ordentlich gemacht hat.“
Hoeneß: Nübel in der Pole Position im Kampf um die Nummer eins
Und was heißt das für den Kampf um den Stammplatz im VfB-Tor? Während sich Nübel nach dem Spiel weiter zurückhaltend äußerte und keine expliziten Ansprüche anmeldete, wurde sein Trainer deutlicher. „Alex macht einen richtig guten Eindruck. Er ist in der Pole Position für die Nummer eins“, sagte Hoeneß gegenüber unserer Redaktion. Nübels Konkurrent Fabian Bredlow fällt derzeit ohnehin wegen einer Hüftverletzung aus, Toptalent Dennis Seimen soll erst sukzessive aufgebaut werden. Seimen stand beim zweiten Spiel des Testturniers gegen den Drittligisten 1860 München (2:0) im VfB-Tor und agierte fehlerfrei, bekam aber auch nicht allzu viel zu tun.
Sollte also nichts völlig Überraschendes mehr passieren, dürfte sich bis zum Bundesliga-Auftakt in knapp drei Wochen gegen den VfL Bochum nicht mehr allzu viel tun in der Frage nach der Nummer eins im Stuttgarter Tor. Sie wird wohl Alexander Nübel heißen.