Manuel Neuer verabschiedet sich aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Foto: imago//Sebastian Bach

Nach Toni Kroos, Thomas Müller und Ilkay Gündogan tritt nun auch Manuel Neuer aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. Die Entscheidung ist konsequent und richtig, kommentiert unser Autor Dirk Preiß.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: An sportlicher Klasse hat es Manuel Neuer auch zuletzt nicht gemangelt. Zwar schien der Torhüter in der Bundesliga-Saison 2023/2024 nach einigen Jahren mit schweren Verletzungen nicht mehr ganz so unantastbar wie noch zu seinen besten Zeiten. Auf ihn – trotz seiner bereits 38 Jahre – bei der Heim-EM zu setzen war aber alles andere als ein Fehler. Auch, wenn diese Entscheidung des Bundestrainers Julian Nagelsmann für den ewigen Kronprinzen Marc-André ter Stegen eine bittere war.

 

Genauso richtig wie Nagelsmanns Votum für den Bayern-Keeper im Frühjahr ist nun aber auch dessen Rückzug aus der Nationalmannschaft. Manuel Neuer hat das deutsche Auswahlteam 15 Jahre lang geprägt, war Kapitän und ist 2014 Weltmeister geworden. Nun den Weg frei zu machen für einen schlussendlichen Umbruch ist konsequent. In Thomas Müller und Toni Kroos haben sich in den vergangenen Wochen bereits die noch verbliebenen Weltmeister von Rio aus der DFB-Elf verabschiedet. Zudem trat in Ilkay Gündogan der bisherige Spielführer ab.

Für Julian Nagelsmann bedeutet dieser durchaus historische Einschnitt nun, dass er den bislang noch mithilfe der Routiniers eingeleiteten Neuanfang noch viel konsequenter vollziehen kann, aber auch muss. Sowohl in sportlicher Hinsicht als auch beim Entwickeln einer neuen Teamstruktur.

WM-Titel ist 2026 das Ziel des Bundestrainers

Die Generation, die den Weltmeistern von 2014 folgte, hat den Beweis ihrer Extraklasse bei den großen Turnieren noch nicht erbringen können. Wollen diese Spieler das noch schaffen, wird es für sie höchste Zeit. Bis zur WM 2026 müssen aber auch bisherige Toptalente in neue Rollen schlüpfen – als echte Führungsfiguren.

Viel Zeit hat auch Julian Nagelsmann nicht, das Beste aus der nun neuen Situation herauszuholen – er hat für das Turnier in den USA, in Mexiko und in Kanada den Titel als Ziel ausgegeben. Demnächst stehen die ersten Länderspiele nach der Heim-EM an. Sie werden, auch mit Blick auf Nagelsmanns Nominierungen, schon richtungweisenden Charakter haben.

Manuel Neuer, der beim FC Bayern weiter im Tor stehen wird, kann sich das dann in Ruhe auf der Couch anschauen. Und darf sich seiner Verdienste sicher sein. Das Torwartspiel hat er einst auf ein neues Level gehoben, dem deutschen Fußball damit viel gegeben. Den richtigen Zeitpunkt für einen selbstbestimmten Rückzug hat er am Mittwoch auch gewählt.