Foto: Anton Corbijn

Die Stimme von Tom Waits scheint stets einen Kampf gegen das Lied zu führen, in das sie sich gerade verirrt hat. Am 7. Dezember wird dieser widerspenstige Musiker 60 Jahre alt.

Stuttgart - Er krächzt und raunzt, röchelt und hustet. Die Stimme von Tom Waits scheint stets einen Kampf gegen das Lied zu führen, in das sie sich gerade verirrt hat. Am 7. Dezember wird dieser widerspenstige Musiker 60 Jahre alt.

Am Anfang steht die Orientierungslosigkeit. Jim Jarmusch lässt seinen Film "Down By Law" mit einer mal nach links, mal nach rechts fahrenden Kamera beginnen und übersetzt Tom Waits' Song "Jockey Full Of Bourbon", der zu diesem nervösen Absuchen der schäbigen Häuserfassaden von New Orleans erklingt, in poetisch verdichtete Bilder. "Flieg nach Hause, kleiner Vogel", krächzt Waits, "dein Zuhause brennt und deine Kinder sind allein."

Später wird der Mann, dem diese Stimme gehört, hinter der sich stets Abgründe aufzutun scheinen, selbst Teil von Jarmuschs Bildern werden, wird den DJ Zack spielen, der ständig zappend herumsitzt, der nicht weiß, wohin mit sich. Von diesem Gefühl hatte Tom Waits schon 1974 in dem Song "Shiver Me Timbers" auf dem Album "The Heart Of Saturday Night" gesungen ("My body's at home/ But my heart's in the wind"). Und eigentlich alle Nummern, die man seither von Tom Waits gehört hat, erzählen davon, nicht da zu sein, wo man eigentlich sein will, porträtieren Getriebene, Verlorene, oft durch eigenes Verschulden ins Abseits geratene Verlierer, die sich nach Halt, nach Hoffnung, nach einer Heimat sehnen - und einfach nicht stillhalten können.

Trunksüchtig und rastlos sind die Außenseiter in Waits' Balladen. Dass der Musiker, Schauspieler und Autor, der am 7. Dezember 1949 im kalifornischen Whittier geboren wurde, immer wieder mit seinen Protagonisten verwechselt wird, wundert angesichts der brüchigen Stimme, mit der er seine mal morbiden, mal surrealen Geschichten erzählt. Weil seiner Musik und seinen Auftritten eine bourleske Dramatik innewohnte, ist es nur konsequent, dass Waits sich auch auf die Theaterbühnen verirrte ("Black Rider").

Die Liveplatte "Glitter & Doom" (Anti/Indigo), die kurz vor Waits' 60. Geburtstag erschienen ist, führt ihn nun als eine Art Schamanen vor, der bedrohliche Bilder vom Untergang heraufbeschwört: Die Liveversion von "Dirt In The Ground", das er mit seiner Frau Kathleen Brennan geschrieben hat, scheint einen etwa mit Totenglocken, dunklen Holzbläsern und viel Tremolo in den Abgrund reißen zu wollen: "Die Hölle kocht über, und der Himmel ist geschlossen", raunzt er zum bedrohlich schlurfenden Beat.

Fortgesetzt wird die düstere Tom-Waits-Show übrigens im Januar im Kino: Dann spielt er in Terry Gilliams Kinofilm "Das Kabinett des Dr. Parnassus" den Teufel.

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