Fotografen sind beim Konzert von Tokio Hotel in Stuttgart am Samstag leider nicht zugelassen. Deshalb bebildern wir diesen Text mit einem Foto vom Tokio-Hotel-Auftritt bei „Wetten, dass . . ?“ 2014 in Erfurt. Foto: dpa-Zentralbild

Statt in der Schleyerhalle spielt die Band Tokio Hotel am Samstagabend im (nicht ganz ausverkauften) Wizemann. Wir berichten trotzdem darüber – unter anderem wegen der Ticketpreise.

Stuttgart - Vor zehn Jahren hat die damalige Teenieband Tokio Hotel, bekannt dank des Hits „Durch den Monsun“, in Stuttgart die Schleyerhalle bespielt. Das Konzert am vergangenen Samstag fand im Wizemann statt, wo ein Zehntel so viele Menschen hineinpassen wie in die Halle. Auch in anderen Städten sind Clubs statt Hallen gebucht. Warum also berichten? Nun, zum einen wären da die Ticketpreise – 60 Euro sind eine neue Dimension, zumal wenn ein Konfettiregen showmäßig den Höhepunkt darstellt. Ganz treue (und zahlungskräftige) Fans buchen das VIP-Ticket: Die Preise für einen Backstage-Besuch liegen im vierstelligen Bereich.

Bemerkenswert ist zum anderen der Umgang des Tourmanagements mit der Presse. Bis Samstagnachmittag gibt es keine Freigabe für Berichterstatter und Fotografen, weshalb dieser Beitrag ohne aktuelles Bild erscheint – wer mag, findet auf Twitter und Instagram Handybilder.

Am Ende ist man trotzdem drin und sieht Tokio Hotel mit einer Art Kraftwerk- oder Daft-Punk-Zitat maskiert im Halbrund an elektronischen Klangerzeugern herumwerkeln. Dieses Intro deutet den neuen Electro-Pop-Sound der Band an und hat wie der Rest des Konzerts arge Längen. Der heutzutage im Pop so beliebte Autotune-Effekt tut Bill Kaulitz’ Gesang hörbar gut. Ansonsten dient sich der Sänger gern als Projektionsfläche für Mädchenfantasien an, während sein Auftritt und einige der Texte an die gar nicht mal so subtile Homoerotik eines George Michael Ende der Achtzigerjahre anknüpfen.

Dass der Sound viel zu höhenlastig ist, macht den Fans nichts – ihr Gekreische ist so laut wie die Band selbst und ohnehin viel schriller. Zumindest das ist noch genau so wie damals in der Schleyerhalle.

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