In diesen VW Polo zwängten sich acht junge Wasen-Besucher. Zwei von ihnen überlebten die Fahrt nicht. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Acht Volksfest-Besucher zwängen sich in einen Kleinwagen. Zwei von ihnen überleben die Heimfahrt in den Rems-Murr-Kreis nicht. Nun hat die Polizei erste Erkenntnisse über den Unfallhergang.

Welzheim - Der Abend hätte so fröhlich enden können, wie er mit Trachtenkleidung, Musik, Bier und Partystimmung begonnen hatte. Stattdessen hatte in der Nacht auf Mittwoch eine Gruppe von Wasen-Besuchern einen Unfall, der für zwei von ihnen tödlich endete. Acht 17- und 18-Jährige hatten sich in Welzheim (Rems-Murr-Kreis) zusammen in einen VW Polo gequetscht. Laut der Polizei wollte eine 18-Jährige ihre Bekannten nach Hause fahren. Der mit acht Insassen hoffnungslos überladene Kleinwagen kam aber nicht weit. Gegen 1.15 Uhr, kurz hinter dem Weiler Seiboldsweiler, verlor die Fahrerin die Kontrolle, der Polo geriet ins Schleudern und kam nach links von der Landesstraße nach Kaisersbach ab, geriet in einen Acker, überschlug sich und kam in einem Maisfeld auf dem Dach zum Liegen.

Die Fahrerin war nüchtern– aber zu schnell

Den Besatzungen von sechs Feuerwehrautos, sechs Rettungswagen und den drei Notärzten bot sich an der Unfallstelle ein grausiges Bild: Ein 18-Jähriger war aus dem Wagen geschleudert worden, ein anderer hing in einem Fenster des Volkswagens fest. Für diese beiden kam jede Hilfe zu spät, sie starben noch am Unfallort. Drei Insassen waren schwer verletzt, drei weitere, darunter die Fahrerin, hatten leichtere Blessuren davongetragen. Sie wurden auf vier Krankenhäuser im Umkreis verteilt.

Warum die jungen Menschen sich zu acht auf die Sitze und in den Kofferraum des Volkswagens zwängten, ist noch unklar. Laut der Polizei war die Gruppe bis zur Haltestelle Geradstetten mit der S-Bahn gefahren und dann von dort aus – auf zwei Autos verteilt – bis nach Welzheim gefahren. Zur Unfallursache gibt es erste Erkenntnisse: „Vermutlich hat überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle gespielt“, sagt der Polizeisprecher Holger Bienert. Die Fahrerin sei in der Enge des überladenen Kleinwagens wahrscheinlich auch abgelenkt gewesen und habe „nicht genügend Aktionsradius“ gehabt.

Das Stichwort Wasen legt die Vermutung nahe, dass Alkohol geflossen sein könnte. Bienert betont aber, die Fahrerin sei nüchtern gewesen. Ihre Mitfahrer seien nicht auf Alkohol getestet worden: „Nur die Fahrerin war für uns relevant.“ Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die junge Frau eingeleitet. Bis der genaue Hergang klar ist, wird wohl einige Zeit vergehen: „Die Beteiligten eines so schlimmen Unfalls stehen natürlich stark unter Schock.“

Auch in Baltmannsweiler verunglückt ein Wasenbesucher

Einen Tag zuvor, exakt zur gleichen Uhrzeit, zu der der Unfall in Welzheim passierte, ist ein betrunkener Volvo-Fahrer in Baltmannsweiler (Landkreis Esslingen) verunglückt. Der 29-Jährige fuhr auf der Landesstraße in Richtung Schorndorf als er am Rand von Baltmannsweiler die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Er schanzte über einen Kreisverkehr und landete in einer Fußgängerunterführung. Dort verkeilte sich das Auto. Der Mann konnte sich aus seinem stark beschädigten Volvo befreien, hatte sich beim Unfall aber verletzt. Er musste ins Krankenhaus; am Auto entstand Totalschaden, es musste mit einem Spezialkran geborgen werden. Auch dieser Fahrer soll vom Wasen gekommen sein. Ein Polizeisprecher kann das nicht bestätigen: „Für uns spielt das keine Rolle. Es gilt immer: kein Alkohol am Steuer.“

Junge Fahrer unter 24 Jahren verursachen statisch gesehen die meisten Unfälle. Die Verkehrspsychologin Andrea Häußler vom Tüv Süd erklärt: „Oft kommt es zu Unfällen, wenn die Beteiligten in Feierstimmung waren. Der Spaßmodus ist eingeschaltet, Sicherheit wird hinten angestellt.“

Ein weiterer Grund für junge Wasengänger, sich ans Steuer zu setzen, dürfte die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel sein. Die ist in ländlichen Regionen wie dem Rems-Murr-Kreis schlechter als in den Stadtbezirken. Doch Martina Nicklaus, die Pressesprecherin des Landratsamts Rems-Murr, erklärt, unter der Woche schlössen die Festzelte auf dem Wasen um 23 Uhr, die Anbindung sei eigentlich kein Problem. In den vergangenen Jahren habe sich einiges getan: „Seit einiger Zeit fahren die S-Bahnen an den Wochenenden nachts durch. Und im Landkreis verkehren Ruftaxis, die man sogar per App buchen kann.“

Das letzte Ruftaxi Richtung Welzheim wäre am Mittwoch um 0.15 Uhr gefahren – exakt eine Stunde vor dem fatalen Unfall.

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