Nach dem tödlichen Unfall am Olgaeck überqueren viele Menschen die Straße neben dem abgesperrten Überweg. Interessenverbände kritisieren diese neue Gefahrenstelle – und appellieren an die Stadt, die Kreuzung insgesamt sicherer zu machen.
Am Olgaeck ist auch drei Tage nach dem tödlichen Unfall vom Freitag die Betroffenheit groß. Und dazu kommt die Wut auf die Verkehrsregelung seither. „Das ist doch so noch viel schlimmer als zuvor“, schimpft Maja Jukic. Sie ist entsetzt über die Absperrung des Überwegs. Denn: Die Fußgängerinnen und Fußgänger halten sich nicht daran. Sie klettern vom Hochbahnsteig herab, gehen über die Stadtbahngleise – und geraten so in große Gefahr auf der viel befahrenen Kreuzung an der Charlottenstraße. Auch die grundsätzliche Verkehrsregelung ruft viel Kritik hervor. Eine Anwohnerin sagt: „Es wird eine Todeskreuzung bleiben.“
Auch sieben Verbände haben sich zu Wort gemeldet, die die Interessen von Radfahrenden und zu Fuß Gehenden vertreten: ADFC Stuttgart, Fuss e. V., Kidical Mass Stuttgart, Kesselbambule, Naturfreunde Radgruppe Stuttgart, Verkehrsclub Deutschland (VCD) Stuttgart und Zweirat Stuttgart. Sie fordern, die Kreuzung so umzubauen, dass auch Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende sicher ans Ziel kommen. In einer gemeinsamen Stellungnahme fragen sie: „Wie viele Menschen müssen noch sterben oder zu Schaden kommen, bis sich die Verkehrspolitik in Stuttgart ändert?“Am Freitag wollen sie eine Demo zum Thema veranstalten.
Der Fußgängerüberweg ist seit dem Unfall gesperrt
Am Freitag wurden am Fußgängerweg an der Haltestelle Olgaeck acht Personen bei einem schweren Unfall auf der Aufstellfläche hinter einem Stahlgeländer von der Mercedes G-Klasse eines 42-jährigen Mannes überfahren. Eine 46-jährige Frau starb an den schweren Verletzungen, die sie dabei erlitt. Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt, darunter auch ein Kind. Der Fahrer kam nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei vom Charlottenplatz und fuhr stadtauswärts auf der Charlottenstraße – der Bundesstraße 27. Nach der Kreuzung mit der Olgastraße kam er nach links von der Straße ab und fuhr auf die Verkehrsinsel am unteren Ende der Haltestelle Olgaeck, auf der die Menschen an der Fußgängerampel warteten. Seither ist der Überweg gesperrt – aber nur auf einer Seite der Stadtbahnschienen. Gegenüber, an der Einmündung der Gaisburgstraße, ist der Weg bis zur Mitte der Charlottenstraße frei.
SSB: Mit den Schäden vom Unfall ist der Überweg nicht sicher
Im aktuellen Zustand könne man den Überweg nicht freigeben, teilt eine Sprecherin der SSB mit. „Den Überweg am Olgaeck passieren die Stadtbahnen der Linien U 5, U 6, U 7, U 12 und U 15. Die Haltestelle Olgaeck ist damit eine stark frequentierte Haltestelle. Der jetzige bauliche Zustand des Überwegs ist für Fußgänger und Fahrgäste nicht sicher“, so die Sprecherin. Die SSB appellieren an Passanten und Fahrgäste, die Absperrung zu ihrer eigenen Sicherheit zu respektieren. Ein Provisorium soll so schnell wie möglich aufgebaut werden, damit man an der Haltestelle wieder über die Straße komme. Das deutete sich am Montag bereits an: Mitarbeiter der SSB nahmen Messarbeiten an der Unfallstelle vor.
Am Wochenende hatte die Stadt auf Sicherheitsbedenken mit dem Verweis auf zwei Überwege mit Ampeln reagiert. Dort könne man sicher über die Straße kommen. Für die Verkehrsregelung kam auch Kritik aus dem Gemeinderat, von den Grünen. „Die Menschen nehmen den langen Umweg nicht, auch aufgrund der Topografie: Man muss ein ganzes Stück bergauf gehen“, sagt Björn Peterhoff, der Fraktionsvorsitzende. Während er das sagt und an der Unfallstelle steht, geht hinter ihm eine Dreiergruppe älterer Damen über die Schienen.
Auf Anfrage unserer Zeitung teilt die Stadt mit, dass man „den Vorfall mit größter Sorgfalt aufarbeiten“ werde. Aktuell lägen die Ergebnisse der Unfalluntersuchung noch nicht vollständig vor. Daher äußere man sich noch nicht zum Hergang und Ursachen. „Parallel zur Untersuchung prüft die Stadtverwaltung die bestehende Situation am Olgaeck umfassend. Dabei werden alle relevanten Aspekte zusammengetragen und in die Bewertung einbezogen“, sagte ein Sprecher.