Nach den tödlichen Schüssen von Alec Baldwin auf eine Kamerafrau stellt sich die Frage, wie so etwas überhaupt passieren konnte.
Santa Fe/Ludwigsburg - Drei Tage nach dem Tod von Chefkamerafrau Halyna Hutchins am Set des Westerns „Rust“ in New Mexiko hat die Polizei von Santa Fe erste Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Demnach hatte ein Regieassistent Hollywood-Star Alec Baldwin bei der Übergabe der Pistole versichert, dass es sich um eine „kalte Waffe“ handele, also eine nicht geladene Waffe. Der Assistent habe aber nicht gewusst, dass eine Patrone in der Waffe steckte.
Nach Recherchen der „Los Angeles Times“ soll der Assistent bereits bei einer früheren Produktion Sicherheitsstandards verletzt haben. Die Waffenmeisterin steht ebenfalls in der Kritik. Einstige Mitarbeiter attestierten ihr einen sorglosen Umgang mit Waffen. Auch am Set von „Rust“ soll es Probleme gegeben haben. So meldet die „Los Angeles Times“, dass sich aus dem Filmrevolver schon vor der Tragödie zwei Schüsse gelöst hätten.
Proteste wegen mangelnder Sicherheit am Set
Der bei dem Unfall verletzte Regisseur Joel Souza bestätigte, dass am Donnerstag eine neue Kameracrew engagiert werden musste, weil das bisherige Team die Produktion aus Protest gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen verlassen hätte.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Alec Baldwin lässt alle Projekte ruhen
Doch wie ist die Situation in Deutschland? „Scharfe Waffen gibt es an deutschen Sets eigentlich nicht. Nur unter sehr, sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen. Meist kommen Soft-Air-Waffen zum Einsatz“, erklärt Bernd-Siegfried Michalek, Fachkraft für Arbeitssicherheit an der baden-württembergischen Filmakademie in Ludwigsburg. Würden doch mal echte Waffen verwendet – etwa historische Modelle oder wenn der Lademechanismus gefilmt werde – sei das Sicherheitsraster extrem eng, „wahrscheinlich sogar höher als an jedem Schießstand“.
Technischer Fortschritt macht echte Waffen unnötig
Echte Waffen seien wegen des technischen Fortschritts ohnehin nicht mehr nötig: „Das meiste bekommt man digital eh besser hin, etwa das Mündungsfeuer einer Waffe.“ Auch würden scharfe Waffen nur mit „Kartuschenmunition“ verwendet, sprich Munition ohne Geschoss.
Normalerweise dürfe auch in den USA am Set nicht scharf geschossen werden. Es sei zudem klar geregelt, wer mit den Waffen hantieren dürfe. „Irgendwo muss diese Sicherheitskette durchbrochen worden sein.“ Nun mehren sich die Rufe nach einem Verbot von Schusswaffen bei Dreharbeiten. Es gab eine Petition auf change.org, die rund 24 000 Menschen unterschrieben haben.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Schweiger kritisiert scharfe Munition am Filmset