Tragisches Unglück: Bei einem tödlichen S-Bahn-Unfall in Feuerbach wurde ein Mann eingeklemmt und mitgeschleift (Symbolbild) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Ermittler sind nach dem tödlichen S-Bahn-Unglück in Feuerbach einen Schritt weiter. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten weiß man nun, um was für ein Zugmodell es sich handelt. Dort gab es wohl schon häufiger Probleme mit der Türautomatik.

Stuttgart – Ein Tag nach dem tödlichen S-Bahn-Unfall in Stuttgart-Feuerbach sind die Ermittler der Polizei einen Schritt weiter – sie haben den Unfallzug identifiziert. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten handelt es sich um eine S-Bahn, die als Linie S60 in Richtung Hauptbahnhof unterwegs war.

Ein 50-Jähriger hatte am Donnerstag um 14.21 Uhr diese S-Bahn in Feuerbach noch erreichen wollen, war aber mitgeschleift und getötet worden. Der Lokführer hatte nichts bemerkt und war weitergefahren.

Damit ist auch klar, welcher S-Bahn-Typ und welche Technik der Türautomatik näher unter die Lupe genommen werden muss. Dabei handelt es sich um das ältere Modell ET 423. Dieses Modell hatte im Jahr 2001 massive Probleme mit der Türschließautomatik, weil Fahrgäste von den Türen eingeklemmt wurden. Nachdem die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Aufsichtsbehörde der Bahn eingeleitet hatte, mussten die Züge des Typs ET 423 auch in Stuttgart nachgerüstet werden. Zum Einsatz kam ein neues Lichtschrankengitter, das feinfühliger Hindernisse erkennen sollte als zuvor.

Derzeit werden noch Zeugen befragt

Ein Bahnsprecher mochte sich zu möglichen Ursachen nicht äußern. „Wir müssen die Ermittlungen abwarten“, erklärte er. Auch die Polizei gibt derzeit keine Auskünfte über Details.

Nach Expertenmeinung ist es eigentlich unmöglich, dass eine Person einen Arm einklemmt und sich die Türen dann nicht öffnen. Die Technik beim ET 423 erkennt einen Widerstand zwischen den Türblättern. Inwieweit der Lokführer eine Zwangsschließung veranlasst haben könnte, ist indes noch unklar.

Eigentlich müsste der Lokführer den eingeklemmten Fahrgast bemerkt haben. Der Bahnhof Feuerbach liegt zwar in einer Kurve, und beim Blick nach hinten auf den Bahnsteig an Gleis 1 ist nur der erste Wagen erkennbar. Die hinteren nicht mehr.

Allerdings ist der Bahnsteig mit Videomonitoren ausgestattet, die vom Führerstand aus einsehbar sind. Warum andere Fahrgäste offenbar die Notbremse nicht gezogen haben und offenbar auch später den Lokführer nicht über den Vorfall informierten, ist noch unklar. Die Ermittlungen und Zeugenbefragungen sind nicht abgeschlossen.

„Bei dem Unfallhergang ist noch vieles offen“, sagt ein Polizeisprecher, „da passt manches nicht zusammen.“ Denn eigentlich gibt es nur eine Zeugenaussage über den Unfallablauf. „Was uns fehlt, sind Zeugen“, sagt der Sprecher. Die können sich über Telefon 0711/8990-5778 melden.

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