Eine 67 Jahre alte Frau aus Steinheim im Kreis Heidenheim steht in Ellwangen vor Gericht, weil sie ihre Nachbarin getötet haben soll (Symbolbild). Foto: dpa

Sie zog zu, bis ihre Widersacherin nicht mehr atmete: Eine 67 Jahre alte Frau aus Steinheim im Kreis Heidenheim hat vor Gericht gestanden, dass sie ihre Nachbarin getötet hat.

Ellwangen - Sie hat das Seidentuch etwa acht Minuten lang am Hals zugezogen, bis das Opfer nicht mehr atmete. Eine 67-Jährige aus Steinheim (Kreis Heidenheim) gestand am Dienstag den Mord an ihrer Nachbarin. Als die Zunge der 78-Jährigen blau anlief, habe sie aufgehört, sagte sie vor dem Landgericht Ellwangen. „Dann war ich zufrieden“, beschrieb die Frau ihren Gemütszustand nach der Tat. Zuvor sei ihr das Blut zu Kopf gestiegen, da die Nachbarin sie und ihre Familie im Streit übelst beleidigt habe. „Da bin ich närrisch geworden“, sagte die verwitwete Rentnerin.

Ausgangspunkt des Streits im Juli waren demnach angebliche Schulden. Am Tag zuvor hatte die 67-Jährige das Opfer wegen der Geldforderung mehrfach geschlagen, auch Alkohol war im Spiel. Der Staatsanwaltschaft zufolge war das Mordmotiv Angst vor der Entdeckung der Körperverletzung. Die Angeklagte gab zu, sie befürchtete, die Nachbarin würde sie für die Schläge anzeigen und sie im Knast landen. „Wie jetzt auch“, sagte sie ziemlich nüchtern. Allerdings sei sie am nächsten Tag nicht mit der Tötungsabsicht zur Nachbarin gegangen. Davon schien der Staatsanwalt nicht überzeugt.

Verteidiger hofft auf mildernde Umstände

Auf Mord steht lebenslänglich. „Es sei denn, es würden sich im Laufe des Verfahrens Milderungsgründe herausstellen“, sagte Oberstaatsanwalt Günter Bach. Es werde auf den Bericht des Psychiatrischen Sachverständigen ankommen, sagte Bach. „Das wird das Entscheidende sein, nachdem sich die Angeklagte, was den äußeren Sachverhalt des Geschehensablaufs betrifft, geständig gezeigt hat.“ Verteidiger Peter Bacher strebt eine Milderung an, „um durch eine vermilderte Schuld an eine zeitige Freiheitsstrafe zu kommen.“

Im bisherigen Leben der gebürtigen Wienerin spielten Gewalt und Alkohol schon lange eine große Rolle, wie sich im Prozess zeigte. Sie habe sich in jungen Jahren schon geschlagen, wenn es denn einen Grund gab. „Ich hab auch bei einem Mann keinen Rückzieher gemacht“, sagte die auch wegen Körperverletzung vorbestrafte Rentnerin. Auch ihre vier Ehemänner tranken und schlugen zu - sie schlug zurück. „Ich lass mir halt nix gefallen und fertig“, sagte die in ihrer Art derbe und auffällige Person. Einige Jahre in der Jugend verbrachte sie im Heim.

Zuletzt blieben ihr nach Miete und anderen Ausgaben rund 200 Euro von der Rente zum Leben übrig, einiges ging für Zigaretten drauf. Am Tag habe sie schon bis zu vier Schachteln geraucht. Die gehbehinderte Nachbarin hatte ihren Worten zufolge versprochen, ihr Pflegegeld an sie abzutreten, wenn sie ihr weiter zur Hand ginge. Geld habe sie nie bekommen, dann platze ihr der Kragen mit am Ende tödlichen Folgen.

In dem Prozess werden insgesamt 14 Zeugen gehört, sie sollen vor allem Auskunft über den Zustand der Frau und ihr Verhältnis zu anderen Nachbarn beleuchten. Zwei weitere Prozesstage sind angesetzt.

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