Dem Unfall folgte ein Großeinsatz der Rettungskräfte Foto: dpa

Die Konzernleitung verteidigt auch den Einsatz von Fremdfirmen . Die Produktion in dem Werk ist weiterhin stark beeinträchtigt

Ludwigshafen - Der BASF-Vorstandsvorsitzende Kurt Bock hat nach der tödlichen Explosion vor zehn Tagen Vorwürfe zurückgewiesen, sein Unternehmen vernachlässige die Sicherheit der Mitarbeiter. Davon könne keine Rede sein, so Bock, der am Donnerstag erstmals seit dem Unglück in einer Pressekonferenz öffentlich Rede und Antwort stand. Pro Jahr seien Behörden 300 Mal im Werk Ludwigshafen, um die Anlagen zu kontrollieren. Im vergangenen Jahr seien 13 000 Mitarbeiter in Sicherheitsfragen geschult worden. Die Ausfalltage durch Arbeitsunfälle seien vier Mal niedriger als im Schnitt der chemischen Industrie. Und im vergangenen Jahrzehnt seien insgesamt zehn Milliarden Euro in das Werk investiert worden: „Die Anlagen sind in einem zuverlässigen Zustand“, so Kurt Bock. Auf die Frage, weshalb er sich nicht früher zu Wort gemeldet habe, antwortete Bock: „Noch in der Nacht des Unfalls schrieb ich eine Mail an alle Mitarbeiter – intern war ich präsent.“

„Sicherheitsvorschriften eingehalten“

Margret Suckale, Mitglied des Vorstands, gab weitere Details zum Hergang des Unfalls bekannt. In dem Rohrgraben am Hafenbecken Nord hätten sich insgesamt 38 parallel verlaufende Leitungen befunden. An einer leeren Propylen-Leitung hätten schon seit vier Tagen Wartungsarbeiten stattgefunden. In einem direkt daneben verlaufenden befüllten Rohr hat die Staatsanwaltschaft nun aber einen Schnitt gefunden, der von einem Winkelschleifer herrührt. Das darin befindliche Buten-Gemisch hat sich vermutlich entzündet, etwa sechs Minuten später explodierte, vielleicht durch Erhitzung, eine benachbarte Fernleitung mit Ethylen. Alle gefüllten Leitungen seien entsprechend den Sicherheitsvorschriften sehr deutlich gekennzeichnet gewesen, so Kurt Bock.

Bei der Explosion war die Feuerwehr bereits etwa drei Minuten vor Ort; es starben zwei Feuerwehrmänner und ein Matrose. Ob es fahrlässig gewesen sei, die Feuerwehr hinzuschicken? Dies sei er bei einer Betriebsversammlung auch gefragt worden, räumte Bock ein. Aber die BASF-Werksfeuerwehr sei die womöglich am besten ausgebildete Feuerwehr in Deutschland, und die Männer hätten sich an die Ablaufpläne gehalten.

Die Kritik mancher Fraktionen im Ludwigshafener Gemeinderat, dass die BASF aus Kostengründen zu viele Fremdfirmen mit zu geringer Qualifikation beschäftige, wies Margret Suckale zurück. Jede Firma müsse umfangreiche Nachweise vorlegen, bevor sie einen Auftrag erhalte; und auch dann werde erst durch kleinere Arbeiten geprüft, ob sie sich bewähre. Im konkreten Fall handle es sich um eine Fremdfirma, die seit 25 Jahren für die BASF tätig sei; auch die betroffenen Arbeiter würden schon seit sieben beziehungsweise zehn Jahren Arbeiten im Werk ausführen. „Es gibt für uns keinen Zweifel an der Professionalität dieser Firma“, so Suckale. Derzeit beschäftigt BASF laut eigenen Angaben 400 Fachfirmen mit 8000 Mitarbeitern in Ludwigshafen. Eigene Mitarbeiter hat BASF im Stammwerk in Ludwigshafen rund 34 000.

Aufträge wohl nach strenger Prüfung

Die hohe Zahl von 16 Zwischenfällen in diesem Jahr sei auf zwei Gründe zurückzuführen: Erstens habe man den Turnus der Inspektionen erhöht, zweitens seien zuletzt viele Anlagen neu in Betrieb gegangen. Gerade beim ersten Anfahren oder bei der Wiederinbetriebnahme gebe es häufiger „Außenwirkungen“, wie etwa eine Stichflamme: „Das lässt sich nicht ganz vermeiden“, so Suckale.

Das Vertrauen in die BASF ist bei Feuerwehr und Stadtverwaltung dennoch nicht mehr ungetrübt – der Stadtrat von Ludwigshafen wird am 7. November in einer Sitzung das Thema erörtern. Für BASF ergeben sich aus dem Unglück auch deutliche wirtschaftliche Konsequenzen. Derzeit liege der Umsatzrückgang im Werk Ludwigshafen zwischen zehn und 15 Prozent, sagte Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel. Von den 200 Anlagen auf dem Werksgelände sind noch acht ganz und 50 teilweise still gelegt, weil der Nachschub an Rohstoffen nicht gewährleistet ist. Der Landeshafen Nord bleibt vorerst gesperrt, die Staatsanwaltschaft ermittelt dort noch. Auch das Jahresergebnis werde durch das Unglück belastet, sagte Engel.

Bei dem Unglück am 17. Oktober waren drei Menschen getötet worden, acht wurden schwer verletzt, 22 leicht. Sieben schwer verletzte Menschen sind weiterhin im Krankenhaus. BASF beschäftigt weltweit 112.000 Menschen und tätigt einen Umsatz von zuletzt 70 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Daimler hat 284 000 Mitarbeiter und 150 Milliarden Euro Umsatz.

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