Charles Manson im Jahr 1970 auf dem Weg zum Gericht. Foto: dpa

Als Sektenführer stiftete Charles Manson seine jungen Anhänger zu einer brutalen Mordserie an. Dabei wurde 1969 auch die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate getötet. Ein beispielloser Prozess endete vor 50 Jahren mit der Todesstrafe - die nie vollstreckt wurde.

Los Angeles - Mit kurz geschorenen Haaren trat Charles Manson vor 50 Jahren in Los Angeles vor den Richter, um die Strafe für eine bestialische Mordserie zu erfahren. Ein schwarzes Kreuz, das sich der damals 36-Jährige zum Prozessauftakt im Sommer 1970 in die Stirn geritzt hatte, war deutlich zu sehen. Auch seine „Girls“, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten, hatten sich für die Verlesung der Strafe am 29. März 1971 die Köpfe geschoren. Die jungen Frauen seiner selbsterklärten Hippie-„Family“ waren 21 bis 23 Jahre alt.

Doch keiner der vier Angeklagten war im Gerichtssaal, als das Urteil der zwölfköpfigen Jury verkündet wurde. Manson pöbelte laut herum, als die Geschworenen in den Raum gebracht wurden. Richter Charles Older warf den Kultleader nach mehreren Verwarnungen kurzerhand raus, wie Gerichtsreporter damals berichteten. Auch die wegen Mordes und Verschwörung zum Mord mitangeklagten Frauen randalierten und mussten den Raum verlassen. Das Strafmaß für alle vier: Tod in der Gaskammer.

225 Tage waren die Geschworenen von der Außenwelt abgeschirmt

Zwei Monate zuvor hatte die Jury nach einem spektakulären Prozess - der bis dahin längste in der Kriminalgeschichte Kaliforniens - in sieben Mordfällen für „Guilty“, also schuldig, gestimmt. 225 Tage waren die Geschworenen in einem Hotel von der Außenwelt abgeschirmt. Gebannt verfolgte die ganze Welt, mit welch teuflischer Macht ein Mann eine Gruppe weißer Bürgerkinder zu willigen Mördern machen konnte.

Im August 1969 hatte Manson seine Anhänger mit Bajonetten, Pistolen und Messern bewaffnet in die Villa der hochschwangeren Ehefrau von Regisseur Roman Polanski, Sharon Tate, geschickt. Grausam verstümmelt wurde die Leiche der 26-jährigen Schauspielerin am nächsten Morgen gefunden. Dutzende Male war auf sie und das ungeborene Baby eingestochen worden. Auch der Starfriseur Jay Sebring und zwei weitere Freunde wurden dort ermordet. Im Garten lag die Leiche eines 18-Jährigen, der zufällig an dem Haus vorbeigekommen war.

An die Wand schmierten die Mörder mit dem Blut ihrer Opfer „Pigs“, Schweine. Einen Tag später schlugen sie erneut zu und wüteten im Haus des Supermarktketten-Besitzers Leno LaBianca und seiner Frau Rosemary. Auch sie wurden brutal ermordet.

Urteile wurden in lebenslange Haft umgewandelt

Eine wichtige Kronzeugin in dem Prozess war die frühere Manson-Anhängerin Linda Kasabian, die in der Mordnacht Schmiere stand und die Gruppe chauffierte. Im Gegenzug für eine Bewährungsstrafe sagte sie gegen die Angeklagten aus. Manson selbst beteuerte, nie getötet und niemanden dazu angestiftet zu haben. Tatsächlich war er bei den Bluttaten nicht dabei, doch Staatsanwalt Vincent Bugliosi stellte ihn als satanisches Monster und Drahtzieher dar, dem die Frauen wie „hirnlose Roboter“ folgten.

Keine der Frauen beschuldigte den Anführer. Sie hielten loyal zu Manson, den sie als „Jesus Christus“ verehrten. Manson-Kumpane Charles „Tex“ Watson, der in beiden Mordnächten zugeschlagen hatte, kam in Texas vor Gericht. Auch er wurde zum Tode verurteilt. Allen blieb jedoch die Hinrichtung erspart. Die Urteile wurden in lebenslange Haft umgewandelt, als das Oberste US-Gericht 1972 Hinrichtungen zeitweise für verfassungswidrig erklärte.

Dass Manson je auf freien Fuß kommen könnte, galt aber als ausgeschlossen. 2012 hatte der zuständige Justizausschuss seinen zwölften Antrag auf Freilassung abgelehnt. Nach fast fünf Jahrzehnten hinter Gittern starb der berüchtigte Häftling im November 2017 eines natürlichen Todes. Er wurde 83 Jahre alt. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hatte die Gefängnisbehörde ein Foto von Häftling Nummer B33920 veröffentlicht. Es zeigte Manson mit starrem Blick, einem langen, grauen Kinnbart, den Schädel kahlrasiert, bis auf einen kurzen Schopf Haare.

Stoff für zahlreiche Filme

Susan Atkins stellte 13 Gnadengesuche, bevor sie 2009 im Alter von 61 Jahren im Gefängnis an Krebs starb. Patricia Krenwinkel (73) hatte 2017 zum 14. Mal erfolglos um Gnade gebeten. Ihre Taten von damals würden sie jeden Tag verfolgen, sagte die grauhaarige Frau vor dem Begnadigungsausschuss. Leslie Van Houten (71) erhielt im vorigen November vom kalifornischen Gouverneur ihre 22. Absage, obwohl eine Bewährungskommission ihre Freilassung wegen guter Führung empfohlen hatte.

Manson hatte den größten Teil seiner Jugend in Besserungs- und Haftanstalten verbracht. 1967 stieß er im „Summer of Love“ in San Franciscos Hippie-Szene auf treue Gefolgschaft. Als erfolgloser Musiker, aber charismatischer Redner predigte er von freier Liebe, Drogen und hetzte gegen das Establishment auf. Manson, der durch die Morde einen Rassenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen anstiften wollte, um am Ende selbst als Anführer aufzutrumpfen, zeigte nie Reue. In einem Fernsehinterview im Jahr 1987 bedauerte er, nicht Hunderte Menschen getötet zu haben. Zum Schutz von Erde und Natur müsste die Bevölkerung dezimiert werden. Manson lamentierte damals über Umweltverschmutzung und den „sozialen Verfall“.

Sein mörderischer Wahn wurde Stoff für Krimi-Bestseller, Filme, sogar Musicals. 2014 feierte das Musical „Charles Manson - Summer of Hate“ im Hamburger Thalia-Theater Premiere, Schock-Rocker Marilyn Manson griff seinen Namen auf. Die Arte-Doku „Der Dämon von Hollywood“ (2019) ging seinem Leben nach, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time... in Hollywood“ spielte in Los Angeles im Jahr 1969 vor dem Hintergrund der Manson-Mordserie.

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