Iranische Demonstranten protestieren in Stockholm gegen Hinrichtungen im Iran. Foto: /Zuma Press/actionpress

Die Zahl der Hinrichtungen steigt. Dass Deutschland außen vor bleibt ist eine Errungenschaft der Nachkriegszeit, kommentiert Christian Gottschalk.

Nur eine Minderheit der Staaten hält an der Todesstrafe fest. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte: dort, wo die Strafe verhängt wird, ist die Zahl der Hinrichtungen 2025 massiv gestiegen. Amnesty International verzeichnet ein plus von 78 Prozent. Doch zu einigen Ländern gibt es keine Angaben. Zahlen aus China etwa sind nicht bekannt. Was man weiß, ist erschreckend genug. Ein beachtlicher Teil des Anstieges der Hinrichtungen geht auf den Iran zurück. Dort kämpft ein Regime ums Überleben. Die Straftat der Getöteten bestand oft darin, den Mullahs widersprochen zu haben. Zuwächse gibt es auch in Saudi-Arabien. Dort trifft es vor allem Menschen aus Äthiopien oder Eritrea, die mit Drogen handeln. Das sind nicht notwendigerweise Kapitalverbrecher.

 

Handeln im Angesicht der Nazi-Morde

Dass Deutschland in dieser Statistik nicht auftaucht ist den Vätern und Müttern des Grundgesetzes zu verdanken. Sie haben angesichts von Tausenden Nazi-Morden Haltung bezogen und mit Artikel 102 eine der kürzesten Normen formuliert, die das Grundgesetz zu bieten hat: „Die Todesstrafe ist abgeschafft“. Vier klare Worte zu einer Strafe, deren abschreckende Wirkung zweifelhaft ist, während die Gefahr irreversibler Justizirrtümer nirgendwo auf der Welt ausgeschlossen werden kann. Daran sollte nie gerüttelt werden – auch dann nicht, wenn nach spektakulären Strafprozessen die so genannte Volksseele im Internet in eine unreflektierte Hysterie ausbricht.