Doppelmoral war das Innerste von Hamas-Chef Ismail Hanija. Nach seinem Tod wird der Iran mit einem Mittel reagieren, das er seit Jahrzehnten nutzt: Terror in alle Welt zu exportieren. Jetzt muss Europa reagieren, meint unser Autor Franz Feyder.
Er führte ein Leben der Doppelstandards. Nun ist der Hamas-Chef Ismail Hanijas tot, mutmaßlich gestorben bei einem gezielten Luftangriff Israels in Teheran, Iran. Mit seinem Multimillionen-Vermögen lebte der Terrorist lange gut und sicher. Auf sein Konto kamen diese Millionen zum Beispiel dank der 20 Prozent Steuern, die die Terrororganisation Hamas auf alle Güter erhebt, die durch das Tunnelsystem von Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Ägyptische Polizisten nahmen 2010 Hanijas ältesten Sohn Abdel-Salam fest, als er mehrere Millionen Dollar Bargeld in Koffern über die Grenze nach Gaza bringen wollte. Dort gehören der Familie luxuriöse Villen. Wie auch in der Türkei, Katar und Dubai. Die Hamas-Eliten inszenieren sich als Widerstandskämpfer für die Freiheit der Palästinenser. Doch für Ahmed Karima, Jura-Professor der Al-Azhar-Universität in Kairo, ist die Organisation „längst zu einer Bewegung von Millionären“ geworden. 1200 davon zählt er in ihren Reihen. Hanija war lange der wohl wichtigste unter ihnen.
Seit Mai 2017 lenkte er die Geschicke der geschäftstüchtigen Terroristen. Es war auch das Leben eines Aufstiegs. Geboren wurde Hanija im al-Shati-Flüchtlingslager unweit der Stadt Gaza. Später wurde er Büroleiter des Hamas-Gründers Scheich Ahmad Yasin, nach den Wahlen im Gazastreifen 2006 dort Premier. Elf Jahre lang war Hanija der Hamas-Statthalter, bevor er zum Chef des Politbüros der Terrororganisation aufstieg. Wie so viele in diesem obersten Entscheidungsgremium verließ er Gaza, zog nach Katar, wo er auch in luxuriöser Umgebung auf dem Bildschirm den Terroranschlag seiner Schergen, den Jubel darüber auf Israel am 7. Oktober verfolgte. Damals kniete sich Hanija zum Gebet nieder – wohl wissend, was die Attacke auslösen würde: die israelische Attacke auf ein abseits von den Hamas-Eliten ohnehin schon darbendes Gaza. 30 Familienmitglieder Hanijas wurden seit vergangenem Oktober durch israelische Angriffe im Gazastreifen getötet. Drei von Hanijas Schwestern leben dagegen in Israel, ihre Töchter und Söhne dienen dort in den Streitkräften – noch einer dieser Widersprüche.
Immer wieder skandierten Gäste „Tötet Israel“
Stunden vor dem tödlichen Luftangriff hatte Hanija noch an der Vereidigung des neuen iranischen Regierungschefs Massud Peseschkian teilgenommen. Immer wieder skandierten Gäste dort „Tötet Israel“. Auch anwesend, beim Gruppenbild nur einen Meter entfernt von Hanija: der Stabschef des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, Enrique Mora. Es ist ein skandalöser Besuch, der durch das Europäische Parlament aufgearbeitet werden muss.
Völkerrechtlich höchst umstritten ist das gezielte Töten von Terroristen wie Hanija oder nur Stunden zuvor eines Hisbollah-Führers im Libanon. Der Iran wird nach der Tötung Hanijas im Herzen seiner Hauptstadt mit einem Mittel reagieren, das er seit Jahrzehnten nutzt: Terror in alle Welt zu exportieren. Die das Regime stützenden Revolutionsgarden im Iran haben tausende Männer und Frauen zu Terroristen ausgebildet. Weltweit und kostengünstig einsetzbar. Ihre Ziele: einfach zu attackierende, jüdische Einrichtungen weltweit, israelische Staatsbürger und die der Verbündeten Israels.
Eine solche Reaktion auf den Tod von Terroristen sollte endgültig jene wachrütteln, die vor neun Jahren glaubten, ein Atomabkommen mit dem Iran würde die Welt friedlicher machen. Die größte Gefahr, die von den Mullahs in Teheran nach innen und außen ausgeht, ist und bleibt Terrorismus. Ihn zu bekämpfen, jetzt scharfe Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, auch wenn die Menschen dort wie im Gazastreifen hungern, das ist Aufgabe Europas und Deutschlands nach dem Tod Hanijas.