Neben dem mutmaßlichen Rasermord gab es im Ludwigsbrger Westen einen weiteren tödlichen Unfall. Foto: Andreas Rometsch

Im März sind zwei Frauen wegen eines mutmaßlichen Rennens gestorben. Doch auch abgesehen von der vermeintlichen Mordfahrt kracht es auf der Einfallstraße auffällig häufig.

Mit Tempo 40, zusätzlichen Geschwindigkeitskontrollen und bald auch einem neuen Blitzer reagiert die Stadt auf das mutmaßliche illegale Autorennen vom März, bei dem zwei junge Frauen starben. Der schwere Unfall, wegen dem sich ab Freitag zwei Männer wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht verantworten müssen, lenkt den Blick auf die Schwieberdinger Straße – und auf die Unfallbilanz.

 

Ein Blick in die Statistik zeigt: Zwischen 2016 und 2024 wurden zwischen der MHP Arena und der Autobahnauffahrt bei 14 Unfällen insgesamt 19 Menschen schwer verletzt – ein Mensch starb. Im Januar 2024 stieß ein Linienbus an der Autobahnauffahrt mit einem Kleintransporter zusammen. Der Busfahrer überlebte seine Verletzungen nicht. Der Transporterfahrer wurde später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt – er war wohl bei Rot in die Kreuzung eingefahren.

253 leicht Verletzte

Auch 2025 sind bereits einige schwere Unfälle passiert. Zum einen natürlich der mutmaßliche Rasermord, dem die Anfang 20-jährigen Frauen Merve und Selin zum Opfer fielen. Im Juni folgte weiterer, beispielhafter Crash: Bei einem Unfall mit vier Fahrzeugen kollidierte ein BMW-Fahrer zunächst mit zwei vorausfahrenden Autos und anschließend mit einem Linienbus, der mit 30 bis 40 Personen besetzt war.

Auffällig ist: Die meisten schweren Unfälle ereignen sich bei Tageslicht. Die meisten Verletzten waren PKW-Fahrer, aber auch vier Fußgänger, drei Radfahrer, fünf Motorradfahrer und zwei Lkw-Fahrer wurden seit 2016 schwer verletzt.

Doch auch eine andere Zahl sticht ins Auge: Zwischen 2016 und 2024 wurden in Summe weitere 253 Menschen auf der Schwieberdinger Straße bei Verkehrsunfällen leicht verletzt. Insgesamt kommt es damit alle zwölf bis 13 Tage zu einem Unfall mit Personenschaden auf der Schwieberdinger Straße.

Aus Sicht der Polizei gilt die Schwieberdinger Straße nicht als außergewöhnlich gefährlich, auch wenn sie in der öffentlichen Wahrnehmung seit dem tödlichen mutmaßlichen Autorennen stark im Fokus steht. Die Beamten verweisen darauf, dass die knapp zwei Kilometer lange Hauptverkehrsachse täglich von einem fünfstelligen Verkehrsaufkommen belastet wird und als direkte Verbindung zwischen Stadtgebiet und Autobahnanschluss eine zentrale Rolle im Verkehrsfluss spielt.

Ein höheres Unfallaufkommen sei deshalb an einer solchen Verkehrsader zu erwarten – die meisten Vorfälle seien jedoch reine Blechschäden, typischerweise Auffahrunfälle. Zwischen Januar und Oktober 2025 registrierte die Polizei lediglich 22 Unfälle mit Leichtverletzten, was angesichts des hohen Verkehrsaufkommens nicht auffällig sei.

B 27 im Vergleich

Auch die Ludwigsburger Straße und die Schlossstraße (B 27) gehören zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt. Zwar wurden dort zwischen 2016 und 2024 ebenfalls viele Unfälle mit Personenschäden verzeichnet, doch die Bilanz fällt weniger dramatisch aus: 17 Schwerverletzte, keine Toten. Die Zahl der Leichtverletzten ist mit 275 ähnlich hoch wie auf der Schwieberdinger Straße.

Unfallstatistik

Daten
Die Unfalldaten stammen vom Statistischen Landesamt, an das die Polizei die einzelnen Unfälle meldet. Erfasst sind jeweils Unfälle mit Personenschaden. Dabei ist jeweils die schwerste Unfallfolge entscheidend. Berücksichtigt wurden – mit Ausnahme des mutmaßlichen Rasermordes – ausschließlich die Jahre 2016 bis 2024, da die Daten für 2025 noch nicht vollständig vorliegen.

Verletzungsart
Als leicht verletzt wird verstanden, wer weniger als 24 Stunden im Krankenhaus verbringen muss. Als schwer verletzt gilt, wer nach einer Behandlung mehr als 24 Stunden im Krankenhaus bleiben muss.