Lebt von seiner Athletik, seiner Mentalität und einer guten Torwart-Technik: Kickers-Keeper Tobias Trautner. Foto: Baumann

Tobias Trautner ist seit Saisonbeginn die Nummer eins der Stuttgarter Kickers. Im Interview äußert sich der 24-Jährige zum Konkurrenzkampf im Tor, seine Zeit in Norwegen und wie sehr ihn sein Vater geprägt hat.

Stuttgart - An diesem Mittwoch (17.15 Uhr) hat Tobias Trautner (24) Pause. Im WFV-Pokal-Zweitrunden-Nachholspiel bei Landesligist Türkspor Neu-Ulm darf Thomas Bromma zwischen die Pfosten des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers. Der gebürtige Ludwigsburger fiebert von draußen mit – und hofft auf eine erfolgreiche Pokal-Saison mit dem Einzug ins Finale im eigenen Stadion.

Herr Trautner, wie wichtig ist es für einen Torwart, dass die Null steht?

Es ist das schönste Gefühl, das es für einen Torwart gibt.

In drei von vier Oberligaspielen in dieser Saison ist Ihnen das gelungen.

Darüber sind wir alle natürlich sehr glücklich. Gleichzeitig arbeitet die ganze Mannschaft gut gegen den Ball und die Viererkette vor mir räumt schon einiges weg, das ist große Klasse. Vor allem bei Ballverlusten jagen alle unsere Spieler sofort dem Ball wieder hinterher. Ich bin sozusagen nur die letzte Instanz in Sachen Tore verhindern.

Nur beim 2:3 in Bissingen hat es nicht geklappt.

Solche Tage gibt es, ich habe drei Schüsse aufs Tor bekommen und die waren alle drin.

Im WFV-Pokal-Spiel beim Verbandsligisten TSV Essingen (6:2) bekamen Sie eine Pause. Auch an diesem Mittwoch (17.15 Uhr) im Zweitrunden-Nachholspiel bei Landesligist Türkspor Neu-Ulm?

So ist es besprochen. Ich reise mit und unterstütze die Mannschaft von draußen. Wir fokussieren uns auch voll auf die Spiele im Pokal. Dieser Wettbewerb hat für uns alle einen hohen Stellenwert. Wir wollen auch im Pokal für Furore sorgen und möglichst ins Endspiel in unser Wohnzimmer, im Gazi-Stadion auf der Waldau, einziehen.

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Ihr Konkurrent Thomas Bromma wurde vor Ihnen verpflichtet, kannte die Oberliga und Trainer Ramon Gehrmann aus seiner Zeit beim SGV Freiberg. Hat es Sie auch etwas überrascht, dass Sie beim ersten Punktspiel in Ravensburg im Tor standen?

Nein. Ich bin zu den Stuttgarter Kickers gewechselt, um zu spielen. Ich bin kurz vor dem Trainingslager gekommen und habe mir dort, auf gut deutsch, den Hintern aufgerissen und versucht das Beste zu geben. Dann hat der Trainer die Entscheidung getroffen.

Sehen Sie sich inzwischen als klare Nummer eins?

Das ist für mich nicht das Entscheidende. Konkurrenzkampf ist grundsätzlich wichtig, davon wird man besser. Wobei ich persönlich jemand bin, der eine solche Konkurrenzsituation nicht zwingend braucht.

Warum?

Weil ich immer motiviert bin. Weil ich immer 100 Prozent gebe. Weil ich eine geile Saison spielen will und ich dem Trainer zeigen will, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat.

Wo sehen Sie Ihre Stärken?

In meiner Athletik und meiner Mentalität. Zudem habe ich eine sehr gute Torwart-Technik.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Thomas Bromma?

Gut. Wir haben ein anständiges Verhältnis. Keiner hat dem anderen den Finger vom Handschuh abgeschnitten (lacht).

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Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Ich persönlich nicht. Aber man hört so einiges...

...auch von Ihrem Vater?

Wenn einer wie mein Vater (Anm. d. Red.: Eberhard „Ebbo“ Trautner, aktuell Torwart-Koordinator bei RB Leipzig, früher VfB Stuttgart) 30 Jahre lang als Torwart oder Torwarttrainer tätig war, kann er natürlich einiges erzählen (lacht). Aber ich möchte da nicht ins Detail gehen.

Wie sehr hat Sie Ihr Vater geprägt?

Es gibt keinen anderen Menschen auf der Welt, der mich auch nur ansatzweise so geprägt hat wie mein Vater. Jeder kleiner Junge möchte in irgendeiner Phase mal so etwas werden wie sein Vater: Lokführer, Pilot – bei mir war es eben Fußballtorwart. Ich war von klein auf auf den Fußballplätzen dabei. Mein Vater ist für mich der beste Torwart-Trainer der Welt.

Und ihr Vorbild?

Natürlich. Zu Jugendzeiten fand ich Timo Hildebrand gut. Ansonsten möchte ich die beste Version von mir selbst sein.

Wie intensiv ist aktuell der Austausch zwischen Ihnen und Ihrem Vater?

Schon intensiv. Vor allem, wenn er wie gegen den SV Sandhausen II, live im Stadion dabei ist.

Wie kam eigentlich Ihr Wechsel zu den Kickers zustande?

Trainer Ramon Gehrmann und der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht haben mir ihre Konzept, ihre Pläne vorgestellt. Das hat mich überzeugt.

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Die Kickers sind für Sie ja kein unbekannter Club.

Stimmt. Ab der U16 war ich bereits bei den Blauen. Nach der A-Jugend war ich dann die Nummer drei hinter Korbinian Müller und Mark-Patrick Redl in der ersten Mannschaft. Über den FC 08 Homburg, zwei Jahre in Norwegen und die SF Lotte ging es jetzt wieder zurück zu den Kickers.

Wie lohnenswert war ihre Zeit in Norwegen?

Das Leistungsgefälle in der ersten Liga ist sehr hoch. Doch ich habe mich dort bei Strommen IF und Kongsvinger IL auf professionell hohem Niveau auf jeden Fall weiterentwickelt. Als Torwart und Mensch.

Wie lief die Verständigung?

Das klappte auf englisch sehr gut, später konnte ich mich auch auf norwegisch unterhalten. Ich bin ein offener, kommunikativer Typ - das hat alles vereinfacht.

Wie optimistisch sind Sie, dass mit den Stuttgarter Kickers der Aufstieg in die Regionalliga klappt?

Wir haben eine schlagkräftige Truppe mit hoher individueller Qualität. Spieler wie Patrick Auracher, Tobias Feisthammel, Michael Klauß oder Mijo Tunjic bringen ungemein viel Erfahrung mit, dazu haben wir junge, hungrige Spieler. Die Mischung stimmt. Zudem ist das Klima in der Mannschaft hervorragend. Das alles stimmt mich dort hingehend optimistisch, dass wir zumindest von Woche zu Woche die Spiele erfolgreich bestreiten können.

Wen sehen Sie als Hauptkonkurrenten?

Das ist schwer vorauszusagen. Ich sehe aber schon mehr Teams, den VfB Stuttgart II und als uns, die die Qualität haben, ganz vorne mitzuspielen.

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