Tobias Flitsch, Trainer der Stuttgarter Kickers „Es gibt nichts Schöneres, als solch ein Spiel“

Von Jürgen Frey 

Kickers-Trainer Tobias Flitsch ist unterm Fernsehturm längst angekommen – und die Fans ziehen mit: Gegen den SSV Reutlingen werden im Gazistadion zwischen 3500 und 4000 Zuschauer erwartet. Foto: Baumann
Kickers-Trainer Tobias Flitsch ist unterm Fernsehturm längst angekommen – und die Fans ziehen mit: Gegen den SSV Reutlingen werden im Gazistadion zwischen 3500 und 4000 Zuschauer erwartet. Foto: Baumann

Es steckt viel Brisanz in diesem Derby. Vor dem Oberliga-Schlager gegen den SSV Reutlingen äußert sich Kickers-Trainer Tobias Flitsch über die Bedeutung des Spiels, die Kritik an seinen Einwechslungen und mögliche Winter-Neuzugänge.

Stuttgart - An diesem Sonntag (14 Uhr/Gazistadion) steigt in der Fußball-Oberliga das Schlagerspiel Stuttgarter Kickers gegen SSV Reutlingen. Es stehen sich zwei kampfstarke Spitzenteams gegenüber. Auch der SSV gilt als Mentalitätsmannschaft, die dafür bekannt ist, Rückstände umzubiegen. Kickers-Trainer Tobias Flitsch freut sich auf das brisante Duell.

Herr Flitsch, ist das Spiel gegen den SSV Reutlingen mit das Bedeutendste, seit Sie bei den Kickers sind?

Keine Frage: Es ist ein Spitzenspiel, in dem sehr viel Brisanz steckt. Mehr als 3000 Tickets sind schon verkauft, das Stadion wird voll sein, andererseits ist es noch lange kein Finale.

Aber richtungsweisend.

Bei einem Sieg wären wir Zweiter und nur einen Punkt hinter dem SGV Freiberg, bei einer Niederlage mit fünf Punkten Rückstand auf Reutlingen Vierter oder Fünfter. Uns allen ist diese Konstellation bewusst. Und genau darauf freuen wir uns. Es gibt nichts Schöneres im Fußball, als solch ein Spiel. Zudem möchte jeder mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen.

Warum reichte es zuletzt, jeweils nach einer 1:0-Führung, nur zu zwei Unentschieden?

Wir spielten dabei gegen den FSV 08 Bissingen und beim FC Nöttingen. Das sind zwei Spitzenmannschaften. In solchen Spielen entscheiden Kleinigkeiten. Und jeweils waren Gelb-Rote Karten gegen uns die Schlüsselszenen. Das darf nicht passieren.

Warum stehen die Kickers mit ihrem Etat und der Arbeit unter professionellen Bedingungen nicht ganz oben?

Wir haben gute Voraussetzungen und ich bin mit dem Kader auch zufrieden. Aber daraus ergibt sich ja nicht automatisch ein Durchmarsch, wie ihn der FC 08 Homburg vergangenes Jahr dank eines außerordentlichen Etats und einer Übermannschaft geschafft hat. Wir haben in unserer Liga harte Konkurrenten, die Ausnahmespieler wie Marcel Sökler (Anm.d.Red.: Torjäger des SGV Freiberg mit 19 Saisontreffern), Kevin Dicklhuber (1. Göppinger Sportverein/14 Tore) oder Cristian Giles Sanchez (SSV Reutlingen/neun Tore) in ihren Reihen haben, die regelmäßig treffen.

Sie haben Mijo Tunjic.

Er hat zwölfmal getroffen, aber außer ihm trifft noch keiner regelmäßig. Wir müssen über außen und aus dem zentralen Mittelfeld heraus zu mehr Torabschlüssen kommen.

Muss das Team nicht verstärkt werden: Mit einem Sechser, damit Patrick Auracher in die Innenverteidigung rücken kann und mit Spielern, die in Eins-gegen-Eins-Situationen etwas reißen?

Das Thema Personal haben wir auf die Zeit nach dem Spiel gegen den SSV Reutlingen angesetzt.

2019 müssen die Kickers zu fast allen Teams aus dem ersten Tabellendrittel, nach Göppingen, Pforzheim, Freiberg, Villingen, Reutlingen, Bissingen. Wird ihnen bei diesem Auswärtsprogramm nicht Angst und Bange?

Nein, Nöttingen war auch ein solches Team– und wir hatten das Spiel lange Zeit unter Kontrolle. Wir müssen unsere Abläufe verbessern, ballsicherer und torgefährlicher werden. Daran werden wir in der Vorbereitung hart arbeiten. Das einzige, was mir auswärts zu Denken gibt, sind die Plätze, die sind oft in schlechtem Zustand oder uns erwarten enge Kunstrasenplätze.

Ihre Einwechslungen werden zum Teil hart kritisiert. Dabei ist besonders Ibrahima As Diakite zur Zielscheibe geworden. Wir gehen Sie damit um?

Kritik von außen ist in diesem Geschäft normal. Intern lasse ich es nicht zu, dass einzelne Spieler zur Zielscheibe wird. Klar hat „Ibra“ in Nöttingen einen Fehler gemacht, der zum Gegentor führte, und er muss sich auch schnell steigern. Aber das hätte den fünf Alternativen, die ich auf der Bank hatte, auch passieren können. Andere haben in diesem Spiel ebenfalls den Ball vertändelt, nur blieb das dann ohne Folgen.

Wie schalten Sie in der Winterpause bis zum Trainingsbeginn am 7. Januar ab? Geht’s in den Urlaub?

Nein, ich habe daheim genug zu tun.

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