Tobias Flitsch, Trainer der Stuttgarter Kickers „Ein neuer Spieler kann auch viel kaputt machen“

Von Jürgen Frey 

Trainer Tobias Flitsch nimmt sich Ndriqim Halili im emotionalen Derby gegen den SSV Reutlingen zur Brust. Ob der Offensivmann bei den Kickers bleibt, ist offen. Foto: Baumann
Trainer Tobias Flitsch nimmt sich Ndriqim Halili im emotionalen Derby gegen den SSV Reutlingen zur Brust. Ob der Offensivmann bei den Kickers bleibt, ist offen. Foto: Baumann

Oberligist Stuttgarter Kickers beginnt mit der Vorbereitung auf die restlichen 16 Saisonspiele. Trainer Tobias Flitsch verrät, von welchem Spieler er den größten Sprung nach vorne erwartet.

Stuttgart - Am 16. Februar beginnt für die Stuttgarter Kickers im Fußballjahr 2019 der Pflichtspielernst mit dem Heimspiel gegen den SV Oberachern. In der Wintervorbereitung will Trainer Tobias Flitsch die Grundlagen legen, damit es mit dem Aufstieg in die Regionalliga klappt.

Herr Flitsch, sind Sie gut ins neue Jahr gestartet?

Danke, ja. Ich konnte komplett abschalten.

Geht das als Fußballtrainer wirklich?

Natürlich hält man Kontakt mit dem Verein, ich eben vor allem mit unserem Sportlichen Leiter Martin Braun. Aber da ich wegen des Anbaus zu meinem Sportgeschäft viel in der Baustelle mit Renovierungsarbeiten beschäftigt war, konnte ich vom Fußball abschalten. Wäre ich faul auf dem Sofa gelegen, wäre mir das nicht gelungen.

Sind Sie denn handwerklich begabt?

Durchaus. Ich habe nicht gerade zwei linke Hände (lacht) und auch eine Ausbildung zum Elektriker abgeschlossen. Danach habe ich mich in der Sportartikelbranche selbstständig gemacht.

Hat Sie das vergangene halbe Jahr bei den Stuttgarter Kickers besonders beansprucht?

Nein, das war auch nicht groß anders als bei meiner Tätigkeit in der Regionalliga beim SSV Ulm 1846 oder bei meinen unterklassigen Clubs, die ich trainiert habe.

Welche Änderungen im Spielerkader bei den Kickers wird es denn nach der Winterpause geben?

Bis jetzt gibt es noch keine. Alle bisherigen Spieler stehen auf der Liste für den Laktattest an diesem Montag.

An Felix Gerber und Grgo Zivkovic war Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen interessiert. Offenbar haben sich die Wechsel zerschlagen.

Ich weiß nur, dass diese Spieler Gespräche mit anderen Clubs führten und dass sie gerne wechseln würden, um mehr Spielpraxis zu erhalten.

Florijan Ahmeti, ebenfalls ein Dauerreservist, wird bleiben?

Ja. Er hat Potenzial und trainiert gut. Ich wollte ihn nie abgeben.

Auch Robin Hermann und Panagiotis Karastergios gehören weiter zum Kader?

Ja, so sieht es derzeit aus.

Bleibt die Personalie Ndriqim Halili. Da muss bis zum 31. Januar die Entscheidung fallen, ob er bis zum Saisonende bleibt oder nicht. Wie ist der Stand?

Als er kam, war klar, dass er uns zunächst ein halbes Jahr helfen soll. Von vornherein hatte er signalisiert, dass er möglicherweise nach Thailand zurückkehrt, wo man viel Geld mit Fußball verdienen kann. Jetzt muss man sehen wie es weitergeht, zumal er auch in den elterlichen Gastronomiebetrieb in Ravensburg eingebunden ist. Schon diese Woche werden weitere Gespräche mit ihm folgen.

Wollen Sie ihn denn halten?

Ich würde mich freuen, wenn er bleibt. Er ist ein guter Fußballer, zudem ein offener, lustiger Typ, ein echter Teamplayer.

Hängt es von seinem Weggang ab, ob sich die Kickers verstärken können?

Nein, verstärken wollen wir uns unabhängig davon.

Ist zum Trainingsstart ein neues Gesicht dabei?

Nein, es gibt zwar mit vier Spielern konkrete Gespräche, aber nur bei einem Spieler ist man schon so weit, dass es nur noch um die Höhe der Ablösesumme geht.

Wie schwierig ist es, in der Winterpause Spieler zu bekommen?

Sehr schwer. Der Spieler muss ja bezahlbar sein, und als Trainer wünscht man sich, dass er einem sofort weiterhilft. Doch es gibt kaum einen Spieler, bei dem es nicht irgendeinen Haken gibt.

Wie wichtig ist die menschliche Komponente?

Enorm wichtig. Denn ein neuer Spieler kann auch viel kaputt machen, Unruhe reinbringen. Wir haben einen sehr guten Teamspirit, es gibt keinen Stinkstiefel. Deshalb nehme ich einen möglichen Neuzugang genau unter die Lupe. Und noch ein Aspekt ist mir sehr wichtig...

Welcher?

Ein Spieler, der verletzt war, und sich jetzt wieder auf dem Weg der Besserung befindet, kommt nicht in Frage. Solche Probleme hatten wir im Sommer genug.

Zum Beispiel mit Valentino Stepcic, der Erfahrung aus der ersten kroatischen Liga mitbringt.

Er ist ein solches Beispiel, ja. Er ist ein begnadeter Fußballer, war aber eben nicht fit. Doch dieser Zustand hat sich geändert.

Warum haben Sie ihn dann zum Ende der Vorrunde nicht öfter gebracht?

Weil ich den Druck auf ihn hochhalten wollte. Wenn er jetzt noch eine starke Vorbereitung hinlegt, werden wir noch viel Freude an ihm haben. Ich verspreche mir jedenfalls sehr viel von ihm. Er ist für mich nach der Winterpause wie ein Neuzugang.

Was wird entscheidend sein, damit die Kickers den Aufstieg schaffen?

Wir müssen in der Wintervorbereitung weiter an der Athletik arbeiten, da haben einige Spieler noch Potenzial sich zu verbessern. Wir sind inzwischen ein robustes Oberligateam, und ich habe auch das Gefühl, die Mannschaft bricht nicht mehr ein wie etwa im Pokalspiel gegen die TSG Backnang, aber wir müssen zulegen. In einigen Bereichen. Zum Beispiel müssen wir uns auch mehr Torchancen erarbeiten. Die Mischung, hinten stabil zu stehen, und nach vorne Lösungen zu finden, die muss stimmen.

Die Kickers müssen gegen die direkte Konkurrenz aus dem oberen Tabellendrittel auswärts ran. Ein großer Nachteil?

Nein. Zu Hause stehen die Konkurrenten auch unter Druck, gewinnen zu müssen. Das ist für sie nicht so einfach. Da reicht verteidigen nicht.

Den Druck, aufsteigen zu müssen, hatten die Kickers vom ersten Spieltag an. Ist das ein Vorteil gegenüber den Mitkonkurrenten um den Aufstieg?

Vielleicht schon. Für uns ist es nichts Neues. Die Konkurrenz steckte sich in der Winterpause möglicherweise neue Ziele und muss erst einmal damit umgehen.

Wer sind die größten Rivalen?

Tabellenführer SGV Freiberg hat schon sehr viele gute und erfahrene Einzelspieler. Und wenn ihr Torjäger Marcel Sökler (Anm. d. Red.: 19 Saisontore) weiter so trifft, sind sie nur schwer aufzuhalten. Dann hat natürlich auch der FC Nöttingen ein sehr routiniertes Team, der SSV Reutlingen ist eine Mentalitätsmannschaft, die schon häufig Rückstände gedreht hat. Und wenn beim 1. Göppinger Sportverein Kevin Dicklhuber weiter Spaß hat und fit bleibt, muss man auch diesen Außenseiter auf der Rechnung haben, zumal die Göppinger von allen Spitzenteams den wenigsten Druck haben.

Winter-Fahrplan der Kickers

Samstag, 12. Januar: Testspiel Calcio Leinfelden-Echterdingen – Kickers

Anstoß um 14 Uhr im Sportpark Goldäcker Echterdingen (Leinfelder Str. 101, 70771 Leinfelden-Echterdingen

Samstag, 19. Januar: Testspiel Kickers – TSG Balingen

Anstoß um 14 Uhr im ADM-Sportpark oder alternative Sportstätte in Stuttgart (je nach Wetterlage)

Samstag, 26. Januar: Testspiel Kickers – FC Augsburg II

Anstoß um 14 Uhr im ADM-Sportpark oder alternative Sportstätte in Stuttgart (je nach Wetterlage)

Samstag, 2. Februar: Testspiel Kickers – TSV Schott Mainz

Anstoß um 14 Uhr im ADM-Sportpark oder alternative Sportstätte in Stuttgart (je nach Wetterlage)

Samstag, 9. Februar: Testspiel FC Nöttingen – Kickers

Anstoß um 14 Uhr in der Kleiner-Arena (Gleiwitzer Str. 28, 75196 Remchingen/Nöttingen).

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