Bei seiner Premiere im Rathaus will der neue Chef möglichst Vieles erfahren – von der Alltagsarbeit bis zu den kommunalpolitischen Aufregerthemen.
Im Foyer des Leonberger Rathauses steht ein großer Christbaum, unter ihm liegen bunte Päckchen. Doch für viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung dürfte es schon am 1. Dezember ein besonderes Geschenk gegeben haben – in Form eines neues Chefs. Tobias Degode, der vor gut zwei Monaten mit 50,9 Prozent gewählte Oberbürgermeister, hat seinen ersten Arbeitstag.
Degode gratuliert gleich Hochzeitsjubilaren
Und der ist gleich picke packe voll. Kurz vor acht Uhr betritt der 38-Jährige erstmals sein neues Büro im fünften Stock des Rathauses. Dann geht es direkt los. Gemeinsam mit seiner Sekretärin Monique Ben Ali geht Degode die Termine des Tages durch und muss etliche Vorgänge unterschreiben, darunter Gratulationen für silberne oder goldene Hochzeiten. Auch das gehört zu den Aufgaben eines Oberbürgermeisters.
Dann trifft er sich mit Bürgermeister Klaus Brenner und den Amtsleitern zu einer ersten Lagebesprechung. Das politische Programm kann nicht warten. Schon am Mittwoch tagt der Sozialausschuss, tags drauf der Planungsausschuss. In den Fachgremien werden die Sachthemen intensiv diskutiert, bevor sie zur finalen Beratung im Gemeinderat aufgerufen werden.
Dem neuen OB ist es besonders wichtig, bereits an seinem ersten Arbeitstag möglichst viele seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen. Nach der Amtsleiterbesprechung bricht Degode zu einem ausführlichen Rundgang durchs Rathaus auf. Der Hauptamtsleiter Peter Höfer zeigt dem Verwaltungschef nicht nur die einzelnen Büros, sondern zudem die Wege zur Teeküche oder zur Toilette und scheinbar verborgene Treppenhäuser, die als Fluchtwege dienen.
Der OB interessiert sich gleich fürs Geld
„Es ist spannend, wie unterschiedlich alles ist“, meint Degode , der in seinem beruflichen Vorleben Finanz- und Verwaltungschef der Kulturbehörde in Düsseldorf war. Besonders angetan ist der neue Hausherr, dass die Stadt über ein eigenes Rechenzentrum verfügt. „Wir wollten dieses sensible Thema nicht aus der Hand geben“, klärt ihn der Hauptamtsleiter auf.
Im von seinem Vorgänger Martin Georg Cohn geschaffenen „Referat für innovative Mobilität“ informiert ihn der Leiter Jens Schneider über den aktuellen Stand der Planungen für eine neugestaltete Innenstadt. Besonders interessiert Degode, mit wie viel Fördergeldern die Stad rechnen könne. Bei den Verkehrsplanern fühlt sich der OB an seine beruflichen Anfänge erinnert, als er in Düsseldorf in der Straßenverkehrsbehörde gearbeitet hat.
Ein großes Aufgabenfeld stellt Lisa Marie Kopahnke dem Oberbürgermeister im Gebäudemanagement vor. Das Amt ist für alles zuständig, was mit städtischen Liegenschaften zu tun hat, erläutert die Chefin. So auch dem Gebäudeservice, auf gut deutsch der Reinigung von Schulen oder Sporthallen. „Ein sensibles Thema“, weiß die zuständige Referatsleiterin Christina Ziska. „Der Bereich Reinigung ist immer konfliktträchtig.“
Abends tagt der Ältestenrat
Auch hier hat Tobias Degode fachliche Erinnerungen parat: „In Düsseldorf hatten wir Mitarbeiter mit arabischen und französischen Sprachkenntnissen. Die konnten direkt mit den Reinigungskräften reden. Das war Gold wert.“ Im Planungsamt schaut sich der OB Fotos von den aktuellen Projekten, etwa dem Postareal und verschiedenen Schulsanierungen an.
Dann geht es weiter. Der Chef im Rathaus hat noch viele Ämter vor sich. Dann stehen Gespräche mit den Fraktionen an, bevor am Abend der Ältestenrat tagt, in dem die Fraktionschefs und die Stadtspitze sich über die politischen Aufregerthemen abstimmen. So geht der erste Tag des neuen OB ganz schnell vorbei.