Der Göppinger THW-Helfer Tobias Bäurle ist für Auslandseinsätze ausgebildet. Er verkörpert die internationale Zusammenarbeit. Zuletzt war er bei einer Übung der Vereinten Nationen in Kenia im Einsatz.
Tobias Bäurle setzt seine THW-Mütze auf, klemmt den gelben Helm unter den Arm und öffnet auf dem THW-Gelände im Göppinger Stauferpark die Fahrzeughalle. Da stehen sie, die beeindruckenden Geräte einer Organisation, die in unruhigen Zeiten wieder mehr in den Fokus rückt. Der 41-jährige Bäurle ist einer von 60 ehrenamtlichen Helfern, die in Göppingen beim Technischen Hilfswerk ihre Zeit einsetzen, damit die Gesellschaft für den Fall der Fälle vorbereitet ist – natürlich sehr oft im Zusammenspiel mit Feuerwehren, Rettungsdiensten und anderen. 3,7 Millionen Stunden im Inland leisten die Kameraden pro Jahr, weiß der 41-Jährige, dem man den Teamgeist anmerkt.
Und doch hebt Bäurle sich in einem Punkt ab: Als einziger deutscher THWler war er kürzlich bei einer internationalen Übung der Vereinten Nationen in Kenia im Zuge der „International Humanitarian Partnership“ eingesetzt. „Das war Glück“, sagt Bäurle über seine erfolgreiche Bewerbung.
Seit 2012 macht er beim THW mit
Doch der Reihe nach. Tobias Bäurle ist eigentlich eher der heimischen Scholle treu geblieben. Er ist in Wangen aufgewachsen und in Rechberghausen auf die Schurwaldschule gegangen. Heute wohnt er mit seiner Frau und seinem zwölfjährigen Sohn in Uhingen. Er will etwas für die Allgemeinheit tun, „etwas zurückgeben“, sagt der 41-Jährige über seine Motivation. Seit 2012 macht er beim THW mit. In dieser Zeit hat er viele Einsätze hinter sich gebracht. „Der schockierendste war für mich im Ahrtal“, sagt Tobias Bäurle über seine Erlebnisse im Gebiet der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Wegen der ungeheuren Zerstörung, die dort herrschte. Auf den Fernsehbildern sei das nicht herausgekommen, sagt Bäurle. „Es sah dort wirklich aus wie im Krieg.“ Bäurle war in einem der ersten Einsatzteams vor Ort So schlimm ist es nicht immer: THW-Arbeit ist ein Sammelsurium technischer Hilfeleistungen. Beispiele: Man verbarrikadiert nach Einbrüchen aufgebrochene Gebäude. Man leuchtet bei größeren Unglücken die Unfallstelle aus. Oder es gilt, Schneemassen vom Dach der EWS-Arena zu schaufeln. Auch das hat Bäurle in den elf Jahren beim THW schon mitgemacht.
Doch im Gegensatz zu den meisten seiner Göppinger Kollegen ist der 41-Jährige auch häufig im Ausland im Einsatz. Er hat geholfen, in Bosnien ein Camp mit der kompletten Infrastruktur aufzubauen, damit Menschen nach Wochen wieder ein Dach über dem Kopf hatten und mal duschen konnten. „Das holt dich auf den Boden der Tatsachen zurück“, sagt Tobias Bäurle. Zuletzt hat er zusammen mit Kollegen für die Erdbebenopfer in der Türkei und Syrien THW-Gerätschaften vom Logistikzentrum in Ulm zum Bundeswehrstützpunkt in Wunstorf bei Hannover gebracht, von wo aus es die Bundeswehr ins Katastrophengebiet flog.
Wertvolle Erfahrungen in Kenia
Für die internationalen Einsätze hat er sich in vergangenen Jahren ausbilden lassen. Im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus werden Helfer in Unglücksregionen abgesandt. Natürlich nach einem streng festgelegten System von Abläufen und Anforderungen. „Es nützt ja nichts, wenn ich einen Elektriker brauche und es kommt ein Schreiner“. Bäurle selbst ist gelernter Energieelektroniker, arbeitet heute in der IT-Branche. Sein Arbeitgeber stellt ihn auch für die oft langen Auslandseinsätze frei. „Darauf würde ich aber nie pochen“, sagt Tobias Bäurle, der weiß: „Es müssen viele etwas beitragen, damit ich gehen kann.“ Natürlich auch die Familie.
In Kenia hat er im frühen Winter, in einem Ortsteil am Rande Nairobis, an einer UN-Übung mitgemacht. Hier Businesshäuser, dort Blechhütten. Es galt, auf einem ehemaligen Schulgelände ein sogenanntes Operations- und Kommunikationszentrum für eine fiktive Katastrophe aufzubauen.
Das Szenario: Ein Erdbeben im erfundenen Land Klandestan, es gibt Erdrutsche, ein Staudamm bricht. UN-Teams eilen zur Hilfe. Die Aufgabe Bäurles und seiner Mitstreiter war, diese Übung vorzubereiten und die Teams zu unterstützen. „Man musste viel improvisieren und mit dem klarkommen, was da ist.“ Geschlafen wurde in blechgedeckten Hallen in Stockbetten. „Es war minimalistisch“, sagt Bäurle. Und doch hat er all das genossen. Denn die Übung war eine Blaupause dafür, wie die in Lager zerfallene Welt auch funktionieren könnte, ein Musterbeispiel internationaler Zusammenarbeit. „Die Nationalität spielte keine Rolle“, sagt der Uhinger. Russen und Ukrainer beispielsweise hätten Hand in Hand gearbeitet. „Man steckt zusammen im Schlamassel und muss es gemeinsam lösen“. Alle immer für das gemeinsame Ziel, den Menschen zu helfen.
Hilfeleistung im In- und Au
Technisches Hilfswerk
Das THW ist die 1950 gegründete Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes. Sie hat heute etwa 83 000 ehrenamtliche Helfer (darunter 15 192 bei der THW-Jugend) und rund 1800 hauptamtliche Mitarbeiter.
Internationale Aufgaben
Neben den nationalen Aufgaben ist das THW auch zunehmend in internationale Strukturen eingebunden. Die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen wurde intensiviert. Am Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union („EU-Mechanismus“) ist das THW seit 2001 beteiligt.