Goldköpfchen Alexander Sörloth trifft zum 3:2 für RB Leipzig. Foto: imago images/Christian Schrödter

RB Leipzig bestätigt beim 3:2 gegen Gladbach seine Weiterentwicklung und hat die Titelchance im Duell mit dem FC Bayern in der eigenen Hand – was Ex-RB-Coach Alexander Zorniger nicht überrascht.

Stuttgart - Er hat RB Leipzig als Trainer von der Regionalliga in die zweite Liga geführt. Klar, dass Alexander Zorniger die Entwicklung seines früheren Vereins weiter aufmerksam verfolgt. Auch das 3:2 des Fußball-Bundesligisten gegen Borussia Mönchengladbach verfolgte der 53-Jährige in seinem Wohnort Solrød Strand in der Nähe von Kopenhagen vor dem Fernseher. Seine Haupterkenntnisse: „RB hat deutliche Schritte nach vorne gemacht und dazugelernt. Solche Spiele hätte das Team früher verloren.“ 0:2 war die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann zurückgelegen. Mit dem Rücken zur Wand rollten die Leipziger eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor der Gladbacher, die Treffer von Christopher Nkunku (57.), Yussuf Poulsen (66.) und Alexander Sörloth (90.) waren der verdiente Lohn.

Direktes Duell am 3. April

„Früher waren Spiele nach dem ersten Rückschlag für RB oft gegessen“, erinnert sich Zorniger. Er denkt dabei an das DFB-Pokal-Finale 2019 gegen den FC Bayern. Voller Euphorie und mit Vollgas war Leipzig ins Spiel gegangen. Nach dem 0:1 war der Fall besprochen, am Ende stand’s 0:3. Und diesmal? Kann RB ernsthaft am Thron des deutschen Rekordmeisters sägen? Am 3. April (18.30 Uhr) steht das direkte Duell in Leipzig auf dem Programm. „Ganz entscheidend, auch psychologisch, wird sein, dass RB vor diesem Spiel weiterhin maximal nur zwei Punkte Rückstand auf die Bayern hat und mit einem Sieg vorbeiziehen kann“, sagt Zorniger.

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So weit nach vorne wollte Nagelsmann noch nicht denken. Nach der fulminanten Aufholjagd gegen Gladbach ließ er erst einmal voller Adrenalin, mit aufgerissenem Mund und großen Augen einen gewaltigen Ur-Schrei ab. „Wenig Inhalt, viel Emotionen“, sagte der 33-Jährige hinterher über die Szene. War es auch Kampfgebrüll Richtung München? „Nee, daran habe ich ehrlich gesagt nicht gedacht.“

Aber Rückenwind im Titelkampf mit den Bayern gibt dieser bemerkenswerte Dreier allemal. Er habe „die totale Gier aufs Gewinnen“ gespürt, sagte Nagelsmann: „So ein Sieg setzt Emotionen und Kräfte frei. Ich werde die Jungs jetzt bestimmt nicht anpeitschen müssen.“

Doch keine Langeweile

Auch wenn die Leipziger das Meisterziel nicht offensiv formulieren wollen – es ist längst in der Kabine angekommen. „Jeder, der in der Bundesliga arbeitet, träumt davon“, räumte Nagelsmann ein: „Wir versuchen alles, um die Bundesliga spannend zu halten und oben dranzubleiben.“ Zur Erinnerung: Die letzten acht deutschen Meisterschaften gingen allesamt an die Bayern. Nicht wenige hatten in dieser Saison eine unliebsame Langeweile an der Spitze prognostiziert.

RB stemmt sich dagegen – doch Nagelsmann warnte vor zu viel Euphorie. „Wir müssen jetzt nicht durchdrehen, wir haben nichts gewonnen außer ein Spiel.“ An diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) warte im DFB-Pokal-Viertelfinale „ein extrem harter Brocken“: der Bundesliga-Dritte VfL Wolfsburg. Auch hier wolle man „immer auf dem Gaspedal bleiben“, so Nagelsmann, „auch wenn es mal zäh ist“.

Skandälchen um Angelino

Ausgebremst fühlte sich jedoch Angelino. Der in dieser Saison so starke Spanier stand gegen Gladbach wegen muskulärer Probleme nicht im Kader. Auf die entsprechende Clubnachricht antwortete Angelino öffentlich: „Keine Muskelprobleme, ich bin fit.“ Der Verteidiger löschte den Kommentar später wieder, doch da war das Skandälchen schon auf dem Markt. Eine Strafe muss er laut Nagelsmann nicht befürchten: „Jetzt schmunzeln wir ein bissel, dann sprechen wir mit ihm – und alles ist gut.“

Lockere Stimmung in Leipzig – doch auch beim Spitzenreiter von der Isar kam nach dem 5:1 gegen den 1. FC Köln gute Laune auf. Rechtzeitig vor dem Klassiker gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr) hat das Bayern-Team von Trainer Hansi Flick sein kleines Liga-Tief überwunden und wieder in die Spur gefunden. Im Mittelpunkt standen die perfekten Comeback-Auftritte von Thomas Müller und Serge Gnabry sowie der Doppelpack von Robert Lewandowski. Auf der Jagd nach dem 40-Tore-Rekord von Gerd Müller hat der Pole nach 23 von 34 Spielen nun schon 28 Treffer auf dem Konto.

FC Bayern hoher Favorit

Der entscheidende Trumpf im Meisterschaftsrennen? „Die Bayern haben Typen drin, die wissen, wie man sich aus bestimmten Situationen wieder herauszieht und Titel holt. Das ist eine Kunst“, sagt Zorniger: ein Vorteil für die Bayern. Doch so klar wie die Buchmacher schätzt er die Lage nicht ein: Die Quote für eine Bayern-Meisterschaft liegt bei 1,10, für den Titelgewinn von RB bei 6,50.

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