Im Schutz der Dunkelheit versuchen viele Langfinger ihr Glück. (Symbolbild) Foto: dpa

Die dunkle Jahreszeit ist auch die Zeit der Einbrüche. Die Polizei erklärt, wie Sie sich vor Einbrüchen schützen können. Nicht alle Tipps kosten Geld - einige erfordern nur etwas Disziplin und Aufmerksamkeit.

Stuttgart/Waiblingen - Winterzeit ist Einbruchszeit. Das vergangene Jahr war da keine Ausnahme: Im Rems-Murr-Kreis beispielsweise wurden in den Monaten Januar, Februar, November und Dezember so viele Einbrüche verübt wie im ganzen restlichen Jahr. Die Dunkelheit schützt die Täter nicht nur davor, entdeckt zu werden, sondern bereits beim Auskundschaften möglicher Zielobjekte. "Wer jetzt abends durch ein Wohngebiet spaziert, kann leicht am Lichtschein erkennen, ob eine Wohnung verlassen ist oder ob jemand zuhause ist", stellt Tobias Tomaszewski, Sprecher der Stuttgarter Polizei, klar. Das mache den Herbst und den Winter für die Täter so attraktiv.

Insgesamt ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen: Waren es 2014 im Rems-Murr-Kreis noch rund 660 Enbrüche, ereigneten sich im vergangenen Jahr nur noch rund 370 solcher Fälle. Auch in anderen Landkreisen gibt es diesen Abwärtstrend: In Stuttgart etwa ist die Zahl der Einbrüche im Jahr 2016 um 30 Prozent gesunken.

Der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele, zuständig für den Rems-Murr-Kreis, glaubt, dass es sowohl die Bemühungen von Polizei und Politik waren, die die Rekordzahlen aus dem Jahr 2014 eingedämmt haben - aber auch, dass die Bürger immer bessere Vorsorge treffen. "Diesen Trend gilt es jetzt fortzusetzen", sagt Eisele.

Das Interesse an Vorträgen und Infoveranstaltungen zum Thema Einbruchsprävention ist seit Jahren riesig. Die Polizei bietet in vielen Landkreisen kostenlose Beratung von Wohnungseigentümern, Mietern und Bauherren an - und sind regelmäßig ausgebucht. Denn ein Schutz vor den ungebetenen Gästen möglich. Nicht alle Tipps, die die Polizei den Bürgern gibt, kosten Geld - einige erfordern nur etwas Disziplin und Aufmerksamkeit.

Tipp 1: Die richtige Tür muss es sein

Eine einbruchshemmende Haustür zeichnet sich unter anderem durch eine Mehrfachverriegelung aus. Wird der Schlüssel umgedreht, schließen sich bei solchen Türen nicht nur ein, sondern mehrere Riegel - "mindestens drei sollten es schon sein", erklärt Klaus Ebner. Er empfiehlt auch, darauf zu achten, dass der Beschlag von außen nicht abschraubbar ist. Eine sogenannte Bänder- oder Scharniersicherung verhindert außerdem, dass Täter eine Türe nach innen eindrücken können.

Besonderes Augenmerk sollten Bewohner von Mehrfamilienhäusern auf ihre Wohnungstüre legen: "Die Haustüren solcher Gebäude kann man vernachlässigen. Ein Einbrecher muss sich nur als Paketbote ausgeben, schon ist er im Haus." Daher gelte hier: Die Wohnungstür sollte so sicher sein wie eine Haustür. Bei Kellertüren, erklärt der Polizist, werde erschreckend oft gespart. "Dabei ist es einem Einbrecher egal, ob er zur Haustüre hereinkommt oder durch den Keller."

Einen weiteren Schwachpunkt bilden oft Türen zwischen Garage und Wohnhaus: Oft sind sie weniger sicher als eine Haustür, durch den Sichtschutz der Garage haben Einbrecher aber jede Menge Zeit, sie ungestört aufzubrechen. Solche Türen sollten nach Möglichkeit schon beim Neubau vermieden werden - Abhilfe kann auch ein einbruchshemmendes Garagentor schaffen.

Tipp 2: Doppelt hält besser

Wohnungs- und Haustüren sollten immer zweimal abgeschlossen werden. Es genügt nicht, die Tür einfach ins Schloss fallen zu lassen. Die Täter nutzen ein Brecheisen, um Türen aufzuhebeln. Zweimal abschließen heißt, dass der Schließriegel im Türrahmen ist - die Täter brauchen somit länger zum Aufbrechen. Auch Keller- und Speichertüren sollten immer verschlossen sein.

Tipp 3: Schwachstelle Terrassentür

Stellen Sie sicher, dass Ihre Terrassentüren und Fenster einbruchshemmend sind. Besonders in schlecht einsehbaren Winkeln an der Hausrückseite bieten sie Einbrechern oft eine günstige Möglichkeit, sich Zutritt zu verschaffen. "Besonders wichtig sind sogenannte Pilzkopf-Verriegelungen", erklärt Klaus Ebner. Diese Bauteile, die auch nachgerüstet werden können, verhindern, dass ein Eindringling die Türe einfach mit einem Schraubenzieher aufhebelt  - "bei einem Modell ohne Pilzkopf-Verriegelung braucht so etwas nur sechs bis acht Sekunden", so Ebner.

Tipp 4: Die Schlüsselfrage

Haustürschlüssel niemals außerhalb der Wohnung verstecken. So einfallsreich das Versteck auch sein mag: "Die Täter finden alles", erklärt Tobias Tomaszewski. Auch falls ein Tresor im Haus ist, ist der noch kein Garant für Sicherheit. Klaus Ebner vom Polizeipräsidium Aalen empfiehlt vor allem Modelle mit Zahlenschloss. "Denn einen Schlüssel muss man erst mal verstecken", sagt er. Und die Zuckerdose in der Küche sei dabei eine schlechte Wahl. Eine ältere Dame, die er beraten hat, hat ihm ihr Versteck verraten: "Sie hatte den Tresorschlüssel im Saum eines Vorhangs versteckt - das ist schon clever."

Tipp 5: Fremde ansprechen

Bevor Einbrecher zuschlagen, kundschaften sie häufig eine Gegend aus. Achten Sie daher bewusst auf fremde Menschen im Haus oder auf dem Grundstück - und sprechen Sie diese im Zweifelsfall direkt an. "Wenn ein Täter weiß, dass er bemerkt worden ist, wird er im Zweifelsfall weiterziehen", so Tomaszewski.

Tipp 6: Gekippte Fenster sind offene Fenster

Bevor Sie die Wohnung verlassen, sollten alle Fenster und Balkontüren geschlossen werden - selbst dann, wenn Sie nicht im Erdgeschoss wohnen. "In einem Fall ist ein Täter durch das gekippte Klofenster einer Wohnung im dritten Stock eingedrungen - er balancierte in etwa sieben Metern Höhe auf einem Fenstersims", berichtet der Beamte. Um ein gekipptes Fenster zu öffnen, genüge ein Stück Draht - für Profis ein Kinderspiel. Sogar auf Youtube gibt es Videos, in denen erklärt wird, wie sich gekippte Fenster öffnen lassen. Klaus Ebner erklärt: "Steigen Einbrecher durch ein gekipptes Fenster ein, zahlt die Versicherung nichts."

Tipp 7: Nicht die Mittel zum Einbruch liefern

Mülltonnen, Gartenmöbel, Leitern, Rankgerüste für Pflanzen oder Bäume, die nahe am Haus stehen - allesamt praktische Aufstiegshilfen, um auf einen Balkon oder ein höher gelegenes Fenster zu klettern. Um Einbrechern nicht noch die Mittel zum Zweck zu liefern, sollten diese weggeschlossen werden. "Sogar Fallrohre für Regenwasser können eine Aufstiegshilfe für Einbrecher sein", erklärt Klaus Ebner.

Tipp 8: Der Rolladen bleibt oben

Sehen Sie davon ab, die Rollläden zu schließen, wenn Sie zum Beispiel in den Urlaub fahren. Tagsüber heruntergelassene Rollos signalisieren jedem Einbrecher, dass Sie abwesend sind. Schutz gegen einen Einbruch bietet ein Rollladen ohnehin so gut wie nicht: "Die Schwachstelle ist die Schiene. Sie kann in weniger als einer Minute herausgehebelt werden", erklärt Klaus Ebner. Am besten sei es, Rollos elektrisch zu steuern - etwa auf Basis einer Zeitschaltuhr. "Vielleicht hilft auch ein Nachbar, die Rollläden hin und wieder rauf- und runterzulassen", so Ebner. Denn Einbrecher meiden Objekte, die belebt aussehen, denn "die Täter wollen grundsätzlich nicht mit den Bewohnern zusammentreffen", erklärt der Tobias Tomaszewski .

Tipp 9: Es werde Licht!

Eine dunkle Wohnung zeigt Einbrechern: Sie sind nicht zu Hause. Bringen Sie am besten Zeitschaltuhren an Lampen, Radio und TV-Gerät an, um vorzugaukeln, Sie seien zu Hause. "Eine brennende Nachttischlampe kann unter Umständen schon ausreichen, um einen Täter abzuschrecken", sagt Tobias Tomaszewski. Nicht zu viel versprechen sollten Sie sich dagegen von Lampen mit Bewegungsmeldern im Außenbereich. "Gerade Einbruchsopfern empfehle ich die nur selten", erklärt Klaus Ebner. "Sobald das Licht draußen angeht, und sei es nur wegen einer Katze, geht gleich der Adrenalinpegel hoch." Dabei brächten die Bewegungsmelder nur beschränkten Nutzen: "Auf ein angehendes Licht reagiert heute kaum mehr ein Nachbar. Die Zeiten, in denen nachts im Flecken alles dunkel war, sind vorbei. Unter Umständen ist ein Täter sogar froh, wenn er nicht mit der Taschenlampe hantieren muss", so Ebner.

Tipp 10: Gute Nachbarschaft

"Passen Sie gegenseitig aufeinander auf", fordert Tobias Tomaszewski. Aufmerksame Nachbarn seien manchmal effektiver als teure Sicherheitstechnik. Die Polizei empfiehlt deshalb, Nachbarn Bescheid zu geben, wenn man für längere Zeit verreist. Bieten Sie umgekehrt auch Ihre Hilfe an - vor allem älteren Menschen.

Tipp 11: Nicht den Helden spielen

Von Einbrechern geweckt zu werden – ein  Albtraum vieler Haus- und Wohnungsbesitzer oder -Mieter. Anfang November passierte dies einem Mann in Oppenweiler, der durch laute Geräusche wach geworden war und sich plötzlich zwei ungebetenen Gästen gegenüber sah. Doch wie kann man angemessen auf einen Einbruch reagieren? Der Polizeisprecher Manfred Bihlmaier rät, bei verdächtigen Wahrnehmungen die Polizei zu rufen. „Idealerweise möglichst schnell, aus einer ruhigen Ecke heraus.“ Ungewollte Begegnungen mit den Kriminellen wie im Fall von Oppenweiler könne es zwar geben. Bihlmaier warnt jedoch davor, gezielt die Konfrontation mit den Eindringlingen zu suchen: „In der Regel werden Einbrecher wahrscheinlich fliehen. Doch man sollte sich ihnen nicht in den Weg stellen, weil vorher nie klar ist, wie sie reagieren. Sie könnten aggressiv oder bewaffnet sein.“ Und im Gegensatz zu einem Einbruchsopfer hätten sich die Täter innerlich darauf vorbereitet, eine Straftat zu begehen. Auf keinen Fall sollten Einbruchsopfer sich daher in Gefahr begeben. Je schneller die Polizei vor Ort sei, desto größer sei auch die Chance, die Täter nicht nur zu vertreiben, sondern sie auch auf frischer Tat zu ertappen und ihnen damit das Hendwerk zu legen.

In Deutschland gibt es das Recht auf Notwehr, um zum Beispiel sein Leben, aber auch sein Eigentum zu verteidigen. Doch die rechtlichen Hürden für eine Notwehr sind recht hoch: Wer einen Einbrecher angeht, muss hinterher vor Gericht beweisen, dass er das mildeste mögliche Mittel angewandt hat, um eine Bedrohung abzuwenden. Auch beim Einsatz von Pfefferspray kann es zu einer Anklage kommen, denn es gilt als Waffe.

Tipp 12: Verbreitete Irrtümer

Im Zusammenhang mit Einbrüchen kursieren laut der Polizei Aalen einige falsche Vorstellungen – zum Beispiel, dass Einbrecher nur nachts zuschlagen würden. Doch ein Drittel der Taten ereignet sich tagsüber, zum Beispiel, wenn Hauseigentümer zur Arbeit gegangen oder in den Urlaub gefahren sind. Da sich in letzterem Fall die Tatzeit oft nicht genau bestimmen lässt, vermutet die Polizei, dass der Anteil der Einbrüche, die tagsüber verübt werden, sogar noch höher ist. Auch die Vorstellung „...bei uns ist eh nichts zu holen“, haben viele – doch Einbrecher sind nicht wählerisch. Und oft unternehmen sie regelrechte Touren mit mehr als einem Ziel. Eine Beute von wenigen hundert Euro pro Haus kann in der Summe einen lohnenden Tagessatz ergeben.

Tipp 13: Nicht übertreiben

Bei aller Vorsicht: Lassen Sie sich nicht verrückt machen. "Natürlich kann man auch anfangen, die Wohnräume zu vergittern - aber irgendwann beeinträchtigt der Einbruchsschutz die Lebensqualität. Und so weit sollte man es nicht kommen lassen", erklärt Klaus Ebner.

Wer in den eigenen vier Wänden kostenlos und individuell zum Thema Einbruchschutz beraten werden möchte, kann sich an die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in Stuttgart wenden: Telefonnummer 0711/8990-1230.

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