Fehlt ein extra Arbeitszimmer in der Wohnung, bieten Raum-in-Raum-Lösungen wie der „Alcove Plus Desk“ von Vitra Möglichkeiten zum Rückzug. Der touch-down-Arbeitsplatz ist visuell und akustisch abgeschirmt und daher fürs fokussierte Arbeiten perfekt. Foto: Vitra

Das Homeoffice wird zum „New Normal“. Zeit, die Trends und Newcomer für das heimische Büro genauer unter die Lupe zu nehmen. Von Mehrzweckmöbeln bis zu innovativen Raum-in-Raum-Lösungen: Mit diesen Möbeln gelingt produktives Arbeiten zu Hause, auch ohne eigenes Arbeitszimmer.

Stuttgart - Wie es aussieht, ist das Homeoffice gekommen, um zu bleiben. Denn sowohl Führungskräfte als auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlebten in den letzten eineinhalb Jahren, wie produktiv und effektiv mobiles Arbeiten sein kann.

Unternehmen wie Allianz, Daimler, Porsche oder Siemens planen daher, ihre Homeoffice-Programme weiter auszubauen. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW): In bestimmten, besonders gut dafür geeigneten Branchen gaben drei Viertel der befragten Unternehmen an, ihren Beschäftigten auch künftig das Arbeiten am heimischen Schreibtisch zu ermöglichen. Das bedeutet aber auch, dass wir entsprechendes Mobiliar und technisches Equipment auf Dauer in unsere privaten Räume integrieren müssen.

Wie sieht das Zuhause aus, in dem es sich effektiv arbeiten und entspannt wohnen lässt?

„Gerade vielen jungen Leuten fehlt in ihren Wohnungen ein extra Raum zum Arbeiten,“ erklärt Barbara Benz, Geschäftsführerin des Einrichtungsunternehmens architare. „In diesem Fall bieten sich neue Arbeitsmöbel an, die sich ins Ambiente einfügen und sich den unterschiedlichen Nutzungen anpassen. Dazu zählt der klassische Sekretär, der seine Funktion nur im aufgeklappten Zustand freigibt und ansonsten wie ein Sideboard oder ein Wandregal wirkt.“

Möglichkeiten zum Rückzug schaffen laut Benz innovative Raum-in-Raum-Lösungen wie zum Beispiel der „Alcove Plus Desk“ von Vitra. Der sogenannte „touch-down“-Arbeitsplatz ist visuell und akustisch mit hohen Paneelen abgeschirmt. So lässt es sich nicht nur im Open-Space-Büro, sondern auch im heimischen Wohnzimmer in Ruhe und fokussiert arbeiten.

Einen ganz neuen Möbeltypus für das Arbeiten zu Hause hat Nils Holger Moormann erdacht. „Vorstand“ heißt sein kleiner Büroraum zum Aufklappen. Das agile Möbel ist im geschlossenen Zustand ein unauffälliger Wandschrank, der sich mit nur wenigen Handgriffen zum vollwertigen Büro umfunktionieren lässt – inklusive dimmbarer Led-Beleuchtung und einem magnetisch ansteckbaren Vorhang zum Zuziehen.

„Aber auch viele, die über ein eigenes Arbeitszimmer verfügen, überdenken derzeit ihre Ausstattung fürs heimische Büro,“ berichtet Barbara Benz. Was kein Wunder sei. Denn vor der Pandemie wurde das Arbeitszimmer von vielen nur ab und an für den einen oder anderen Homeoffice-Tag genutzt. Ansonsten war Präsenzarbeit im Unternehmen angesagt. Arbeitet man aber die ganze Woche oder zwei bis drei Tage am Stück auf zu harten Stühlen, sind Rücken- und Nackenschmerzen die Folge. Was dagegen hilft? „Das wichtigste Möbel für jedes Office ist ein ergonomischer Bürostuhl, der nicht statisch, sondern beweglich ist,“ so Benz. „Selbstverständlich erfüllen Modelle von Highend-Marken wie Walter Knoll und Vitra heute neben der Ergonomie auch ästhetische Voraussetzungen.“ Als Beispiel führt die architare Geschäftsführerin den „Leadchair“ von Walter Knoll an. Er sei der perfekte Drehstuhl für den Schreibtisch, der gesundes Sitzen, hochwertige Handarbeit und zeitloses Design vereint.

Eine gute Beleuchtung hält uns wach und produktiv

„Viele unterschätzen aber auch, wie wichtig die richtige Beleuchtung ist, um produktiv zu sein,“ so Benz. Vor allem natürliches Licht trägt zu unserem Wohlbefinden bei und unterstützt unseren Rhythmus. Hersteller wie Occhio und Tobias Grau haben in den letzten Jahren jedoch Leuchten entwickelt, die dem natürlichen Licht so nahekommen, dass wir es mit dem Auge nicht mehr unterscheiden können. Und je nach Stimmung lassen sich Licht, Intensität und sogar die Lichtfarbe einfach mit einer Handbewegung steuern. Die neue Leuchte „Home“ von Tobias Grau, die speziell für die Arbeit im Homeoffice entworfen wurde, passt sich mithilfe von Sensoren sogar der Lichtintensität der Umgebung an und registriert, ob man gerade am Schreibtisch arbeitet oder nicht.

Brauchen wir das Unternehmen überhaupt noch als Arbeitsplatz? 

„Ja, auf jeden Fall“, meint Barbara Benz. „Denn auch wenn das Homeoffice neu ausgestattet wurde, so ersetzt es nicht die wichtige Funktion, die Unternehmen leisten.“ Hier würden ja nicht nur Aufträge abgearbeitet. Es werden Projekte besprochen, es findet ein fruchtbarer Austausch statt. Die Ausarbeitung könne dann im ruhigeren Homeoffice stattfinden – oder irgendwo anders. Daher würden voraussichtlich viele Unternehmen ihren Mitarbeitern in Zukunft zwar je nach Branchen und Firmenkultur an ein bis drei Tagen die Woche das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, jedoch nicht auf das Büro als Ort des Zusammenkommens verzichten. Für Unternehmen seien dann jedoch Räume wichtig, mit denen sich Mitarbeiter identifizieren und die Kommunikation und das kollaborative Arbeiten unterstützten.