Melanie Reichold erstellt für ihre Kunden ein Konzept, wie sie zu neuer Ordnung finden können – und hilft dann beim Ausmisten, Umräumen und Einsortieren. Foto: Caroline Holowiecki

Jetzt im Frühling wollen viele ihr Haus oder ihre Wohnung flottmachen. Wie gelingt das besten? Melanie Reichold, Ordnungscoach aus Degerloch, gibt Tipps

Der Frühling ist für viele Menschen die schönste Jahreszeit – und das, obwohl er in aller Regel eine der unangenehmsten und lästigsten Aufgaben mit sich bringt: den Frühjahrsputz. Jetzt, wo die Sonne wieder durch die dreckigen Fenster scheint und die staubigen Kommoden erleuchtet, habe viele das dringende Bedürfnis, das Haus oder die Wohnung flottzumachen. Und doch setzen viele den Wunsch nach Frische und Sauberkeit in den eigenen vier Wänden nicht in die Tat um.

 

Melanie Reichold weiß, warum viele aufgeben, bevor sie losgelegt haben: Sie verzweifeln am schieren Berg. „Alles rauszuräumen überfordert die Leute. Es wird ja auch erst mal schlimmer.“ Deswegen lautet die Prämisse der Degerlocherin: erst das Ordnen, dann das Putzen. Bevor man sich dem Abstauben oder Saugen widmen könne, müsse man erst Platz schaffen – und aufräumen. Denn herrsche beispielsweise in der Küche auf der Arbeitsplatte Chaos, komme man gar nicht erst auf die Idee, den Kühlschrank oder Schränke auszuputzen. „Sonst wischt man nur außenrum.“

Melanie Reichold ist zertifizierter Ordnungscoach

Mit Ordnung kennt Melanie Reichold sich aus. In der Pandemie hat sich die heute 39-Jährige ein zweites Standbein aufgebaut. Neben ihrem Teilzeitjob im Bereich Arbeitspolitik hilft sie Kundinnen und Kunden als zertifizierter Ordnungscoach. Sie erstellt nach einem Vor-Ort-Gespräch ein Konzept, wie deren Küche oder ein beliebiger anderer Raum zu neuer Ordnung finden kann – und hilft dann beim Ausmisten, Umräumen und Einsortieren. Auch Behältnisse wie Körbe, Boxen oder Schraubgläser kauft sie ein, die dann später im Schrank zum richtigen Durchblick verhelfen sollen. Dauerhaft. „Es ist dann leichter, die Ordnung wiederherzustellen“, sagt sie. Im Kern gehe es ihr um ein Umdenken – damit der neu gewonnene Platz nicht gleich wieder vollgestopft wird.

Ordnung ist in Melanie Reicholds Augen der halbe Frühjahrsputz. Eine Kiste im Regal ziehe man leichter zur Seite, um drunter Krümel zu beseitigen, als lauter kleine Tütchen und Döschen. „Wenn Sie keine Flächen haben, die zugestellt sind, wischen Sie schneller mal durch.“ So mache man es auch regelmäßiger und im Alltag einfach nebenbei. „Der Frühjahrsputz entfällt quasi“, sagt sie. Melanie Reichold bekennt: So richtig gern putzt auch sie nicht. Aber sie weiß, wie sie sich das Leben leichter machen kann. Wichtig seien eine gute Qualität bei den Reinigungsmitteln und Baumwoll- oder Mikrofasertücher, damit nichts zerkratzt. Auch die richtige Reihenfolge sei entscheidend. „Von oben nach unten und von trocken nach nass. So bin ich deutlich schneller und habe ein gutes Ergebnis“, sagt sie. Wer zudem stets die Dusche abziehe oder nach dem Händewaschen mit dem Handtuch über die Armaturen und das Waschbecken fahre, erspare sich das Schrubben von hartnäckigen Kalkflecken. „Kleine Routinen sind unglaublich effektiv.“ Für alle, die sich vor lauter Unordnung daheim gar nicht erst an den Frühjahrsputz wagen, hat sie noch einen Tipp: „Wichtig ist, in kleinen Schritten anzufangen, wenn man überfordert ist.“ Wie wäre es erst mal mit einer Schublade oder nur der Gästetoilette? Melanie Reichold sagt, dass kleine Erfolgserlebnisse motivieren. Auch eine Uhr zu stellen, könne helfen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lang man benötigt. „Ich merke dann, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist.“

Expertin: Die Reihenfolge ist beim Putzen entscheidend