Romeo Weiß übt sein Handwerk bereits in siebter Generation aus. Mit seinen Söhnen tourt er das ganze Jahr von der Pfalz aus durch Europa – und macht derzeit in Ludwigsburg Station.
Romeo Weiß hält die Schneide des großen Küchenmessers an die rasch rotierende Lamellenscheibe. Ein sirrendes Geräusch macht deutlich, dass das Messer auf die Scheibe trifft, das geschliffen und geschärft wird. Der 53-Jährige arbeitet ruhig, hält das Messer exakt in Position. Dann nimmt er es weg, betrachtet es prüfend, er lächelt zufrieden.
Scherenschleifer gibt es nicht mehr viele. Romeo Weiß aus Neustadt an der Weinstraße in der Pfalz führt seine „Schleiferei Weiß und Söhne“ als Familienbetrieb, der bereits seit 1846 existiert – mithin also schon über sieben Generationen. Zusammen mit seinen Söhnen Sergio und Maurice ist er ganzjährig auf Tour mit seinem Mercedes Sprinter, in dem er seine Ausrüstung transportiert. In ganz Deutschland, aber auch im Ausland, bis hin nach Spanien. „Gut 30.000 Kilometer fahre ich im Jahr,“ berichtet Weiß.
Dabei ist der Mann mit dem Gefühl für die richtige Schärfe keineswegs immer jeden Tag woanders. „Es kommt auf einen guten Stellplatz an und da bleiben wir dann ein paar Tage.“ So wie jetzt in Ludwigsburg vor dem Parkhaus des Kauflands in der Friedrichstraße. Andere aktuelle Ziele sind Backnang und Aalen. Ins Schwabenland kommt Weiß sehr gerne. Er lobt: „Die Schwaben sind gute Kunden. Die werfen das Material nicht gleich weg.“
Auch Gartengeräte werden geschliffen
Das Schöne an seinem Beruf ist für Weiß „der Kontakt mit den Leuten“. Wie hat er sein Handwerk gelernt? Sein Vater habe es ihm beigebracht. „Es wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.“ Was man allerdings benötige, sei Fingerspitzengefühl, vor allem für das Material, das er bearbeitet. Manchmal bekäme er Messer oder Scheren, bei denen er sagen müsse, dass die Substanz nicht gut sei. „Da rentiert sich das nicht mehr.“
Die Weiß-Familie schleift ein großes Spektrum – neben Messern und Scheren auch die Schneideteile von Gartengeräten, Rasenmähern, Heckenscheren. Romeo Weiß’ ungewöhnlichster Auftrag betraf ein echtes Samurai-Schwert. Das brachte ihm ein Sammler aus der Bodensee-Region. „Da habe ich eine Woche lang dran gearbeitet!“ Und dann für diese anspruchsvolle Arbeit lediglich 60 Euro berechnet. „Wissen Sie, ich habe mein Auskommen. Aber reich werden wir nicht.“ Immerhin erfordert dieses Handwerk regelmäßige Investitionen. Die Lamellenscheiben, die einen Anteil hart schleifender Diamanten enthalten, müssen oft erneuert werden, und eine solch Scheibe kostet rund 150 Euro.
Eine markante Veränderung der Nachfrage nach seinen Diensten registriert der Mann aus der Pfalz bislang nicht. Das mag auch daran liegen, dass seine mobile Schleifwerkstatt mittlerweile bekannt ist. „Wir haben Stammkunden, wenn wir in der Gegend sind, dann kommen die zu uns. Die wollen ihre Messer nur von uns geschliffen haben.“
„Messer nicht in die Spülmaschine“
Damit Messer möglichst lange scharf schneiden, gibt Romeo Weiß Ratschläge. „Die Messer nicht in die Spülmaschine, die hat Salz, das macht sie stumpf.“ Besser sei es, sie lauwarm mit der Hand zu spülen. Und für Scheren gelte, sie möglichst nicht nass werden zu lassen – sonst würden sie schneller rosten.
Jetzt vor den Weihnachtstagen bieten Weiß und Söhne ihre Dienste in Ludwigsburg an, und „natürlich schärfen wir auch Geflügelscheren, die braucht man jetzt doch“. Ihre mobile Werkstatt steht vor dem Kaufland in der Friedrichstraße in Ludwigburg, gleich links vor der Einfahrt in die große Parkgarage. Am Freitag, 19. Dezember, von 11 bis 17 Uhr, am Samstag, 20. Dezember, von 11 bis 15 Uhr. Und dann wieder am Montag und Dienstag, 22. und 23. Dezember, je von 11 bis 17 Uhr. Der Scherenschleifer ist auch telefonisch zu erreichen unter 0 15 77/29 94 23 8.