Im März und April fühlen sich viele Menschen schlapp und müde. Ein Grund sind die Hormone. Foto: dpa

Viele Menschen fühlen sich im Übergang zwischen Winter und Frühling müde und abgeschlagen. Was es mit der Frühjahrsmüdigkeit auf sich hat und welche Mittel jetzt wach machen.

Stuttgart - Während die Natur im Frühjahr zu neuem Leben erwacht und die Tage länger werden, haben viele Menschen mit Müdigkeit und Verstimmungen zu kämpfen. Warum ist das so und was hilft dagegen?

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Gibt es Frühjahrsmüdigkeit wirklich?

Die Frühjahrsmüdigkeit ist noch nicht eingehend wissenschaftlich erforscht, sagt Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart. Mehrere Faktoren spielten dabei zusammen. Die Ursache für eine allgemeinen Mattigkeit und Müdigkeit im März und April sehen Ärzte vor allem in der Anpassung des Organismus auf die Wetterveränderungen und die zunehmend länger werdenden Tage im Frühjahr. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten muss sich im Körper erst ein neues hormonelles Gleichgewicht einstellen. Schwindel, Kopfschmerz und Stimmungsschwankungen sind die Folge. „Im dunklen Winter produziert unser Körper beispielsweise mehr Melatonin, im Frühjahr ist die Konzentration des Schlafhormons im Blut noch immer sehr hoch“, sagt Lobmann.

Die erhöhte Sonneneinstrahlung kurble erst nach und nach die Produktion des sogenannten „Glückshormons“ Serotonin an, das wieder wacher und gute Laune macht. Bis die Produktion des Schlafhormons umgestellt ist und der Körper sich komplett an die neuen äußeren Bedingungen angepasst hat, dauere es aber zwei bis vier Wochen.

Warum fühlen sich viele jetzt antriebslos?

Parallel zum Anstieg des Melatoninspiegels im Winter wird die Körpertemperatur um wenige Zehntel Grad heruntergesetzt. Zugleich fallen die Serotoninspiegel signifikant ab, dies kann mit zu Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit führen. „Tageslichtlampen mit hoher Lux-Zahl können nützlich sein, die Serotoninspiegel lassen sich damit positiv verändern“, sagt Lobmann. Auch sollte man jetzt auf die Sonnenbrille verzichten, damit die Rezeptoren der Netzhaut die Helligkeit besser wahrnehmen und dabei helfen, dass die Melatoninproduktion gesenkt wird.

Neben der hormonellen Umstellung spielt auch der Blutdruck eine Rolle. „Wenn die Körpertemperatur im Frühjahr ansteigt, weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt, dadurch fühlt man sich müde“, sagt Utta Petzold, Medizinerin bei der Barmer Krankenkasse.

Welche Rolle spielt Vitamin D?

Besonders Vitamin D fällt in der kalten Jahreszeit ab. Auch das wirkt in das Gefühl von Antriebslosigkeit mit hinein. Bei älteren Menschen werde Vitamin D und Serotonin schneller reduziert, der Mangel ist dadurch stärker, so Mediziner Lobmann. Das Vitamin D werde durch Sonnenstrahlen erst aktiviert. „Deswegen wäre es im Winter und auch jetzt wichtig, mindestens 20 Minuten Sonneneinstrahlung abzubekommen, am besten mit freiem Gesicht und freien Armen.“ Vitamin D von Oktober bis Ostern ergänzend aufzunehmen, könne sinnvoll sein. Ob es einen medizinischen Vorteil hat, sei aber unklar. „Auf die Befindlichkeit hat es aber oftmals positiven Einfluss. Mehrere meiner Kollegen nehmen es in höherer Dosierung ganzjährig. Diese erzählen von einem positiven mentalen Effekt und dass sie weniger krank seien. Ich bin der Meinung, dass nur wenn ein Mangel vorliegt, man diesen ausgleichen sollte“, sagt Lobmann.

Was hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Man kann den Körper beim Wechsel von Winter- auf Frühlingsmodus unterstützen. „Wichtig ist, der Müdigkeit nicht nachzugeben und stattdessen aktiv zu werden“, meint Expertin Petzold. Sie rät zu regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft, Joggen und Radfahren. Arzt Lobmann empfiehlt, jetzt keinen Mittagsschlaf zu halten: „Denn im Schlaf wird die Melatoninproduktion wieder angeworfen.“ Kneipanwendungen, bei denen man etwa bei der morgendlichen Dusche den Duschkopf mit abwechselnd kaltem und warmem Wasserstrahl über Arme und Beine zum Herzen hin bewegt, könnten zudem helfen den Kreislauf wieder in Schwung bringen.

Unterstützend hilft eine leichte Kost. Statt Wurst und Fleisch mit deftigen Soßen sollten mehr Fisch, Obst und Gemüse auf den Tisch kommen, um den Körper nicht zusätzlich mit Verdauungsarbeit zu belasten. Auch Intervallfasten ist zu empfehlen, das bedeutet, man isst 16 Stunden lang nichts und acht Stunden ganz normal. „So kann der Stress für die Bauchspeicheldrüse reduziert werden, da sonst mit jedem kleinen Snack Insulin ausgeschüttet wird“, sagt Diabetologe Lobmann. Intervallfasten zeige messbare Effekte bei Menschen, die schon Diabetes haben, aber auch bei gesunden Menschen habe es einen positiven Effekt auf den Stoffwechsel, was bei der Gewichtsreduzierung helfen könne.

Was macht das Serotonin mit uns?

Das Hormon Serotonin kontrolliert den Appetit, steuert Müdigkeit und Wachheit, verändert die Schmerzempfindung, reguliert die Körpertemperatur und steuert zusammen mit den übrigen Neurotransmittern viele weitere lebenswichtige Funktionen. Serotonin wird als „Gute-Laune-Hormon“ bezeichnet. Je mehr Serotonin im Gehirn vorhanden ist, desto stärker ist das Gefühl von Ausgeglichenheit und Entspannung.

Die Anzeichen, dass der Serotoninspiegel zu niedrig ist, betreffen vor allem Nerven und Psyche. Symptome sind Depressionen, Verstimmungen, Schlafstörungen oder Heißhungerattacken.

Serotonin aus der Nahrung kann die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, anders als die Aminosäure Tryptophan. Damit Tryptophan als wichtiger Baustein des Serotonins ins Gehirn gelangen kann und für die Serotoninbildung zur Verfügung steht, kommt es auf das richtige Verhältnis von Nährstoffen an. Die Aminosäure selbst ist in eiweißreichen Lebensmitteln wie Käse, Quark, Geflügel, magerem Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchten enthalten.

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