Beim Umzug braucht es Muskelkraft – und zuvor eine gute Planung. Foto: Zentralbild

Wer einen Umzug plant, muss sich um vieles kümmern. Dabei geht mitunter auch so manches schief. Einige typische Stolperfallen lassen sich jedoch ganz einfach vermeiden. Wir haben die Tipps.

Stuttgart - Tagelang packt man seinen gesamten Hausstand in Pappkartons, dann schleppt man so schwer wie seit Jahren nicht – und danach kämpft man sich wochenlang durch Telefonwarteschleifen, weil das Internet nicht funktioniert oder die Möbel nicht geliefert werden. Irgendwann macht jeder einmal diesen Wahnsinn mit: Umziehen.

„Wir stellen jedes Jahr fest, dass zusätzlich zur Ferienzeit im Sommer auch viele Menschen im Januar nach einer neuen Wohnung suchen und einen Umzug planen“, sagt Joern Hagenguth. Als Experte für Umzug und Baufinanzierung bei der Wohnplattform Immobilienscout24 kennt er die Zahlen und typischen Stolperfallen eines Umzugs: Pro Jahr ziehen in Deutschland 4,8 Millionen Haushalte um, das entspricht knapp 8,5 Millionen Menschen. „Wir haben Menschen gebeten, in den Wochen vor ihrem Umzug ein Tagebuch zu führen und jeden Tag einzutragen, was sie an dem Tag organisiert haben. Dabei kam heraus, dass 82 Prozent der Personen sagten, sie hätten zu spät mit der Umzugsplanung angefangen“, sagt Hagenguth.

28 Prozent der Deutschen beauftragen Umzugsfirmen

Wer den Miet- oder Kaufvertrag für ein neues Zuhause unterschrieben hat, muss sich als allererstes die Frage stellen: Beauftrage ich ein Umzugsunternehmen oder stemme ich den Umzug mit Verwandten und Freunden? In Deutschland entscheiden sich knapp drei Viertel der Umziehenden für einen Do-It-Yourself-Umzug, 28 Prozent beauftragen eine Firma. Wer sich professionelle Hilfe holen will, sollte die Konditionen verschiedener Firmen vergleichen. „Erfahrungsgemäß ist es keine gute Idee, beim ersten Kontakt der Umzugsfirma mitzuteilen, dass man über Bekannte auf das Unternehmen aufmerksam wurde. Dann kann es ein, dass man Angebote erhält, die 20 bis 25 Prozent teurer sind“, meint Hagenguth.

Wer eine Umzugsfirma engagiert, spart Stress, muss aber Geld in die Hand nehmen: So kann man für einen Umzug einer vierköpfigen Familie innerhalb einer Stadt mit einer Rechnung von 800 bis 1200 Euro rechnen – nur für das Schleppen sowie Transportieren der Möbel und Kartons. Zieht die Familie etwa von Stuttgart nach München um, betragen die Kosten rund 2000 Euro. Wer nicht zwingend am Wochenende sowie am Monatsende oder Monatsanfang umziehen muss, kann etwas sparen: Umzüge in der Monatsmitte sowie an einem Montag oder Dienstag kosten rund 20 Prozent weniger.

Rechtzeitig um Internet und Telefon kümmern

Ein Umzug mit Bekannten und Verwandten sollte ebenfalls gut geplant sein: Ein grober Richtwert besagt: Für einen Umzug einer vierköpfigen Familie sollten mindestens vier oder fünf zusätzliche Erwachsene helfen. „Es kommt auch immer darauf an, ob man aus dem fünften Stock ohne Aufzug aus einem Hinterhof umzieht oder aus einer Wohnung im Erdgeschoss, wo man mit dem Transporter direkt vor der Tür parken kann“, sagt Hagenguth.

Unabhängig davon, ob man mit oder ohne professionelle Hilfe umzieht, gibt es einige Fallen, in die Umziehende immer wieder tappen. Viele Menschen organisieren etwa zu spät den Umzug ihres Telefon- und Internetanschlusses. „Nach einem Umzug muss man oft viele Dinge relativ schnell klären. Wenn man dafür kein Internet hat, wird es anstrengend“, sagt Hagenguth. Eine weitere Stolperfalle besteht darin, dass Umziehende unterschätzen, wie lange die Lieferfristen bei neuen Möbelstücken sein können. So sind Wartezeiten von drei bis vier Monaten für ein neues Sofa nicht unüblich. Innerhalb von Großstädten wie Stuttgart sollten Umziehende daran denken, rechtzeitig Halteverbotszonen zu beantragen für den Tag des Umzugs. Dazu braucht es eine Genehmigung der Stadt (Kostenpunkt: etwa 30 Euro plus das Leihen und Aufstellen der Schilder). „Wer dabei sparen will und beispielsweise Stühle aufstellt und eine Leine spannt, spart an der falschen Stelle“, sagt Hagenguth. Das selbstständige Sperren ist nicht erlaubt, Polizei oder Ordnungsamt können in einem solchen Fall Bußgelder verhängen. Außerdem dürfen Parkplatzsuchende Hindernisse wie Stühle oder Kartons wegräumen und an der Stelle parken.

Umzugskosten von der Steuer absetzen

Was viele Umziehende nicht wissen, ist unterdessen, dass sie an anderer Stelle sparen können: Umzugskosten können von der Steuer abgesetzt werden. Wer umzieht, weil er einen neuen Job in einer neuen Stadt antritt, kann unter anderem Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen, Maklergebühren oder doppelte Mietzahlungen absetzen. Für Kosten wie das Umschreiben des Personalausweises, das Ändernlassen von Vorhängen sowie Trinkgelder oder Verpflegung für Umzugshelfer gibt es einen Pauschalbetrag: Für ledige Menschen sind das derzeit 764 Euro, für Verheiratete oder Alleinerziehende 1528 Euro. Wer aus privaten Grünen umzieht, kann immerhin 20 Prozent der Personalkosten für den Umzug absetzen– vorausgesetzt man hat die Rechnungen aufbewahrt.

Generell ist eine gute Planung das Wichtigste: „Stress, den ein Umzug erzeugt, hängt mit der fehlenden Routine zusammen. Weil die meisten Menschen nicht allzu oft umziehen, geht nicht alles glatt“, sagt der Umzugsprofi Hagenguth. Umso wichtiger sei es, so weit wie möglich im Voraus zu planen. Dann kann selbst ein Umzugstag zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis werden, das ein kleines bisschen Spaß bereiten kann.

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