Huskys haben offenbar ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Menschen. Foto: dpa/Jens Kalaene

Ständig nervöse Hundehalter stecken ihre Tiere mit ihrer Unruhe an. Das haben schwedische Zoologen herausgefunden. Doch nicht alle Rassen sind gleich beeinflussbar. Eine ist sogar besonders stressfest.

Stockholm - Was man schon von Straßenbeobachtungen kennt: Oft sind sich Hunde und ihre Halter verblüffend ähnlich. Gepflegte, sportliche Herrchen und Frauchen haben oft entsprechende Vierbeiner. Genauso ähneln übergewichtige, verstrubbelte Vierbeiner oft ihren Besitzern. Laut einer jetzt veröffentlichten Studie der schwedischen Universität Linköping geht die Ähnlichkeit zwischen Hundehaltern und ihren Tieren weit über das Äußerliche hinaus – bis tief in die Psyche.

 

Hundebesitzer, die an ständigem Stress leiden, stecken ihre Hunde damit an. Und manche Rassen sind anfälliger als andere, lautet das wichtigste Ergebnis der Studie.

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Um das Stressniveau von Hundehaltern und ihren Hunden zu messen, wurden regelmäßig Haarproben von beiden Spezies entnommen. Im Haar kann der Stresspegel rückwirkend über mehrere Monate an der Ablagerung des Hormons Kortisol gemessen werden.

Besonders stressanfällig sind Hütehunde

Die Wissenschaftler untersuchten dabei drei unterschiedliche Hunderassen. Die eine bestand aus Hütehunden, wie etwa Border Collies und Schäferhunden. Hütehunde wurden ursprünglich von Hirten zum Hüten von Nutztieren wie Schafen eingesetzt. Die zweite Sorte bestand aus Jagdhunden und die dritte Gruppe aus Hunden, die vom sibirischen Husky abstammen.

Die deutlichen Unterschiede bei der Stressansteckung der Hundearten durch ihre Besitzer verblüfften die Forscher. „Vor allem die Hütehunde waren besonders auffällig. Sie wurden viel mehr vom Stress ihrer Besitzer und auch deren Persönlichkeit im Allgemeinen beeinflusst, als die beiden anderen Sorten“, fasst Studienleiterin Lina Roth, Assistenzprofessorin für Zoologie, zusammen. Je „wilder“ die Rasse, desto ruhiger blieben die Vierbeiner, trotz ihrer nervösen Herrchen oder Frauchen.

Jagdhunde liegen bei der Sensibilität in der Mitte

Huskys zeigten sich besonders entspannt. Ihnen machte die Nervosität, die ständige Unruhe ihrer Besitzer gar nichts aus. Das zeigten die Haarproben der Tiere mit sehr wenig oder keinem Kortisolgehalt im Vergleich zum sehr hohen Kortisolgehalt im Haar der Hundebesitzer. Warum ist das so?

Gerade Hütehunde seien für eine sehr enge Zusammenarbeit mit ihren Herrchen gezüchtet worden, erklärt Zoologin Roth. Deshalb sei es nachzuvollziehen, dass sie die Gefühle ihrer Besitzer besonders schnell und deutlich aufnehmen und dementsprechend in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Jagdhunde liegen in der Mitte bei ihrer Feinfühligkeit dem Menschen gegenüber: Sie wurden zum einen zur selbstständigen Jagd gezüchtet. Sie sollen das Wild in Richtung Jäger treiben. Zum anderen aber müssen sie Befehlen strikt Folge leisten.

Vermutlich sollten also Menschen, die ständig gestresst und nervös sind, zumindest laut dieser Studie, erwägen, sich einen Hund von „wilderer“ Abstammung anzuschaffen. Es sei denn, Herrchen oder Frauchen wünscht sich ausdrücklich einen vierbeinigen Leidensgenossen.

Spielt es eine Rolle, ob man in der Stadt lebt?

Zudem fanden die Wissenschaftler noch etwas Erstaunliches heraus: Die Beziehung zwischen Hund und Besitzer ist fast gänzlich ausschlaggebend dafür, wie gestresst die Vierbeiner werden. „Überraschenderweise haben andere Faktoren, wie etwa die Wohnumgebung oder die Familienkonstellation im Haushalt des Hundes dessen Stressniveau überhaupt nicht tangiert“, sagt die Zoologin Roth.

Es spielte keine Rolle, ob die Hunde in einer Stadtwohnung lebten, ob sie häufig in Hundeauslaufgebieten Zeit verbrachten oder in einem Haus mit Garten auf dem Lande. Für das Stressniveau sei einzig die Beziehung zum Herrchen ausschlaggebend, ergibt die Studie.