Sneakers sind schon seit Jahren angesagt – hier ein Modell gesehen auf der Fashion Week in Berlin. Foto: dpa

Sneaker sind mehr als trendige Hüllen für die Füße. Für exklusive Exemplare hat sich ein Sammlermarkt entwickelt, die Preise klettern in astronomische Höhen. Wir sagen, was man dabei wissen muss.

Stuttgart - Mit 16 Jahren zur ersten Million: Der US-Amerikaner Benjamin Kapelushnik hat es vorgemacht. Zu seinem Reichtum hat dem jungen Mann dabei seine Leidenschaft für Schuhe verholfen – genauer gesagt Sneaker, die weltweit zum Investmenttrend avanciert sind und sich zu einem Sammler- und Statusobjekt gemausert haben. Sie werden mitunter wie Wertpapiere in Online-Börsen gehandelt und sorgen für irrwitzige Warteschlangen vor Schuhgeschäften und Server-Abstürze in Online-Shops. Für besonders begehrte Exemplare legen die als „Sneakerheads“ bezeichneten Schuhsammler auch schon mal fünfstellige Beträge auf den Tisch.

Wer sein Erspartes gewinnbringend investieren möchte, denkt in der Regel an Anlagen wie Investmentfonds, Aktien oder Immobilien. Doch alternative Investments wie wertvolle Weine oder Oldtimer erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In diese Kategorie fallen auch die teuren Treter, an denen sich nicht nur die Fans und Sammler eine goldene Nase verdienen. Der Hype wird kräftig von den Herstellern – vor allem Nike und Adidas – befeuert, die das Angebot knapp halten und immer wieder neue Spezialeditionen auf den Markt bringen. Denn sie wissen, dass die Schlangen vor den Schuhgeschäften auf die Marke insgesamt abfärben und auch auf dem Massenmarkt für gute Verkaufszahlen sorgen.

Die Käufer hegen die Hoffnung, einen limitierten Schuh ihrer Sammlung hinzuzufügen

Ein Beispiel dafür wie das funktionieren kann, ist der Schuh Sean Wotherspoon - Air Max 1/97 von Nike. An dem Schuh arbeiteten zwölf Kreativköpfe, die ein Modell entwerfen sollten, das für Nike zukunftsweisend ist. Das Publikum stimmte anschließend darüber ab, welcher der Entwürfe tatsächlich umgesetzt werden sollte. Für knapp 160 Euro gingen die Sneaker in limitierter Stückzahl online und im stationären Handel in den Verkauf – sie waren binnen kürzester Zeit ausverkauft. Die ,,Special Editions‘‘ der Hersteller setzen starke Kaufanreize für die echten Sneakerfans. Sie greifen in der Hoffnung zu, einen limitierten Schuh ihrer Sammlung hinzuzufügen.

Doch für viele geht es um mehr als um eine reine Sammlerleidenschaft: Welche Preissprünge möglich sind, zeigt etwa der im Jahr 2017 erschienene Schuh mit dem Namen Off-White x Air Jordan 1. Die Kollektionen mit Off-White und Nike gehören zu den beliebtesten neuen Sneakern. Nach weniger als zwei Jahren stieg der Wert des Sneakers um mehr als das zwanzigfache. Aber auch der Nike Air Mag Back to the Future aus dem Jahre 2016 – er erschien anlässlich des Jubiläums des Kinofilms „Zurück in die Zukunft“ – wird derzeit auf Verkaufsplattformen mit knapp 24 000 Euro taxiert. Die Preise variieren dabei ja nach Größe des jeweiligen Sneakers – je kleiner die Größen für die Erwachsenenschuhe, desto höher oft der Preis.

Gehandelt wird auch auf eBay, Facebook und Instagram

Gehandelt werden die wertvollen Sneakers auf spezialisierten Online-Marktplätzen wie etwa StockX. Diese Handelsplattform sorgt dafür, dass die Preise für Interessenten transparent sind, zugleich lässt sich der Sammlerwert eines Schuhs ablesen.

Auch bei eBay sowie in spezialisierten Facebook-Gruppen und auf Instagram werden Sneaker mitunter gehandelt. Grundsätzlich gilt dabei wie für alle anderen Sammelobjekte auch, dass sie immer nur so viel Wert sind, wie jemand anderes dafür zu zahlen bereit ist. „Wer schnell und unüberlegt verkauft oder ungenügend Wissen über das Marktgeschehen besitzt, zahlt normalerweise drauf“, warnt Thomas Schmidtkonz, Sammelexperte und Herausgeber des Onlineportals Sammler.com. „Die höchsten Preise erzielt der Verkäufer, der den aktuellen Wert kennt und der einen anderen Interessenten im Direktverkauf dazu findet.“

Und wenn der Boom um die Sneaker endet?

Die Gefahr, dass der Boom plötzlich endet und Sneaker rapide an Wert verlieren, sehen Experten derzeit nicht. Zumindest solange die Hersteller den Markt weiter mit limitierten Modellen versorgen und den Hype so immer wieder neu anfachen. Dennoch sollte man vorsichtig sein und nicht blindlings drauflos kaufen, rät Finanzexpertin Seidel. „Der alternative Investmentbereich ist für Anleger interessant, die bereits ein gutes Fundament im klassischen Vermögensaufbau haben.“ Ein Finanzpolster aus genügend Liquidität und anderen Vermögenswerten sollte also vorhanden sein, bevor man in Sneaker investiert. „Zudem sollte hier nur Geld investiert werden, dessen Verlust man auch verkraften kann, ohne ernstlich finanziell in Schwierigkeiten zu geraten“, sagt Seidel.

Und dann sollte man natürlich auch Spaß am Investmentobjekt selbst haben. Wer sich überhaupt nicht für Sneaker interessiert und bloß auf den schnellen Gewinn aus ist, sollte sich eher nach klassischen Formen der Geldanlage umschauen. Es sei wichtig, „sich mit dem Investment-Markt intensiv zu beschäftigen“, sagt die Finanzexpertin Seidel. „Gerade solche Spezialmärkte haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten.“

Wenn der Hype doch irgendwann vorbei ist und die Preise fallen, bleibt wie bei allen Sachwerten zumindest der emotionale Wert erhalten – und der praktische Nutzen. Einen Turnschuh kann man schließlich auch einfach anziehen.

Praktische Tipps für künftige Sammler

Sneaker-Magazine und -Blogs, etwa das „Overkill Blog“, das „Deadstock Sneaker Blog“ und das Onlinemagazin Sneakerlover.de, geben Auskunft über die Beliebtheit unterschiedlicher Marken und Modelle sowie aktuelle Releases.
Ob im Store oder online: Zu wissen, wie ein Release funktioniert – also über welche Kanäle die Schuhe wann angeboten werden, ob man sich dafür vorab registrieren muss und wie dann der eigentlich Kauf abläuft – hilft dabei, sich die begehrtesten Modelle zu sichern.

Auf Portalen wie StockX oder Klekt kann man sich über die Preisentwicklung informieren. Auch die Sneaker-Suchmaschine Everysize.de ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Beim Kauf und Verkauf der Sneaker sind Geschick und auch Glück gefragt, um zum kleinen Preis zu kaufen und teuer wieder zu verkaufen. Wer stets gut informiert ist, hat einen Wettbewerbsvorteil.

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