Typische Körperhaltung bei Erwachsenen und zunehmend auch Kindern: Kopf nach unten, Smartphone vorm Gesicht Foto: Caftor/Shutterstock.com

Das menschliche Auge ist nicht dafür vorgesehen, stundenlang auf Bildschirme zu starren. Doch Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit an Smartphone & Co. Aktuelle Studien warnen vor den Folgen - doch kleine Tipps helfen, die Augen zu entlasten.

Aus dem Büroalltag vieler Erwachsener sind Augen- und Sehbeschwerden bekannt. Sie werden unter dem Begriff Computer Vision Syndrome (CVS) zusammengefasst. Durch die ständige Fixierung des Bildschirms in gleicher Richtung und Entfernung kommt es zu einer Überanstrengung der Augenmuskulatur. Die Folge: Das Sehen wird unscharf, die Augen trocknen aus und fühlen sich gereizt an.

Dem Auge fehlt vor allem natürliches Licht

Insbesondere Smartphones werden durch die sehr kleinen Buchstaben, Bilder und Icons oft augenschädlich nah verwendet. Zudem sind Smartphones besonders bei Kindern und Jugendlichen meist im Dauerbetrieb. Dadurch sind sie besonders gefährdet, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln. Wird das Auge zu selten natürlichem Licht ausgesetzt oder zu oft auf Nahsicht fokussiert, kann eine Überlänge des Augapfels entstehen. Diese führt dann zur Kurzsichtigkeit (Myopathie).

Welches Ausmaß die Dauernutzung von Smartphones annehmen kann, ist in Asien zu beobachten: Innerhalb weniger Jahrzehnte ist die Zahl der Kurzsichtigen in Ländern wie Südkorea, China und Taiwan stark angestiegen. Bei Untersuchungen in Südkorea wurde festgestellt, dass mehr als 96% aller 19-Jährigen mindestens minus 0,5 Dioptrien hatten. Bereits jeder Fünfte war mit mindestens minus sechs Dioptrien schwer kurzsichtig. Deshalb ist es in Taiwan seit 2012 Pflicht, dass Schulkinder jeden Tag zwei Stunden ins Freie müssen. Diese Maßnahme zeigt Erfolg, denn dort sank innerhalb von drei Jahren die Rate der kurzsichtigen Erstklässler von 50% auf 45%.

Studie zeigt: Ein Drittel der Jugendlichen hat Beschwerden

Auch in Deutschland leiden unter 18-Jährige besonders häufig an Problemen, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Smartphones & Co. stehen, wie eine repräsentative Studie von Apollo jetzt zeigt. Über ein Drittel (34%) der Jugendlichen klagt über körperliche Beschwerden, wie Verspannungen, Nacken- und Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Davon haben bereits 28% Schwierigkeiten mit den Augen. Interne Verkaufszahlen der Optiker-Kette bestätigen die Ergebnisse der Studie: Seit Einführung des ersten Smartphones von Apple im Jahr 2007 stieg die Zahl verkaufter Brillen an Kinder und Jugendliche um 50%.

Dabei lässt sich auch das Smartphone mit ein paar ganz einfachen Tipps für die Augen smart nutzen: Die Leseentfernung sollte nicht weniger als 30 bis 40 Zentimeter betragen. Es ist wichtig, regelmäßige Pausen einzulegen. Am besten alle zehn Minuten sollte der Blick vom Bildschirm weggelenkt werden, wie der Augenmediziner Prof. Dr. Wolf Lagrèze vom Universitätsklinikum Freiburg rät. Dabei hilft es schon, mindestens 20 Sekunden aus dem Fenster zu schauen und weiter entfernte Punkte anzuvisieren.

Tipps für entspannte Augen

Gerne kann auch immer wieder zwischen Fern- und Nahsicht umgeschaltet werden, da dies den Augenmuskel entspannt. Ebenso ist häufiges Zwinkern wichtig, um die Augen ausreichend zu befeuchten. Müssen längere Texte gelesen werden, sollte unbedingt ein größerer Bildschirm verwendet werden.

Digitale Geräte sollten nur bei ausreichender Beleuchtung genutzt werden, empfiehlt Julia Kempe von Apollo - denn das künstliche Licht in einer dunklen Umgebung kann das Wachstum des Augapfels dauerhaft beeinträchtigen. Besonders wichtig: Kinder sollten möglichst viel Zeit, aber mindestens zwei Stunden, bei Tageslicht im Freien verbringen, so Kempe weiter. Denn Tageslicht hilft dem Auge, sich gegen Kurzsichtigkeit zu wappnen. Um Probleme frühzeitig zu erkennen, ist es sinnvoll, Kinderaugen regelmäßig beim Augenarzt überprüfen zu lassen. Nur so können Sehprobleme frühzeitig festgestellt und vom Optiker korrigiert werden.

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