Der Garten als Winterquartier: Etwas Unordnung sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis von Nützlingen und Schädlingen. Ein paar Regeln gilt es aber zu beachten.
Was im Haus der Frühjahrsputz ist, das ist im Herbst für viele das große Aufräumen im Garten. Stauden werden dann bodeneben abgeschnitten, Gehölze eingekürzt, welke Blätter zusammengekehrt und in die Biotonne gestopft. Danach sieht der Garten bis zum neuen Austrieb im Frühjahr sauber und ordentlich aus.
Aber zu viel Ehrgeiz beim Großreinemachen in der Botanik ist keine wirklich gute Idee. Denn etwas Unordnung im Garten sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis von Nützlingen und Schädlingen.
Igel sind fleißige Insektenfresser
Generell gilt: Je größer die Vielfalt an Pflanzen und Tieren im Garten ist, desto besser pendelt sich ein natürliches Gleichgewicht ein. Im Idealfall kann dann sogar gänzlich auf Pestizide zur Schädlingsbekämpfung verzichtet werden.
Jeder weiß, dass Igel fleißige Insektenfresser sind und auch gern mal eine fette Schnecke schnappen. Eidechsen, Blindschleichen und Erdkröten ernähren sich ebenfalls von Insekten und kleinen Schnecken. Und Singvögel wie Rotkehlchen oder Zaunkönige sind stets auf der Jagd nach lästigen Fliegen und Mücken. Die vielen kleineren Helfer im Garten dagegen fallen meist nicht besonders auf und werden oft übersehen. Dabei sind Lauf-, Raub- und Marienkäfer, Schweb- und Florfliegen sowie Raubwanzen und Schlupfwespen ebenso nützlich bei der Dezimierung von Blattläusen und anderen Schädlingen.
Garten besser nicht besenrein aufräumen
Und obwohl Spinnen nicht gerade zu den größten Sympathieträgern zählen, braucht die Natur sie, damit Insekten sich nicht explosionsartig vermehren.
Damit sich ein natürliches Gleichgewicht im Garten einstellt und auch erhalten bleibt, benötigen die Kleintiere und ihre Überwinterungsformen, etwa Larven oder Puppen, geschützte Rückzugsräume. Die gibt es aber nur, wenn der Garten im Herbst nicht besenrein aufgeräumt wird. Mit anderen Worten: Tiere lieben faule Gärtner!
Holz- und Steinhaufen, Rindenritzen, Mauerspalten, Mause- oder Erdlöcher sowie Baumhöhlen sind natürliche Rückzugsräume für Tiere im Garten. Attraktive Winterquartiere für Nützlinge können aber auch aktiv geschaffen werden. Da gibt es beispielsweise die trendigen Nützlingshotels Marke Eigenbau. Es gibt sie aber auch fix und fertig im Gartenfachhandel zu kaufen.
Preiswerter und einfacher ist etwas Gelassenheit beim Gärtnern – und manchmal sogar das Nichtstun. Das hilft vielen nützlichen Kleintieren über die Wintermonate. So kann etwa Falllaub entweder einfach auf den Beeten verbleiben oder, wenn es stört, unter Sträucher und Hecken gekehrt werden. Unter dem welken Laub bleibt es feucht und es wird dort nicht so kalt – ideal etwa für Laufkäfer, Asseln und Spinnen. Im Frühjahr ist das Laub verrottet und kann in den Boden eingearbeitet werden. Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt: Der Boden wird dabei mit Humus angereichert.
Im Winter mit Raureif überzuckert
Die Fruchtstände von Stauden und Einjährigen, etwa Fetthenne, Astern, Brandkraut oder Sonnenblumen, dienen unter anderem Vögeln wie Stieglitzen als Nahrung. Die hohlen Staudenstängel sind zudem begehrte Überwinterungsorte für Insekten und Spinnen. Aber nur, wenn die welken Stiele nicht schon im Herbst abgeschnitten wurden. Mit Raureif überzuckert oder einem Schneehäubchen sind die Relikte des Sommers übrigens eine schöne Gartendekoration. Außerdem erinnern sie daran, wo genau eine Staude im Beet schlummert, sodass sie nicht versehentlich Opfer eines beherzten Spatenstichs wird.
Im Herbst anfallendes Schnittgut von Gehölzen kann den Winter über aufgeschichtet liegen bleiben und bietet so einen Rückzugsort für Igel, Kröten und Blindschleichen. Das Entsorgen hat Zeit bis zum nächsten Frühjahr. Ähnlich nützlich sind dauerhaft in einer Gartenecke verbleibende Totholzhaufen, die langsam vor sich hin rotten dürfen. Hier finden Moose, Pilze, nützliche Mikroorganismen und Kleinlebewesen eine Heimat. Wo es keine natürlichen Steinhaufen als Winterversteck gibt, können einfache Trockenmauern ein dekorativer Ersatz sein. Zwischen und unter den Steinen finden Kröten, Eidechsen, Spinnen und Insekten für sie attraktive, kühl-feuchte Winterquartiere. Fast ebenso anziehend für die Tiere sind zu Stapeln aufgeschichtete alte Dachziegel.
Katzensichere Futterstellen
Früchte von Ziergehölzen wie Schneeball, Eberesche, Efeu, Weißdorn oder Wildrosen werden im Lauf des Winters von Vögeln als willkommenes Futter gern „abgeerntet“. Die gefiederten Freunde können zusätzlich durch Futterstellen angelockt und im Garten gehalten werden. Futtermischungen aus Sämereien wie Sonnenblumenkerne, Hanf und Hirse sollten dabei durch fettreiche Nahrung wie Meisenknödel und Erdnüsse ergänzt werden. Schrumpeläpfel werden auch gern angenommen. Die Futterstellen müssen aber unbedingt katzensicher platziert werden. Das Gleiche gilt für Nistkästen, in die sich Zaunkönige, Meisen, Insekten und manchmal sogar Siebenschläfer zurückziehen.
Um die Wintergäste nicht zu stören, sollten Nistkästen daher erst im Frühjahr gereinigt werden. Viele der vorgestellten Maßnahmen sind also ganz einfach und dennoch effektiv, damit sich mit der Zeit ein natürliches Gleichgewicht im Garten einstellen kann.