Nach einer Umfrage der Beratungsfirma Almondia lag jedes zehnte neue Eigenheim am Ende um bis zu 30 Prozent über Plan. Bei jedem vierten Neubau verspätet sich der Einzug um mindestens drei Monate. Was Bauherren beachten sollten.
Stuttgart – Wir zeigen häufige Fehler auf, die Verzögerungen und höhere Kosten verursachen.
Erschließung unterschätzt
Bevor es mit dem eigentlichen Bau losgeht, muss der Bauplatz verkehrsmäßig und technisch erschlossen werden. Mit der verkehrsmäßigen Anbindung wird erreicht, dass jedes Baugrundstück eine geeignete Zufahrt besitzt. Zur technischen Erschließung gehören die Strom-, Gas- und Fernwärmeleitungen, Leitungen zur Trinkwasserversorgung, Abwasserleitungen sowie Kommunikationsleitungen für Fernsehen und Telefon. Der technische, organisatorische und zeitliche Aufwand der Erschließung ist sehr groß und kostet oft mehrere Tausend Euro. Wichtig: Bauherren sollten diese Maßnahmen und Ausgaben genau planen. Nicht selten sind sie der Grund für Finanzierungslücken.
Der Trend zu immer größeren Wohnungen und mehr Quadratmetern pro Person führt dazu, dass Budgets häufig überschritten werden. Der Verband privater Bauherren (VPB) rät deshalb Häuslebauern, bei der Größe ihres Eigenheims unbedingt Maß zu halten. Wird die Wohnfläche pro Person von 45 auf 30 Quadratmeter gesenkt, spart das rund 15 Prozent der Energie und Treibhausgase, die beim Bau und bei den Baumaterialherstellern entstehen. Dadurch fallen auch die Baukosten deutlich niedriger aus.
„Bauprojekte folgen häufig einem sehr engen Zeitplan“, sagt Evi Hartmann, Professorin an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Selbst kleine Verzögerungen führen oft zu einem Dominoeffekt.“ Die Folge: Immer mehr Arbeiten am Haus verschieben sich nach hinten. Lässt zum Beispiel der Estrichleger einen Termin platzen, kann der Fliesenleger noch nicht beginnen, den Boden zu fliesen.
Zudem steigt das Risiko von Bauunterbrechungen wegen kalter oder nasser Witterung. Das ist umso wahrscheinlicher, je länger sich ein Bauprojekt wegen Verzögerungen nach hinten verschiebt. Bestimmte Arbeiten erfordern Mindesttemperaturen und müssen vor dem nächsten Schritt getrocknet sein. „Kommt noch ein sehr kalter Winter dazu, können bestimmte Arbeiten erst gar nicht ausgeführt werden“, erläutert die Expertin Hartmann.
Verzögerungen oder schon überzogene Budgets bereiten Bauherren viel Stress und belasten zudem das Familienleben. Bei der Almondia-Studie gaben 40 Prozent der Befragten an, dass ihnen Finanzierungsprobleme aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bekannt seien. Gut ein Drittel hatte Stress innerhalb der Bauherren-Familien erlebt, zwölf Prozent bekamen sogar berufliche Probleme. Dadurch konnte sich der ursprüngliche Zeitplan noch mehr in die Länge ziehen, was für die meisten Bauherren mit höheren Kosten verbunden war. „Mit einer durchdachten Planung, professioneller Kalkulation und realistischem Zeitplan lassen sich viele Stolpersteine schon vorher aus dem Weg räumen“, rät Almondia-Geschäftsführer Gordian Rättich. Bauherren sollten schon in der Planung versuchen, mit den Ausgaben unter der Budgetobergrenze zu bleiben, um einen Spielraum für steigende Kosten zu schaffen.
Strenge Bauvorgaben, aufwendige Techniken und Zeitdruck setzen Handwerker unter Druck. Deshalb werden beim Hausbau oft Fehler gemacht. Doch für Laien ist nicht jeder Mangel sofort erkennbar. Der Bauherren-Schutzbund rät deshalb zu einer fachkundigen Prüfung und kurzfristigen Mängelbeseitigung. Sonst kann daraus ein richtig teurer Schaden entstehen. Beispiel: Die Mängelbeseitigung bei einer fehlerhaften Wärmedämmung beträgt im Durchschnitt 2000 Euro. So schützt sich der Bauherr aber vor Schäden von mehr als 40 000 Euro. Hat der Handwerker mangelhaft gearbeitet, muss er den Schaden in der Regel kostenlos beheben.
Fertighausbau unterschätztDer Fertighausbau boomt. In Baden-Württemberg ging 2017 fast jede dritte Baugenehmigung an ein solches Projekt. Fertighäuser gelten als günstiger und schneller als konventionelle Steinhäuser. Und der Leistungsumfang kann beim Fertighausbau individuell vereinbart werden. Doch hier liegt ein Problem: Während ein Standard-Fertighaus günstiger ist als ein Steinbau, gilt das für die selber ausgesuchte Variante oft nicht. Zudem sind in den Katalogangeboten viele Preistreiber nicht eingerechnet, die das Haus jedoch unbedingt braucht, zum Beispiel eine Bodenplatte oder die Hausanschlüsse. Viele Fertighauskäufer bedenken auch nicht, dass sie zum Bauherren werden – mit allen damit verbundenen Verpflichtungen.