Spiegelwände an drei Seiten – dieses Tiny house in der Weinstädter Schau hat Naturschützer zur Kritik veranlasst. Sie befürchteten, das sei eine Todesfalle für Vögel. Foto: Jan Potente

Zuletzt hatte es Aufregung um ein verspiegeltes Mikrohaus gegeben: Naturschützer befürchteten eine Gefahr durch Vogelschlag. Dennoch lockt die Ausstellung von Tiny Houses in Weinstadt Tausende Besucher – die Veranstalter sind äußerst zufrieden.

Weinstadt - Tiny Houses und Micro Living sind im Trend. Wie sehr, das kann man an dem Teppich ablesen, der im verspiegelten Minihaus in der Ausstellung in Weinstadt-Endersbach liegt: Sein rotes Muster ist nur noch an manchen Stellen zu erkennen – und das auch nur verblasst. „Wir haben inzwischen rund 45 000 Besucher, die zu uns gekommen sind“, sagt Hans Batschauer. Der freie Projektleiter hat für Weinstadt die Ausstellung organisiert und zeigt sich zufrieden mit diesen Zahlen – wie auch die Kommune: „Zusammen mit der Sunset Lounge ist das der größte Erfolg unserer Stadt während der Gartenschau“, sagt Jochen Beglau vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Stadtmarketing.

Sieben Unternehmen aus Deutschland präsentieren noch bis zum 20. Oktober unterschiedliche Konzepte, wie Menschen flexibel und auf kleinsten Raum leben können. „Das ist ein Novum in Deutschland, das kenne ich in dieser Form nicht“, betont Hans Batschauer.

Naturschützer betrachten die verspiegelte Hausfront als Gefahr für Vögel

Großes Interesse an der Ausstellung hat auch ein Artikel unserer Zeitung ausgelöst. Darin hatte sich Klaus-Dieter Meissner, der Vize-Vorsitzende der örtlichen Nabu-Gruppe, kritisch zum Tiny House geäußert. Nach Ansicht des Naturschützers mache die verspiegelte Hausfront das Gebäude zur Todesfalle für Vögel. Rund 500 Besucher seien daraufhin nach Weinstadt gekommen, berichtet Friedrich Schäfenacker, der die Schau ehrenamtlich betreut. Er kann darüber nur den Kopf schütteln, denn er ist regelmäßig vor Ort: „Bis jetzt ist noch kein Vogel dagegen geflogen“, betont er. Das würde man ja auch als Abdruck an der Scheibe sehen. Schäfenacker sagt, er habe den Nabu eingeladen, sich mit ihm in der Morgendämmerung in das verspiegelte Haus zu setzen und die Lage live zu beobachten. „Der Nabu hat abgelehnt“, erzählt Schäfenacker.

Auch Michael Kupka, der mit seiner Firma das in Estland entworfene Spiegelhaus in Deutschland vertreibt, kann die Aufregung nicht verstehen. „Abgesehen von dieser Kritik hatten wir bislang keine Anfragen oder Probleme“, sagt Kupka. Europaweit gibt es inzwischen 55 solcher verspiegelter Tiny Houses. Und es könnten bald mehr werden, wie der Geschäftsführer von Kupkagarten berichtet: Derzeit führe er im Remstal Gespräche mit diversen Gemeinden über ein Spiegelhaushotel. Genaueres will er noch nicht verraten.

Das Minihaus ist nicht die Lösung aller Wohnprobleme

Sechs der sieben Tiny-House-Hersteller, die sich im Steinbruch an der Birkelstraße präsentieren, haben diese Woche eine Pressekonferenz genutzt, um Werbung zu machen. Manche setzen auf extremen Minimalismus – wie Tiny House Stuttgart oder Friedrich Dippon und Fritz Barth mit ihrem Holzhaus, andere auf hochmoderne Einrichtung – wie etwa Cabin One, Schwörer Haus oder das Spiegelhaus. Und andere wiederum auf die Flexibilität – wie etwa das Containerwerk, das sich nicht nur kleine Wohnlösungen, sondern auch ganze Hotels, Wohnheime und Apartmenthäuser aus ihren Hochseecontainern vorstellen kann. Räder an zwei Modellen – dem Tiny House Stuttgart und dem Wohnwagon – suggerieren, dass die Wohneinheiten schnell von einem Ort an den anderen gebracht werden können.

Eine Herausforderung besteht für alle Hersteller und Interessenten von Tiny Houses: eine Baugenehmigung oder auch nur eine Genehmigung für das Aufstellen eines Tiny Houses zu bekommen. Als Lösung für alle Wohnprobleme sehen die Hersteller ihre Produkte jedoch nicht. „Es ist eine Nische, aber es ist eine große Nische“, sagt Markus Goldmann, der Mitgründer des Containerwerks.

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