Die Spitzenköche Tino Eggert und Ole Plogstedt zeigen in der Grafenauer Gemeinschaftsschule wie man Lebensmittel verwerten kann, die abgelaufen sind.
Eine Kochshow der ganz besonderen Art gab es im Graf Ulrichbau unweit der Grafenauer Gemeinschaftsschule zu bestaunen – und dies mal nicht auf einem Fernsehbildschirm, sondern live bei einem Schulfest. Warum das?
Das Schuljahr 2023/2024 steht unter dem Motto Nachhaltigkeit, wobei alle Facetten einer kaum zu überblickenden Konsum- und Verschwendungsgesellschaft beleuchtet werden sollen. Ziel ist es, die Sinne der Schüler zu schärfen und Sensibilität zu erlangen, um bestenfalls die Möglichkeit zu schaffen, selbst einen Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten zu können. Nun mag das veränderte Konsumverhalten eines Einzelnen einen relativ geringen Beitrag zu großen globalen Missständen leisten – dennoch ist es wichtig im Kleinen zu beginnen.
Kochrebellen in der Schule
Das haben sich auch die Verantwortlichen der Schule gedacht, als sie mit dem Thema Lebensmittelverschwendung an die Profiköche Tino Eggert und Ole Plogstedt herantraten. Eggert, selbst ehemaliger Schüler der Schule und dort mittlerweile Pate und Bildungspartner in Sachen Kochen, ist unter anderem Food-Stylist für Kochevents und (Band)-Catering sowie Chefkoch des Dätzinger Gasthauses „Zum Engel“, das für regionale Speiseangebote steht. Der Hamburger Plogstedt, bekannt als RTL2-Kochprofi und Tournee-Koch für diverse Musiker wie Die Toten Hosen oder Jan Delay, ließ es sich nicht nehmen mit Koch-Freund Eggert ihr gemeinsames Kochrebellentum auf der Bühne auszuleben und nebenbei über zu wenig beachtete Missstände zu informieren.
So ganz ohne Bildschirm ging es auch im Graf Ulrich-Bau nicht. Damit man den beiden Kochkünstlern und ihren vier Gehilfen aus der Schülerschaft auf die Finger schauen konnte, wurde live gefilmt und sogar in die Schulräume übertragen. Und wie bei einer Kochshow üblich, führte auch in Döffingen eine Moderatorin durchs Programm. In diesem Fall war es Annette Eggert, Tino Eggerts Frau. Sehr wertschätzend interviewte sie im Laufe der Show Schüler und befragte sie nach ihren Essens-, Einkaufs- und Kochgewohnheiten oder stopfte Wissenslücken. Das verkürzte auch maßgeblich die Zeit, während der die Koch-Crews am Werk waren, bevor am Ende die vier Probiergäste, bestehend aus einem Schüler, einer Lehrerin, der Elternbeiratsvorsitzenden und einem Mitglied des Fördervereins, mit Genuss die vollendeten Werke genießen durften.
Beschämende Bananen
Doch bis es an den lediglich zweimal zwei Kochplatten auf der Bühne losging, zeigte Plogstedt noch sechs Sequenzen aus seinem Youtube-Video „kulinarisch solidarisch“. Zusammen mit einem Aktionskünstler aus Bremen ist er beim Containern zu beobachten und weist dabei auf Themen wie Wegwerfverhalten der Supermärkte, Überproduktion, Strafbarkeit des Containerns oder Altersarmut hin. Jedes dritte Lebensmittel, ist zu hören, wird in Deutschland weggeworfen, was in dieser Menge einer Anbaufläche in der Größe von Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland zusammen entspräche. Darunter seien zahlreiche Lebensmittel, deren Ablaufdaten gerade erst überschritten ist, die aber noch genießbar seien. Ein kleiner schwarzer Fleck auf einer Banane würde oft schon genügen, diese zu entsorgen. Tonnen von Bananen sieht man im Film auf einem großen Haufen liegen.
Für Plogstedt besonders schmerzhaft, hat er doch während eines Aufenthalts in Ecuador als Botschafter eines Projektes, selbst gesehen, wie fast alle Kinder der Bananenarbeiter aufgrund von Pestizideinsatz an schweren Erkrankungen leiden. Er engagiert sich seit 2013 gegen die Ausbeutung in wirtschaftlich benachteiligten Ländern durch deutsche Supermärkte, was dazu beigetragen hat, Bewegung in die Diskussion um das Lieferkettengesetz zu bringen.
Mehr als nur Rezepte
Im Vorfeld der Kochshow konnten sich vier Schüler in einem Wettbewerb zum kreativsten Teller einen Platz an Plogstedts und Eggerts Seite ergattern und an diesem Nachmittag aus einem großen Spendentisch die Lebensmittel auswählen, die für die spontan improvisierten Menüs in Frage kamen. Die Zutaten waren Spenden von Grafenauer Supermärkten und Einzelhändlern. Heraus kamen Gerichte wie Rösti-Burger mit Spargel, Radieschen/Tomaten-Bruschetta oder Bärlauch-Dressing mit Honig, Senf und Ayran.
Die 7 bis 15-jährigen Schüler und Schülerinnen erwiesen sich dann auch als geschickte Beiköche und dürften mit dem Publikum wohl einige Anregungen mit nach Hause genommen haben. Nicht nur, was kreative Rezepte angeht.