Die Studie zweier Wissenschaftler verrät, wie sich Dating-Portale auf Beziehungen und Ehen auswirken. Foto: dpa

Kann man auf Dating-Portalen die Liebe für das Leben finden? Durch eine Studie haben zwei Wissenschaftler herausgefunden, wie sich Online-Dating auf Beziehungen auswirkt.

Stuttgart - Wer hätte das gedacht? Dating-Plattformen wie Tinder fördern nicht nur die Beziehung zwischen unterschiedlichen Ethnien. Beziehungen, die in Online-Plattformen entstehen, enden auch in stabileren Ehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie von Josue Ortega von der University of Essex in Großbritannien, und Philipp Hergovich von der Universität in Wien.

Seit über 50 Jahren untersuchen Wissenschaftler, wie Beziehungen zwischen Menschen entstehen. Vor dem Aufkommen der Dating-Portale im Internet stammte der oder die Zukünftige häufig aus dem entfernten Bekanntenkreis – der Freund eines Freundes, der Kollege, der Klassenkamerad. Das ist heute anders: Dating-Portale wie Tinder machen es, nach Angaben des Magazins „Technolgy Review“, möglich, völlig fremde Menschen kennenzulernen.

Jede dritte Ehe entsteht online

Laut der Studie startet jede dritte Ehe heutzutage online. Für heterosexuelle Paare ist Online-Dating die zweithäufigste Art, Beziehungen zu knüpfen, knapp davor liegt nur noch das altbewährte Kennenlernen über Freunde. Ganz anders sieht das bei homosexuellen Paaren aus. Knapp 70 Prozent der gleichgeschlechtlichen Paare fanden sich 2010 bereits über Online-Portale. Über Freunde und Bekannte lernten sich im selben Jahr nur noch knapp 15 Prozent kennen.

Dating-Portale fördern die Diversität

Die positive Überraschung der Studien-Ergebnisse ist, dass die neue Art des Datings nicht nur das Kennenlernen einfacher macht, sondern es entstehen auch vielseitigere Ehen, als noch vor einigen Jahren. Die ethnische Vielfalt bei verheirateten Paaren wird größer und soziale Verbindungen, die vorher nicht existierten, werden immer häufiger geknüpft. Nach Angaben der Wissenschaftler Josue Ortega und Phillipp Hergovich lässt sich dieses Phänomen dadurch erklären, dass Menschen, die sich über Bekannte und Freunde kennenlernen, häufig in denselben Kreisen verkehren und über diese Grenzen nur selten hinaus blicken. Anders ist es bei Dating-Apps wie Tinder, bei denen man sich auch in anderen Kreisen bewegt und Menschen trifft, über die man zum Zeitpunkt des Kennenlernens noch wenig weiß.

Vielfältigere Ehen seit Einführung von Dating-Websites

Ein Beleg hierfür ist auch die geschichtliche Entwicklung von Ehen: Seit Einführung der ersten Dating-Seiten im Jahr 1995 ist die Prozentzahl an verheirateten Paaren mit verschiedenen ethnischen Herkünften gestiegen. Ein weiterer Anstieg lässt sich 2014 mit Einführung der bekannten Dating-App Tinder feststellen.

Demnach führt die moderne Art des Kennenlernens nicht nur zu schnellen und unkomplizierten Verabredungen mit Fremden. Es können durchaus ernsthafte Beziehungen entstehen. Zusätzlich finden sich durch die Dating-Portale auch Paare, die sich früher aufgrund von kulturellen und ethnischen Unterschieden nicht kennengelernt hätten.

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